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Aus: Ausgabe vom 04.10.2021, Seite 16 / Sport
Turnen

Welches Krisenmanagement?

Trotz des juristischen Erfolges der Chemnitzer Turntrainerin Gabriele Frehse will der DTB nicht einlenken
Von Andreas Müller
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Seit den Schikanevorwürfen von früheren Athletinnen gegen Trainerin Frehse (Foto) im vorigen November hat der DTB kein Gespür für die knifflige Situation entwickelt

Ob Turntrainerin Gabriele Frehse ihre Tätigkeit wieder aufnehmen kann, bleibt trotz ihres juristischen Erfolges vom Freitag ungewiss. Nachdem das Arbeitsgericht Chemnitz die vom Olympiastützpunkt (OSP) Sachsen Ende April ausgesprochene Kündigung für unwirksam erklärt hatte, folgte die Reaktion des Deutschen Turnerbundes (DTB) auf dem Fuße. Der Verband, der über die am OSP angestellte Trainerin Frehse die sportfachliche Aufsicht ausübt, will das Urteil nicht akzeptieren und den Arbeitsgeber bitten, dagegen Berufung einzulegen. »Der DTB hat seine Position klar kommuniziert; es gilt unvermindert, dass eine Rückkehr von Frau Frehse an den Bundesstützpunkt Turnen für den DTB ausgeschlossen ist.«

Das harsche Statement zeigt, wie der »Fall Frehse« längst zu einem »Fall Turnerbund« mutierte; seit den Schikanevorwürfen von früheren Athletinnen gegen die Trainerin im vorigen November hat der DTB jedenfalls keinerlei Gespür für die knifflige Situation entwickelt.

Nun kassierte der DTB die Quittung für seine Weigerung, eine außergerichtliche Klärung herbeizuführen. Alle Rufe nach einer Mediation, wie sie im Mai noch einmal die Chemnitzer Spitzenturnerinnen Sophie Scheder und Lisa Zimmermann vorgeschlagen hatten, verhallten bei Präsident Alfons Hölzl ungehört. Er hatte es nicht einmal für nötig erachtet, persönlich nach Chemnitz zu reisen. Schnell hätte der Funktionär dort bemerken können, dass die Vorwürfe der Sportlerinnen zwar keineswegs haltlos und sehr ernst zu nehmen sind, zugleich aber die aktuellen Frehse-Schützlinge und sogar deren Eltern vorbehaltlos hinter der Trainerin und ihrer Arbeit stehen. Ein Doppelbild, das der Bericht der mit der Untersuchung beauftragten Kanzlei exakt nachzeichnete. Von insgesamt 35 befragten Sportlerinnen hätten 17 die Vorwürfe psychischer Gewalt bestätigt.

Ein keineswegs eindeutiges Ergebnis also, und trotzdem bot es selbst für die ermittelnde »Ombudsstelle« anscheinend keinen Anlass, dem DTB eine Mediation zu empfehlen. Geduldig hatte der OSP als Arbeitgeber abgewartet, ob sich Kündigung und nachfolgender Prozess vermeiden ließen. Nach fünf Monaten war klar: Anders ist diesem gordischen Knoten nicht mehr beizukommen. Vor diesem Hintergrund erscheint einigermaßen dreist, wenn Präsident Hölzl am Freitag der dpa sagte, man sei »nicht Prozessbeteiligter« – und im nächsten Atemzug den OSP auffordert, in Berufung zu gehen und vor dem Landesarbeitsgericht ein weiteres Abenteuer zu wagen.

Die Frage liegt nahe, wer der Reputation des Turnens mehr geschadet hat: die Trainerin oder der Verband mit seinem Krisenmanagement. Wolfgang Hambüchen, der Vater und Trainer von Turnolympiasieger Fabian hat seine Antwort schon parat. Er erwartet von den Verantwortlichen des DTB, insbesondere von Präsident Alfons Hölzl und Generalsekretärin Michaela Röhrbein, »ihr Fehlverhalten im Umgang mit der erfolgreichen Trainerin Gabi Frehse einzugestehen und als Konsequenz daraus von ihren Ämtern und Aufgaben im Verband zurückzutreten«, sagte Wolfgang Hambüchen dem Fachportal Gymmedia.de.

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