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Aus: Ausgabe vom 25.02.2021, Seite 10 / Feuilleton
Pop

Robbies Dämonen

Von Michael Saager
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Demnächst dann auch im Kino: Entertainer Robbie Williams

Kalte Zeiten, warmes Herz. Mit spannenden Pop-News aus Ihrer jW-Redaktion. Nicht wahr: Auch wir beherrschen diese Flötentöne ein bisschen, womit wir bei Nathan Evans wären. Der 26jährige Schotte arbeitete bislang als schlechtbezahlter Postbote, seit seine pupslangweilige Coverversion des neuseeländischen Seemannsgassenhauers »Wellerman« durch die Decke ging – seit Freitag ist das Stück Sehnsucht nach weiter Ferne auch hierzulande auf Platz eins gehüpft –, wird er von gerissenen Managern und Anwälten abgezogen, was er aber zum Glück noch nicht weiß. Egal auch, denn alle, alle lieben Evans, der im Dezember 2021 endlich von seiner Plattenfirma auf Tour gejagt werden soll. Dass Evans’ »Wellerman«, wie es sich für große und kleine Kinder gehört, die mitmachfreudig bei Tik Tok rumhängen, von Tausenden gecovert wurde, freut einmal mehr die Betreiber der datenverliebten Plattform. Auch Musicalmann Andrew Lloyd Webber, Queens Brian May und Gary Barlow waren anscheinend schwer angetan von dem Stück, jedenfalls haben sie es sich nicht nehmen lassen, weitere Versionen beizusteuern. Dankeschön.

Wo Barlow ist, ist seine Nemesis Robbie Williams nicht weit. Einen Satz wie Evans’ halb erschrockenes »Das ist alles so neu für mich!« wird man von Williams in dieser Welt nicht mehr hören. Der – abgesehen von Kanye West – berühmteste Borderliner der Erde hat in seinem 47jährigen Leben schon so einiges gesehen, gehabt, verloren – und verbrochen. Die Trennung von Take That vor allem. Ich kann mich noch genau erinnern: Als die Nachricht, Take That hätten sich aufgelöst, durch die Medien posaunt wurde, rannte die 12jährige Tochter meiner Nachbarin unter Mordsgebrüll hinaus in den Garten, wo sie sich etwas antun wollte. Da sie keine Waffe dabeihatte, ließ sie es bleiben. Statt dessen starb sie zwei Wochen lang den langsamen Tod der Tränen unter den Pferdepostern in ihrem Mädchenzimmer. Das war vor einer Popewigkeit im Jahr 1996.

Inzwischen ist ein bisschen was passiert, Kriege und so. Popmusik indessen ist noch egaler geworden, als sie es damals schon war. An Take That und Robbie Williams wird sich vielleicht auch bald niemand mehr erinnern können, ein Biopic über den Mann könnte helfen. Und – na so was! – tatsächlich hat Regisseur Michael Gracey ein Biopic über Robbie Williams geplant, Arbeitstitel »Better Man«, in dem es darum gehen soll, Williams Dämonen zu erforschen. Einerseits. Andererseits sei Williams, pardon Robbie, ein »Jedermann, der nur große Träume hatte und ihnen gefolgt ist, und sie haben ihn an einen unglaublichen Ort gebracht«. Irre Karriere: Von der fremdbestimmten Kindermarionette zum selbstbestimmten Hampelmann der Kulturindustrie. Trotzdem ein ganz cooler Typ, irgendwie.

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