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Aus: Ausgabe vom 22.04.2021, Seite 5 / Inland
Hochschulpolitik

Lahme Taskforce

FU Berlin: Verdi-Betriebsgruppe kritisiert Coronakrisenmanagement
Von Simon Zamora Martin
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Die Aktiven der Verdi-Betriebsgruppe der Freien Universität Berlin (FU) sind empört. Über den Vizepräsidenten der Hochschule, Hauke Heekeren. In einem jüngst verbreiteten Video der »Coronataskforce« hält er grinsend eine Schallplatte der Band »Supertramp« in die Kamera und liest den Titel der Scheibe ab: »Crisis? What crisis?« »Es ist unfassbar, wie er die Pandemie verharmlost«, sagte der FU-Beschäftigte Tim Bohr* am Mittwoch im jW-Gespräch. Aus Angst vor Repressalien möchte er seinen echten Namen nicht in der Zeitung lesen.

Die verharmlosenden Bemerkungen des FU-Vize kommen offenbar nicht von ungefähr. In der Kritik steht insgesamt die Pandemiebekämpfung der Hochschulleitung. Mit Grund: An der FU sind Beschäftigte an Covid-19 verstorben. Doch der Leitung falle nichts Besseres ein, als zu behaupten, »dass eine Ansteckung bei der Arbeit nicht nachgewiesen sei«, erklärte die Verdi-Betriebsgruppe in einer Stellungnahme vom Mittwoch. Sie klagt das Krisenmanagement der Uni an. Zu Beginn der Coronawelle wurde ein »Pandemiestab« gegründet, in dem auch Personalräte vertreten waren. Doch seit Mai 2020 habe dieses Gremium keine Entscheidungskompetenzen mehr, und die letzte Sitzung fand formal im Oktober 2020 statt. »Das Gremium existiert nur auf dem Papier«, sagen die Verdianer. Statt dessen wurde nun die »Coronataskforce« geschaffen, in der neben der Kanzlerin und dem Vizepräsidenten Heekeren die Stabsstelle strategische Planung, das Präsidialamt, die Pressestelle und Referenten vertreten sind. Personalräte, die Dienststelle Arbeitssicherheit und der Betriebsärztliche Dienst indes fehlen. Wertvolle fachliche Expertise der FU würde so verschenkt, kritisiert die Gewerkschaftsgruppe. Die Zusammensetzung der Taskforce sei »nur darauf ausgerichtet, ein gutes Bild nach außen abzugeben«.

Offenbar schafft es die Taskforce noch nicht einmal, gesetzliche Bestimmungen umzusetzen. Seit dem 31. März müssen alle »Arbeitgeber« in Berlin ihren Beschäftigten zweimal wöchentlich kostenlose Coronatests zur Verfügung stellen. Vergangene Woche kritisierte der Personalrat Dahlem, dass selbst drei Wochen nach Einführung dieser Vorgabe jede Strategie bei der Umsetzung an der FU fehlt. Eine jW-Anfrage hierzu ließ die Pressestelle der Uni bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Nicht nur das: Die erste Mail der Taskforce an die FU-Beschäftigten vom 20. April, die jW vorliegt, legt nahe, dass weiterhin nicht allen Berechtigten das verpflichtende Angebot gemacht werden kann. Demnach werden im Moment die ersten Pilotprojekte für Coronatests auf die gesamte FU ausgeweitet. Darüber hinaus verweist die Taskforce auf die vom Senat bezahlten Bürgertests.

Der Unmut unter Studierenden ob des mangelnden Krisenmanagements der Unileitung wird gleichfalls größer. Am kommenden Mittwoch wollen sich Studierende und Beschäftigte der Freien Universität zu einer gemeinsamen Onlinevollversammlung treffen.

Wer hat Angst vor wem?

Diejenigen, die sich nicht scheuen, gegen Faschismus, Rassismus, Krieg und Ausbeutung einzutreten? Die dafür mit Verfolgung und Repression rechnen müssen? Oder diejenigen, die Verfassung und die herrschenden Verhältnisse »schützen«?

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