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Aus: Ausgabe vom 16.03.2021, Seite 5 / Inland
Arbeitskonflikt

Dumping beim Sprachkurs

»Learnship«: Weniger Honorar und Mehrarbeit. Lehrkräfte organisieren sich
Von Oliver Rast
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Block, Zettel, Stift: Utensilien sind selbst beim virtuellen Sprachenunterricht erforderlich

Jobverhältnisse werden prekärer, auch für digitale Sprachenvermittler. »Learnship«, ein sogenannter internationaler Branchendienstleister, engagiert vorrangig freiberufliche Lehrkräfte. Einige opponieren nun: gegen miese Entgelte und unbezahlte Mehrarbeit.

Unmut gibt es bereits seit vergangenem Frühjahr. »Rückwirkend zum 1. Mai 2020 wurde unser Honorar um 25 Prozent gekürzt«, sagte Maren Berger (Name geändert) am Montag im jW-Gespräch. Ein Einkommensverlust, den viele nicht anderweitig ausgleichen können, so Berger weiter. Den Beschäftigten wurde faktisch ein Ultimatum gestellt: Entweder sie setzten ihre Unterschrift unter den neuen Vertrag und akzeptierten die Kürzung, oder sie bekämen keine Unterrichtskurse mehr zugewiesen – wären gewissermaßen »on hold«. Begründet wurden die »Einschnitte« seitens der Geschäftsführung mit coronabedingten Einbußen. Ein bekannter Vorwand von Unternehmen, findet Berger. Die Geschäftsführung von Learnship wollte auf die Vorwürfe nicht antworten, ließ zwei jW-Anfragen unbeantwortet.

Einige der Fachkräfte haben begonnen, sich zu organisieren. Über eine Whats-App-Gruppe und in einer eigens gegründeten Betriebsgruppe der Basisgewerkschaft Freie Arbeiterinnen- und Arbeiterunion (FAU). »Wir sind wütend, wissen aber auch, dass wir ohne Aufträge bleiben, wenn wir namentlich öffentlich auftreten«, so Sprachentrainerin Berger. Eine weitere Freiberuflerin ergänzte gegenüber jW: »Die Aktiven sind in der FAU-Gruppe, arbeiten noch für Learnship und haben vor, es auch weiterhin zu tun.«

Neben der Rücknahme der Honorarkürzungen haben die basisgewerkschaftlich Organisierten zwei weitere zentrale Punkte auf dem Zettel: Transparenz bei der Honorargestaltung und volle Bezahlung von durch Lernende verpassten Unterrichtseinheiten. Beides fehlt bislang. »Honorare für die gleiche Tätigkeit fallen teils sehr unterschiedlich aus«, kritisiert Berger. Des weiteren ärgert sie, dass bei Nichterscheinen von zu Unterrichtenden lediglich ein Drittel des Stundenlohns ausbezahlt werde. Hinzu kommt: Der Arbeitsaufwand für die Lehrkräfte steige, Kurse müssen beispielsweise selbst terminiert werden. »Unbezahlte Extrazeit«, sagte sie.

Das Betriebsklima war schon mal besser. »Learnship hat als kleines, nettes Startup 2008 angefangen«, erinnert sich Berger, die bereits seit Jahren dabei ist. Mit dem Einstieg des Medienkonzerns Bertelsmann sei die Atmosphäre schlechter geworden. »Learnship versucht sich als Global Player.« Das stimmt wohl. Der Sprachenvermittler schult Mitarbeiter von etwa 2.000 Kunden in 75 Ländern, darunter seien Beschäftigte von Amazon, Nestlé, Puma und Volvo, schrieb die FAU in einer Pressemitteilung vom Montag voriger Woche.

Nur: Wie lässt sich verstärkt Protest organisieren? Einfach ist das nicht, zumal nicht bei Onlineservices. Die FAU strebe »eine überbetriebliche Mobilisierung der Branche an«, sagte deren Berliner Pressesekretär am Montag gegenüber jW. Eine Antwort auf die Ausbeutung prekärer, hochflexibilisierter Selbständigkeit, die zudem nicht standortgebunden sei, habe indes bislang keine Gewerkschaft gefunden, räumt er ein.

Sprachentrainerin Berger weiß darum. »Wir diskutieren in unserer Whats-App-Gruppe, kennen uns zumeist nicht persönlich«, sagte Berger. Das mache koordinierte Kampagnen schwierig. »Es fehlt die Mimik, die Gestik aller Mitstreitenden.« Es gibt ein Zusatzproblem: Viele, die bei Learnship tätig sind, arbeiten parallel für weitere Sprachschulen, als Übersetzer oder halten sich mit Unterrichtsstunden für Privatschüler über Wasser. Die Beschäftigungsverhältnisse seien divers, ein kollektiver Auftritt selbst im virtuellen Raum brauche lange. Dennoch, einen kleinen Teilerfolg gibt es. Die Honorare lägen jetzt nur noch bei zehn Prozent unterhalb des vormaligen Stands. Der FAU reicht das nicht. »Falls Learnship nicht einlenkt, muss mit direkten Aktionen gerechnet werden«, kündigte der Pressesekretär vage an. Und trotz der branchenspezifischen Hindernisse: »Wir organisieren uns weiter«, betonte Basisgewerkschafterin Berger.

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