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Aus: Ausgabe vom 25.11.2021, Seite 10 / Feuilleton
Musik

Der Klang der Stadt

Ein hybrides Festival im Konzerthaus Berlin sucht nach akustischer Identität
Von Sigurd Schulze
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Bigband-Sound und Orchesterklang: Das Babylon Orchestra

Ähnlich wie sich die Pandemie schubweise entwickelt, kam auch das Musikleben gewissermaßen in Wellen wieder in Gang, wobei das Auf und Ab der Vorschriften weiterhin für einige (unangenehme) Überraschungen sorgt. Dennoch: Die langen Pausen haben interessante Ideen gedeihen lassen. Im Konzerthaus der Hauptstadt etwa haben sich Programm- und Orchesterdirektor Ulf Werner, die Dramaturgen und Musiker gefragt: Wie klingt Berlin? Darauf soll nun das Hybridfestival »The Sounds of Berlin« vom 25. bis 28. November Antworten geben.

Dessen Rückgrat bildet das Konzerthausorchester selbst mit Uraufführungen von Werken Berliner Komponisten sowie mit der Aufführung zeitgenössischer Werke. So wird Emilio Pomàrico am 26. November gemeinsam mit dem Vision String Quartet das Werk »Technología« für Streichquartett, zwei Orchestergruppen und Elektronik von Thorsten Encke uraufführen, zudem »Urbanica« von Christian Jost. Hinzu kommen »Scattered ways« von Sarah Nemtsov und »Nahe Ferne – Momente zu Ludwig van Beethovens Klavierstück B-Dur« von Aribert Reimann. Hochkarätigen Jazz verspricht ein Ensemble um die Pianistin Julia Hülsmann am Freitag im Kleinen Saal, während das Babylon Orchestra am Sonnabend europäische und nahöstliche Musik, Bigband-Sound und Orchesterklang verbindet. Die bekannte queere DJ Ipek mischt im Großen Saal traditionelle Musik des Mittleren Ostens und Anatoliens mit elektronischem Sound. Am selben Ort werden das Trickster Orchestra und Mitglieder des Konzerthausorchesters am Sonntag die hohe Kunst der Improvisation pflegen.

Etwas gänzlich Neues bringen die »Sounds of Berlin hybrid« am Sonntag um 16 Uhr. Publikumsgruppen an drei Orten – im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses, im Maschinenhaus des Kindl-Kunstzentrums und in der Aula der Gemeinschaftsschule Campus Efeuweg – werden online zu einer interaktiven Gemeinschaft zusammengeschaltet. Derweil improvisieren verschiedene Ensembles und Künstler, um ein Panorama des Berliner Sounds zu schaffen. Grundlage dafür ist auch eine »Videopartitur« des Künstlers Florian Japp, der diese auf Grundlage von Foto- und Videoeinsendungen erstellt hat. Geht es bei Japps um Orte der Stadt, so haben sich Tobias Kipp und Schüler der Gemeinschaftsschule deren Menschen gewidmet. In kurzen Animationsfilmen fragen sie nach deren Identität.

Der Anspruch der Veranstalter, die Vielfalt und Internationalität der Musikkulturen in Berlin abzubilden, scheint etwas hochgegriffen, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel das Konservatorium für Türkische Musik und andere nationale Ensembles aus Berlin nicht dabei sind. Vielleicht hätte man sie einbinden können, statt externe Gäste einzuladen. Eine leider nicht genutzte Chance. Dennoch ist das Festival von einigem Reiz. Der Livestream läuft auf den Konzerthauskanälen bei Youtube und Twitch.

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