-
22.05.1997
- → Ausland
Kabila in Kinshasa eingetroffen
Rückführung der Flüchtlinge aus Biaro praktisch beendet
Der neue Machthaber Kongos (ehemals Zaire), Laurent-Desiré Kabila, ist am Dienstag abend in die Hauptstadt Kinshasa gereist. Er traf aus Lubumbashi kommend auf dem Flughafen Kinshasa-Ndjili ein und begab sich umgehend in die Residenz des ehemaligen Regierungschefs im Diplomatenviertel. Zahlreiche begeisterte Menschen erwarteten den selbsternannten Präsidenten in den Straßen Kinshasas, allerdings kamen weit weniger als die erwarteten Zehntausenden.
Nach Angaben der Wachsoldaten wollte Kabila am Dienstag keine Erklärung mehr abgeben. Er hatte sich am Sonnabend zum Präsidenten ausrufen lassen und angekündigt, er werde innerhalb von drei Tagen eine Regierung der nationalen Einheit bilden. Zunächst war erwartet worden, er werde noch am Dienstag abend seine neue Regierung bekanntgeben. Damit wurde nun für den gestrigen Mittwoch gerechnet. Ein riesiges Sicherheitsaufgebot sicherte das Viertel um die Residenz Kabilas.
In einer Fabrik am Rande Kinshasas wurden am Dienstag nachmittag zwei französische Geschäftsleute ermordet. Sie seien von Männern in Uniformen in den Rücken geschossen worden, eines der Opfer sei auch in den Kopf getroffen worden, verlautete aus sicherer französischer Quelle. Frankreichs Botschaft in Kinshasa hatte die französischen Unternehmen am Dienstag aufgerufen, die Geschäfte in dem Land wiederaufzunehmen.
Die Aktion des UN-Hochkommissariats (UNHCR) zur Rückführung der ruandischen Hutu-Flüchtlinge aus dem Lager Biaro im Osten Kongos ging am Dienstag praktisch zu Ende. Die letzten Flüchtlinge seien per Zug und per Lastwagen aus Biaro nach Kisangani gebracht worden, von wo aus sie in ihre Heimat geflogen würden, teilte ein UNHCR-Sprecher mit. Knapp 35 000 Ruander aus dem Lager Biaro seien mittels der UN-Luftbrücke, die am 27. April begonnen worden war, in ihr Heimatland gebracht worden. Das Schicksal von etwa 40 000 weiteren Menschen, die sich in Biaro und dem benachbarten Lager Kasese aufgehalten hatten, sei aber noch ungeklärt. Den siegreichen Tutsi-Rebellen werden Massaker an den ruandischen Hutu-Flüchtlingen vorgeworfen. Eine UN-Mission, die den Vorwürfen nachgehen wollte, wurde von Kabila aber nicht in die fragliche Region gelassen.
Kabila wollte am Mittwoch seine Regierungsmannschaft vorstellen. Zuvor hatte dessen Finanzminister Mwana Nanga Mawapanga erklärt, daß in die Regierung keine Parteien berufen würden, sondern Persönlichkeiten, die in Opposition zum geflohenen Expräsidenten Mobutu Sese Seko gestanden hätten. Auf die Frage nach Wahlen sagte er, es sei nicht an der Zeit, das Land zu spalten.
AP/AFP/jW
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
