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Aus: Ausgabe vom 29.09.2020, Seite 2 / Kapital & Arbeit
Warnstreik

»Der Kampf ist im Interesse aller Beschäftigten«

Warnstreik an Berliner Klinik: Charité-Mitarbeiter kritisieren Strategie des Outsourcings und zeigen Solidarität. Ein Gespräch mit Paul Zahl
Interview: Moritz Schmöller
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Protest der CFM-Beschäftigten in Berlin (26.8.2020)

An diesem Dienstag beginnt für Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen der Berliner Charité ein Warnstreik. Mit welchen Erwartungen schauen Sie auf die aktuelle Tarifrunde?

Unsere Forderung nach einer Lohnerhöhung ist wichtig und berechtigt, zudem ist die Bezahlung der Pausenzeit oder eine Arbeitszeitverkürzung überfällig. Neben den Forderungen zum TVöD ist es mir wichtig, im Arbeitskampf deutlich zu machen, dass wir eine Spaltung der Belegschaft nicht länger dulden werden.

Meinen Sie damit die ausgegliederten Beschäftigten der Charité Facility Management GmbH, kurz CFM?

Richtig. Die CFM gehört wieder zu 100 Prozent zur Charité, doch die Kolleginnen und Kollegen werden nicht nach TVöD bezahlt. Das ist nicht länger hinnehmbar. Bei allen Aktionen des Streiks sollte die Forderung »Ein Betrieb, ein Tarifvertrag« sichtbar sein.

Wieso unterstützen Sie als Charité-Mitarbeiter die Beschäftigten der CFM?

»Sparmodelle« dieser Art werden immer häufiger genutzt und bedrohen damit auch uns, die nach TVöD bezahlt werden. Viele Aufgaben der CFM waren mal selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit an der Charité. Derzeit werden zum Beispiel Kooperationen mit privaten Hochschulen aufgenommen, um Studiengänge in der Pflege anzubieten – kostenpflichtig natürlich. Und das, obwohl die Charité sogar zwei Mutteruniversitäten hat. Der Kampf gegen das Outsourcing – gegen die Spaltungslogik des Berliner Senats – ist im Interesse aller Charité-Beschäftigten.

Die Lohnentwicklung bei Stammbeschäftigten der Mutter und der Niedriglohntochter geht immer weiter auseinander. Was macht das mit dem Betriebsklima?

Das drückt auf die Stimmung, auf allen Seiten. Wir sehen jeden Tag, welche schwere und wichtige Arbeit in der Reinigung, der Logistik, dem Catering usw. geleistet wird.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den CFM-Beschäftigten im Klinikalltag aus?

Ein Beispiel ist der Ablauf von Untersuchungen oder OPs, der stark von der Arbeit des Krankentransports abhängt. Gerade für neue Pflegekräfte sind die dort Arbeitenden eine wichtige Stütze, da sie sich gut auskennen und wissen, wo welche Untersuchungen stattfinden, welche Unterlagen dabei sein müssen. Aber auch mit allen anderen Gewerken der CFM arbeiten wir eng zusammen. Wir müssen uns aufeinander verlassen können.

Welche Auswirkungen hatten die Streiks der CFM-Beschäftigten?

Es kam zu Einschränkungen der Mitarbeiterversorgung, zu einer deutlichen Mehrbelastung der Pflegekräfte, des Service, aber auch der Ärztinnen und Ärzte. Zum Beispiel durch die Übernahme von Patienten- und Versorgungstransporten, Auffüllarbeiten usw. Daraus folgten auch Verzögerungen und Verschiebungen bei Operationen und Untersuchungen. Das belastete wiederum die Patientinnen und Patienten, die auf Untersuchungen oder Rücktransporte lange warten mussten.

Der Charité-Chef Heyo Kroemer sagte vor kurzem, er könne sich nicht vorstellen, dass die Gewerke der CFM künftig nach TVöD bezahlt werden. Was entgegen Sie darauf?

Ich empfinde die Äußerung Kroemers als Frechheit und auch als Drohung gegen die Pflegekräfte. Er begründete die Verweigerung damit, dass er die Tätigkeiten der CFM über Fremdfirmen einkaufen könnte, die aufgrund von Tariflosigkeit oder »Billigtarifen« für die Charité günstiger wären. Er droht also indirekt auch uns mit Fremdvergabe, denn im Bereich der Pflege gibt es Tarife, die günstiger sind, als es der TVöD ist. Die Reinigung scheint ihm ein besonderer Dorn im Auge, obwohl Hygiene ein wichtiges Aushängeschild der Charité ist. Sie ist ein wichtiger Pfeiler in einem professionellen Krankenhausbetrieb.

Was ist aus Ihrer Sicht noch erforderlich, um die gesteckten Ziele zu erreichen?

Die Erfahrungen bei Charité und CFM zeigen, dass es wichtig ist, wenn die Streikenden regelmäßig und oft miteinander im Austausch stehen, Planungen für den Arbeitskampf in Streikversammlungen selbständig erstellen und dort das gemeinsame Handeln abstimmen. Das entlastet die Tarifkommission, fördert das Selbstvertrauen im Arbeitskampf und letztendlich auch die Streikbeteiligung.

Paul Zahl ist Krankenpfleger an der Charité und Mitglied bei Verdi. Aus Sorge vor Repressionen seitens der Charité ist sein Name geändert, der Redaktion aber bekannt.

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