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Aus: Ausgabe vom 24.03.2022, Seite 8 / Inland
Internationale Solidarität

»Die Blockade zu beenden, bleibt Hauptaufgabe«

Humanitäre Hilfstransporte für Kuba sind weiterhin notwendig. Ein Gespräch mit Klaus Piel
Interview: Fabian Linder
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Am Donnerstag startet die Aktion »Unblock Cuba« 2022. Auf Berlins Straßen wird bereits dafür geworben

Seit 1996 organisiert der Verein Humanitäre Cuba-Hilfe den Transport von Hilfsgütern. Wie haben sich die Bedürfnisse Kubas seither gewandelt?

In der sogenannten Spezialperiode in den 90er Jahren schlug weltweit die Stunde der materiellen humanitären Hilfe für Kuba. Dies führte 1996 zur Gründung der Humanitären Cuba-Hilfe, HCH. Bis 2010 hat die HCH knapp 100 Container vor allem mit medizinischem Equipment auf den Weg gebracht. Als es den Kubanern besser ging und sie andeuteten, dass sie jetzt mehr Wert auf die politische Solidarität legten, änderten wir 2006 die Satzung und konnten weltweit tätig werden, und es kam neben Kuba Mali hinzu, später Griechenland und auch Deutschland während der Flüchtlingskrise. Weil dann einige Hurricans ziemliche Schäden in Kuba anrichteten, konnten wir noch etliche Container schicken, aber nach 2010 war dann damit Schluss. Die HCH legte von da an den Schwerpunkt mehr auf politische Unterstützung, Informationsarbeit sowie soziokulturelle Projekte in Kuba und Deutschland. Wir organisierten einige Rundreisen in Deutschland und der Schweiz mit internationalistischen kubanischen Ärzten. Als wir 2019 wahrnahmen, dass sich die wirtschaftliche Lage auf Kuba infolge der verstärkten Blockade durch Trump wieder deutlich verschlechtert hatte, beschlossen wir, die materielle Hilfsarbeit wieder aufzunehmen.

Wie hat sich die Arbeit mit der Pandemie verändert?

In Kuba gab es eine Reihe von Knappheiten durch die Pandemie. Es gab große Schwierigkeiten, Spritzen und Kanülen für die Impfungen zu bekommen. Davon konnten wir etwa zehn Millionen Einheiten finanzieren, die dann von China aus nach Kuba gingen. Unser Dachverband Medicuba Europa hatte in der Pandemie knapp zwei Millionen Euro aufgebracht und davon Schutzkleidung, Medikamente und Verbrauchsmaterialien für die Impfstoffherstellung gekauft. Auch hatte man den Bau von Beatmungsgeräten in Kuba unterstützt und mitfinanziert. Medicuba konnte nicht wie gewohnt bei einer Schweizer Firma Beatmungsgeräte kaufen, da diese zuvor in US-Hand gelangte. Aufgrund der Blockade gelangen Geräte, Verbrauchsmaterialien, Medikamente und deren Rohstoffe oft nur auf Umwegen und überteuert nach Kuba.

Also wirkt sich die US-Blockade weiterhin auf die Hilfsarbeit aus?

Definitiv. Viele Firmen weigern sich, nach Kuba zu liefern, aus Angst vor Sanktionen, aus Angst um ihr US-Geschäft. Überweisungen nach Kuba werden längst nicht von jeder Bank durchgeführt. Völlig unmenschlich und kriminell ist die Haltung der USA, die die Blockade Kubas in der Pandemie sogar noch verschärft haben. Die USA verhalten sich wie die Belagerer einer Burg im Mittelalter, die die Bewohner durch Aushungern zur Aufgabe zwingen wollen. Es bleibt eine Hauptaufgabe der Solibewegung, alles zu tun, um diese Blockade endlich zu beenden und Kuba eine unbehinderte Entwicklung zu ermöglichen.

Wer sind die Partner in Kuba?

Wir arbeiten jetzt hauptsächlich mit der interreligiösen Organisation Quisicuaba in Havanna zusammen. Diese betreibt unter anderem eine Suppenküche, eine Kleiderkammer sowie eine psychosoziale Betreuung von Kranken. Durch die Zusammenarbeit von Quisicuaba mit dem Gesundheitsministerium in Havanna und weiteren Provinzen ist es uns gelungen, Hilfsmittel bis nach Santiago de Cuba und Pinar del Río zu senden.

Wie lange wird eine materielle Unterstützung Kubas überhaupt noch notwendig sein?

Solange diese Blockade besteht, muss man davon ausgehen, dass sich die Situation in den nächsten Jahren nicht verbessern wird. Dazu kommt auch der Ukraine-Konflikt, wodurch Russland vielleicht als Unterstützer nicht nur Kubas, sondern auch Lateinamerikas ausfällt. US-Präsident Biden hat auch seine Wahlkampfversprechen gebrochen, die Verschärfungen der Blockade unter Trump rückgängig zu machen. In dieser Situation ist weitere Hilfe notwendig.

Klaus Piel ist Gründer und langjähriger Vorsitzender des gemeinnützigen Humanitären Cuba-Hilfe e. V.

Auftaktveranstaltung zur »Unblock Cuba«-Aktion 2022 mit Diskussion und Kulturprogramm, heute, 19 Uhr

www.unblock-cuba.org/

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