16.06.2020
Geschichtsrevisionismus
Zurechtgelegte Geschichte
Eine Analyse jüngster Gedenkreden zeigt, dass deutsche Politiker auch 75 Jahre nach Kriegsende keine echten Lehren aus der Vergangenheit ziehen
Von Jürgen Pelzer
Die große Feier, die am 8. Mai 2020 in Berlin stattfinden sollte, musste wegen der Coronapandemie ausfallen – zum Glück, wie man wohl sagen kann. Der Bundespräsident spricht in seiner aufgezeichneten Rede davon, dass »wir gemeinsam erinnern« wollten – so steht es ohne Reflexivpronomen und Bezugsobjekt da.¹ Zwar wird eingangs der Anlass der Feier genannt: das »Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft«, das Ende der »Bombennächte und Todesmärsche« sowie der d...
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