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Aus: Ausgabe vom 29.07.2020, Seite 6 / Ausland
Libanon und Israel

Säbelrasseln am Golan

Tel Aviv meldet Provokation von libanesischer Hisbollah. Die spricht von israelischer Aggression und droht mit Vergeltungsmaßnahmen
Von Karin Leukefeld
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Israelische Panzer am Dienstag an der Grenze zum Libanon

»Schwere Gefechte« meldeten die westlichen Nachrichtenagenturen dpa und AFP am Montag von den Israelisch-besetzten Schebaa-Farmen. Rauchfahnen hätten über der Region gehangen, Israel habe Artillerie eingesetzt und den Libanon beschossen. Die UN-Friedensmission UNIFIL, die im Südlibanon stationiert ist, forderte beide Seiten zur »maximalen Zurückhaltung« auf.

Das etwa 30 Quadratkilometer umfassende Gebiet liegt an der »Blauen Linie«, einer von der UNO anerkannten Waffenstillstandslinie zwischen dem Libanon und den von Israel besetzten Golanhöhen. Diese wird von der UNIFIL kontrolliert. Libanon erkennt die israelische Präsenz südlich der Waffenstillstandslinie nicht an.

Man habe das »Eindringen von Terroristen« aus dem Libanon verhindert, erklärte ein israelischer Militärsprecher am Montag abend. Ein Hisbollah-Kommando, eine Gruppe von drei bis fünf bewaffneten Männern, habe die Blaue Linie im Norden der Golanhöhen überquert, teilte die Armee mit. Israelische Soldaten hätten das Feuer eröffnet und mit Artillerie über die Grenze geschossen, um sich zu verteidigen. Kein israelischer Soldat sei verletzt worden und die »Terroristen« hätten sich wieder in den Libanon zurückgezogen. Eine Ausgangssperre für Bewohner entlang der Linie wurde von der Armee am Abend wieder aufgehoben.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf der libanesischen Hisbollah vor, »mit dem Feuer zu spielen«. Der Libanon trage die »Verantwortung für alles, was dort geschieht«, so Netanjahu und drohte mit »sehr harter« Vergeltung. Der ehemalige Oberkommandierende der israelischen Streitkräfte und heutige Verteidigungsminister Benjamin Gantz sagte: »Jeder Angriff auf Israel wird zu einer starken, scharfen und schmerzhaften Reaktion führen.«

Die Hisbollah wies die Darstellung Israels als »absolut unwahr« zurück und warf dem Land vor, »erfundene Siege« präsentieren zu wollen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim am Dienstag. »Der ›Islamische Widerstand‹ war in keine Konfrontation verwickelt und hat bei den Geschehnissen kein Feuer eröffnet«, hieß es in einer Erklärung, die vom libanesischen Sender Al-Manar am Montag veröffentlicht wurden. Die einzigen, die gefeuert hätten, seien die israelischen Soldaten gewesen.

Die Bombardierung des Dorfes Habarija durch deren Armee werde ebenso beantwortet werden wie der Tod des Hisbollah-Kämpfers Ali Kamel Mohsen, der bei einem israelischen Angriff auf Syrien vor einer Woche ums Leben gekommen war. »Die Zionisten werden für ihre Verbrechen bestraft«, so die Hisbollah.

Israelische Medien spekulieren seit Tagen über einen möglichen Angriff der Hisbollah, um den Tod ihres Kämpfers Mohsen zu rächen. Die Organisation habe durch den Krieg in Syrien und die Kooperation mit der russischen und syrischen Armee stärkere militärische Erfahrungen und Fähigkeiten gesammelt, hieß es beim Internetportal Walla News. Im Falle eines neuen Krieges beider Parteien müsse man damit rechnen, dass Elitekräfte der Hisbollah das nördliche Gebiet Galiläa besetzen könnten.

Der stellvertretende Generalsekretär der Hisbollah, Schich Kassem, sagte in einem Interview mit dem libanesischen Nachrichtensender Al-Mayadeen über eine drohende Kriegsgefahr mit Israel am Sonntag abend, auf jeden Angriff werde die Hisbollah mit viel moderneren militärischen Möglichkeiten antworten können, als ihr im Krieg 2006 zur Verfügung gestanden hätten.

Der libanesische Ministerpräsident Hassan Diab rief die Bevölkerung unterdessen am Dienstag morgen in Beirut zur Wachsamkeit auf. Israel habe erneut das Land mit einer »gefährlichen militärischen Eskalation« angegriffen und damit die Souveränität und die UN-Sicherheitsratsresolution 1701 verletzt, erklärte er im libanesischen Sicherheitsrat. Die Spannungen entlang der Grenze »zum besetzten Palästina« seien hoch. Diese geschehen, weil Israel versuche, die Einsatzregeln für das UNIFIL-Mandat im Südlibanon zu verändern, so der Ministerpräsident.

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