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Aus: Ausgabe vom 02.08.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
Kriegspolitik

Aufmarsch im Zielgebiet

Maritime Kriegsübungen gegen China: Unter US-amerikanischer Führung finden derzeit im Pazifik diverse Manöver statt. Auch Berlin entsendet eine Fregatte
Von Jörg Kronauer
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Drehkreuz für Angriffe gegen China: US-Marinebasis Guam im Westpazifik (2016)

Manöverhochbetrieb herrscht in diesen Tagen in den Gewässern Ostasiens und des Pazifiks, in die die Fregatte »Bayern« am heutigen Montag aufbricht. »Forager 21«, »Talisman Sabre«, »Pacific Griffin«, »Pacific Iron« – das sind die Namen nur einiger der diversen Kriegsübungen, die die US-Streitkräfte zur Zeit in den pazifischen Weiten durchführen oder die sie soeben abgeschlossen haben. An vielen von ihnen sind Truppen verbündeter Staaten beteiligt, und es kommen Manöver hinzu, die verbündete Staaten ihrerseits organisieren – darunter nicht zuletzt die europäischen Mächte Großbritannien und Frankreich. Die »Bayern« begibt sich nicht auf eine harmlose Ausbildungsfahrt, sie begibt sich in eine militärisch hochfrequentierte Region.

Ein Beispiel: Forager 21, am 11. Juli gestartet, läuft noch bis Ende dieser Woche. Laut Angaben der US-Streitkräfte handelt es sich dabei um die Hauptübung im Kontext mit »Defender Pacific 21«. Das wiederum ist das Gegenstück zu »Defender Europe«, dem Großmanöver, bei dem jedes Jahr große US-Verbände über den Atlantik in Richtung russische Grenze verlegt werden. Defender Pacific probt hingegen den Aufmarsch in Richtung China. Die Teilübung Forager 21 wird vom First Corps geführt, das sein Hauptquartier in Fort Lewis bei Seattle im US-Bundesstaat Washington hat; es kämpfte bereits im Zweiten Weltkrieg im Pazifik und anschließend im Koreakrieg. Nach mehreren Abstechern in den Mittleren Osten, vor allem in den Irak, ist es seit 2012 für Einsätze im Pazifik wieder die erste US-Adresse. Im Rahmen von Forager 21 werden die Verlegung von Heerestruppen über den Pazifik insbesondere nach Guam sowie allerlei weitere Operationen geprobt, darunter – teils gemeinsam mit japanischen Einheiten – Luftlandeoperationen sowie Operationen mit scharfem Schuss. Beteiligt sind rund 4.000 US-Soldaten.

Guam, nördlich von Papua-Neuguinea und östlich der Philippinen im Pazifik gelegen, besitzt hohe strategische Bedeutung. Die Insel, die von den Vereinten Nationen als »Non-Self-Governing Territory« gelistet, faktisch also als ein zu entkolonialisierendes Gebiet eingestuft wird, beherbergt zwei wichtige US-Stützpunkte: die Andersen Air Force Base, von der aus im Kriegsfalle Angriffe auf China geflogen würden, sowie die Naval Base Guam in Apra Harbor. Guam ist ein Brennpunkt der aktuellen US-Manöver – von Forager 21 über »Freedom Banner«, eine Übung mit rund 1.200 US-Marines, bis zu Pacific Griffin 21, das am 22. Juni begann und am 7. Juli zu Ende ging. Pacific Griffin, 2017 zum ersten Mal abgehalten, ist ein binationales Manöver der Vereinigten Staaten mit Singapur, das in diesem Jahr Luft- sowie Über- und Unterwasseroperationen rings um Guam beinhaltete. Im vergangenen Jahr war die Kriegsübung im Südchinesischen Meer abgehalten worden. Schon vor und auch noch nach Pacific Griffin waren Kampfjets von Singapurs Luftwaffe auf der Andersen Air Base zu weiteren Übungen stationiert.

Guam ist – nach Hawaii – eine zweite wichtige Station für US-Militärs auf dem Weg über den Pazifik in Richtung China. Die US-Streitkräfte greifen mit ihren Manövern allerdings weit darüber hinaus. Ein Beispiel bietet das Programm »Pacific Pathways«, das 2014 gestartet wurde – nicht zufällig: Im Herbst 2011 hatte der damalige US-Präsident Barack Obama seinen »Pivot to Asia« (»Schwenk nach Asien«) bekanntgegeben. Im Rahmen von Pacific Pathways werden US-Truppen alljährlich zu gemeinsamen Übungen in andere Länder der Asien-Pazifik-Region verlegt, gewöhnlich in drei direkt nacheinander, bevor sie in ihre Heimatkasernen zurückkehren. Das schafft und stabilisiert Bindungen zu zahlreichen Staaten – von kleinen wie Palau über größere wie Thailand und die Philippinen bis zu mächtigen Ländern wie Australien.

Teil der Pacific Pathways ist inzwischen regelmäßig die Übung Talisman Sabre, ein alle zwei Jahre abgehaltenes australisch-US-amerikanisches Manöver, das in diesem Jahr Mitte Juli in Queensland im Nordosten Australiens gestartet wurde und am vergangenen Sonnabend zu Ende ging. Beteiligt waren dieses Jahr gut 17.000 US-Soldaten – wegen der Covid-19-Pandemie nur halb so viele wie zuvor. Eine Besonderheit war, dass diesmal Patriot-Abwehrraketen in die Übung einbezogen wurden. Zudem nahmen zwecks Stärkung der militärischen Bündnisstrukturen Soldaten nicht nur von zwei NATO-Mitgliedern (Kanada, Großbritannien), sondern auch aus drei weiteren Staaten (Neuseeland, Japan, Südkorea) teil, die Washington dichter an das transatlantische Militärbündnis binden will. Es sollen Beobachter unter anderem aus Indien und Deutschland präsent gewesen sein. Regelmäßig finden Proteste gegen Talisman Sabre statt; das war auch in diesem Jahr der Fall.

Verlegemanöver aus den USA in Richtung China, gemeinsame Kriegsübungen mit verbündeten Staaten, schließlich auch Luftabwehrtraining zur Verteidigung gegen mögliche Gegenangriffe aus China: Die militärischen Aktivitäten im Zielgebiet der Fregatte »Bayern« lassen kaum Fragen offen. Das gilt insbesondere für die Übung Pacific Iron, die in diesen Tagen von Guam aus koordiniert wird. Dorthin sind neben zehn Jagdbombern vom Typ Boeing F-15E und zwei Hercules-Transportflugzeugen über zwei Dutzend Tarnkappenjäger vom Typ F-22 verlegt worden – mehr denn je zuvor. Die F-22 hätten im Kriegsfalle insbesondere die Aufgabe, die feindliche Luftabwehr auszuschalten. Als Problem gilt aktuell in US-Militärkreisen, dass die Volksrepublik mit ihren Raketenstreitkräften wohl in der Lage wäre, wichtige Startbahnen wie etwa diejenigen auf Guam binnen kürzester Zeit auszuschalten. Bei Pacific Iron wird deshalb geprobt, viele Kampfjets auf diverse kleinere Flugfelder zu verteilen, zum Beispiel auf abgelegenere Startbahnen auf Guam oder auf Flugplätze auf der etwas nördlich von Guam gelegenen Insel Tinian. Das würde die erwähnte chinesische Gegenwehr erschweren und einen Krieg wohl wieder führbar machen, bis die große Andersen Air Base, wie geplant, mit einem aufwendigen Raketenabwehrsystem gesichert ist.

Hintergrund:Die »Bayern« in Ostasien

Begleitet von einigem Medienrummel wird die Fregatte »Bayern« am frühen Montag nachmittag aus ihrem Heimathafen Wilhelmshaven auslaufen und in Richtung Ostasien aufbrechen. Nach einer kurzen Teilnahme an der NATO-Operation »Sea Guardian« im Mittelmeer soll sie in gut drei Wochen das Horn von Afrika erreichen, wo sie sich in die EU-Operation »Atalanta« einklinken wird. Anfang November wird sie dann in Tokio erwartet. Anschließend ist eine Beteiligung an der Überwachung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea geplant, wobei die »Bayern« nach Angaben der Bundesregierung unter anderem »durch Beobachten und Melden verdächtiger Aktivitäten« zum »maritimen Lagebild« beitragen soll; geplant ist auch die »Verbindungsaufnahme mit verdächtigen Schiffen«. Anschließend wird die Fregatte die Heimreise antreten und dabei auch das Südchinesische Meer durchqueren. In Wilhelmshaven zurückerwartet wird sie nach immerhin fast sieben Monaten am 28. Februar 2022.

Die Entsendung einer deutschen Fregatte nach Ostasien war ursprünglich bereits für 2020 geplant gewesen; die Fahrt der Fregatte »Hamburg« musste allerdings wegen der Pandemie abgesagt werden. Zum offiziellen Ziel der Machtdemonstration lässt sich Marineinspekteur Kay-Achim Schönbach mit der Äußerung zitieren: »Es geht darum, Flagge zu zeigen und vor Ort zu demonstrieren, dass Deutschland auf der Seite seiner internationalen Wertepartner für die Freiheit der Seewege eintritt« – Kanonenbootpolitik wie zu Kaisers Zeiten. Zu den »Höhepunkten« der Reise, die die Bundesregierung als »Präsenz- und Ausbildungsfahrt« einstuft, zählen der Bundeswehr zufolge »gemeinsame Übungen mit befreundeten Streitkräften und Marinediplomatie in Form von formellen Hafenbesuchen«. Übungen sind mit den Marinen Australiens, Japans, Singapurs und der USA geplant; von geplanten Stopps in Vietnam, Südkorea und eventuell noch weiteren Ländern wird berichtet. Anfang Juni hieß es zudem während des Besuchs von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auf Guam, die »Bayern« werde auch dort anlegen. (jk)

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Dieter R. aus Nürnberg ( 2. August 2021 um 07:32 Uhr)
    Ein Gespenst geht um im Westen – die »gelbe Gefahr«. Im Zusammenhang mit der Entsendung deutscher US-Hilfstruppen in Richtung des neuen alten Erzfeindes könnte die alte »Hunnenrede« Kaiser Wilhelms aktualisiert so ähnlich lauten? »… dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzusehen, aber trotzdem weiterhin fleißig unsere schönen Autos kauft.« Die Rechnung wird aber auf Dauer nicht aufgehen, den Knüppel zu schwingen und gleichzeitig profitable Geschäfte zu machen. Man wird sich letztlich entscheiden müssen, für Krieg oder friedlichen Handel, und zwar bald, denn der dritte Weltkrieg ist keine »Zukunftsutopie« mehr, sondern wird derzeit Schritt für Schritt konkret vorbereitet.
  • Leserbrief von Richard ( 1. August 2021 um 22:24 Uhr)
    Geistig verwirrte bzw. unterbelichtete Rechtsextremisten mit Potenzproblemen. Angesichts der Klimakatastrophe (die ebenso – wie viele andere Probleme auf dieser Erde, z. B. auch Hunger in vielen Regionen – ein Produkt von Rechtsextremisten ist, Stichwort »Krieg ums Öl«, seit Hitler/Rockefeller und immer wieder neu aufgewärmt), wird offenbar, wofür diese Leute stehen (Zerstörung des Planeten), und vor allem, was angesichts der näherkommenden Einschläge (die Welt brennt, wenn sie nicht gerade überflutet oder mit unerwartetem Schnee wie in Brasilien beglückt wird) immer krasser zum Vorschein kommt, wofür sie ausdrücklich nicht stehen: die Bewältigung von echten Problemen abseits von rüpelhaftem Trommeln auf der Brust, wer der Stärkste ist. Das Pentagon ist der Inbegriff der rechtsradikalen Unterbelichtung. Ob deren saudämliches Kriegsspielzeug auch gegen Mutter Natur anstinken kann? Und wenn nein, wie sieht es dann eigentlich mit dem Feindbildschüren aus? Kommen sie uns dann auch mit ihren irrationalen Gedankengängen um die Ecke? Anders gefragt: wen sie wohl für die Ergebnisse ihrer jahrzehntelangen Arbeit zur Zerstörung von Mensch und Natur wohl verantwortlich machen werden, wobei es am Ende nichts nützen wird, weil davon – wie immer – kein einziges Problem gelöst sein wird. Der Klimawandel lässt sich davon ganz bestimmt nicht beeindrucken. Es sind arme, traurige Gestalten, die gerade versuchen der Welt zu beweisen, dass man Geld doch essen kann, (...) und sie werden fulminant scheitern.

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