Der Schwarze Kanal: »Verkommen«
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Aus: Ausgabe vom 01.07.2020, Seite 10 / Feuilleton

Hetterle, Fürneisen, Brauer

Von Jegor Jublimov
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Im Herbst der Karriere ein Schlagerstar: Schauspieler Charles Brauer 2017

Übermorgen können die Schauspieler Marc und Alexander Hetterle feiern, und zwar den 80. Geburtstag ihrer Mutter Monika. Die Schauspielerin begründete mit ihrem Mann Albert eine Theaterfamilie. Geboren in Weimar, studierte sie in Leipzig und kam im letzten Studienjahr 1961 ans Berliner Maxim-Gorki-Theater. Sie blieb dort ein erfülltes Arbeitsleben lang, bis 2012. Das Rollenangebot war aber auch verlockend: junge Frauen; später Mütter in den klassischen Stücken von Tschechow, Gorki oder Gogol; Frauen, die sich im Beruf durchsetzen in Gegenwartsstücken von Franz Freitag oder Rainer Kerndl. Oft trat sie in Inszenierungen ihres Mannes, des Intendanten Albert Hetterle, auf. Daneben fand sie Zeit für Fernsehrollen in Krimis (»Polizeiruf 110«, später »Tatort«), Komödien (»Mutter heiratet«, 1974, »Spreelore«, 1980) und Alltagsserien (»Kiezgeschichten«, 1987). In den 90ern legte sie eine Pause ein, seit einigen Jahren tritt sie hin und wieder in TV-Serien auf. Wir wünschen ihr zum Geburtstag eine schöne neue Rolle.

Regisseur Bodo Fürneisen war zuletzt Professor an der Babelsberger Filmuniversität, wo er selbst studiert hatte. Sein Diplomfilm »Die Entdeckung« (1977), eine Coming-of-Age-Geschichte, war exzellent besetzt, der Dreh wäre aber fast geplatzt. Erwin Geschonneck sollte einen lebenserfahrenen Alten spielen. Er verlangte für die Mitwirkung im Studentenfilm eine ebenso hohe Gage wie sonst auch. Das hätte das ganze Budget gesprengt. Wie er Geschonneck zur Mitwirkung überredete, zählt zu den Geheimnissen Fürneisens. Seit gestern ist der Berliner 70. Er sollte mal ein Buch schreiben darüber, wie er Regisseure wie Jo Fabian und Peter Welz entdeckte. Oder über die Gestaltung trickreicher Märchenfilme wie »Die Geschichte vom goldenen Taler« (1985) und »Jorinde und Joringel« (2011). Auch die Arbeit mit tierischen Hauptdarstellern wäre ein Thema, von »Weihnachtsgans Auguste« (1988) bis »Kommissar Rex« (1994–2001).

Als der kleine Charles 1946 bei der Defa seine erste Filmrolle spielte – »Irgendwo in Berlin« hieß der Trümmerfilm für Kinder, Regisseur war Gerhard Lamprecht – ließ er sich wohl nicht träumen, dass er mehr als 50 Jahre später ein Plattenstar werden würde. Manfred Krug machte es möglich. Gemeinsam mit Charles Brauer sang Krug in fast 40 Folgen des Hamburger »Tatorts« die Schlager der Nachkriegsjahre, und die Zuschauer wollten das unbedingt auf CD hören. Brauer, der am Freitag 85 wird, spielt nach wie vor Theater und geht mit Krug-Liedern auf Tournee (wenn es die Gesetzeslage zulässt).

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