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Gegründet 1947 Sa. / So., 16. / 17. Oktober 2021, Nr. 241
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Aus: Ausgabe vom 11.04.2020, Seite 16 / Aktion
junge Welt erscheint weiter

Wir machen unsere Wunder selber!

Unglaublich! Osterwunder in der Redaktion der jungen Welt. Honecker-Porträt bricht in Tränen aus!
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Mutausgabe: jW vom 13. April 1995. Die Belegschaft übernimmt

Diese Schlagzeilen konnte man in der jungen Welt am Ostersamstag vor genau 25 Jahren lesen. Nur eine Woche nachdem die westlichen Eigentümer der jungen Welt deren endgültiges Ende verkündet hatten, nachdem bei internen Beratungen ein Vorschlag für die Weiterführung der jungen Welt in Eigenregie der Belegschaft verworfen worden war, nachdem aber auch viele Leserinnen und Leser die Redaktion aufgefordert hatten, unbedingt irgendwie weiterzumachen, wurden am Gründonnerstag und am Ostersamstag zwei sogenannte vierseitige junge Welt-Mutausgaben produziert: Mut sollte den Abonnenten gemacht werden – vor allem aber jenen Kolleginnen und Kollegen, die trotz aller Widerstände wild entschlossen waren, die Tageszeitung weiterzuführen. Hatten nur eine Woche zuvor viele Zeitungen, TV- und Radiostationen voreilig das endgültige Aus der jungen Welt verkündet, vermeldeten nun viele von ihnen voreilig, dass es die Zeitung weitergeben werde: »junge Welt feiert kurz vor Ostern Auferstehung«, meldete etwa die Nachrichtenagentur ADN.

Aber zu diesem Zeitpunkt war außer dem Kampfeswillen der jW-Aktivisten nichts klar: Es gab noch keinen eigenen Verlag, die Verhandlungen über den Titel und die Abobelieferungsrechte liefen zäh und waren noch lange nicht abgeschlossen, es gab Schwierigkeiten mit der Belieferung, der Bank, dem Vertrieb, doch mit den Mutausgaben wurden Fakten geschaffen. Allerdings fanden sich neben Jubel in der Osterausgabe auch nachdenkliche Worte: »Leider hilft uns die biblische Geschichte nicht weiter, denn die Hoffnung, dass sich unsere Abonnentenzahlen so wundersam vermehren würden wie das Brot in Kanaan, wird uns nicht retten. Deswegen für alle, die die Frohe Botschaft noch nicht vernommen haben: Abonniert – und Eure Lieblingszeitung wird überleben!«

An dieser banalen Erkenntnis hat sich bis heute nichts geändert. Zwar kam es zur Gründung der Verlag 8. Mai GmbH am 25. April (dar­über berichten wir in zwei Wochen), die Gründungsversammlung der Genossenschaft LPG junge Welt eG folgte am 7. Oktober. Aber bis heute ist die junge Welt auf die Unterstützung durch ihre Leserinnen und Leser angewiesen: Vor allem über die Print- und Onlineabonnements (E-Mail-Abos gab es bei der jungen Welt schon damals) wird die laufende Arbeit finanziert. Die Genossenschaft, Eigentümerin des jW-Verlages, ist aber ebenfalls überlebenswichtig: Sie stellt dem Verlag bei Bedarf Kredite für Investitionen zur Verfügung und hilft, Krisenzeiten aller Art zu überstehen. Mit diesem Modell hat es die junge Welt 25 Jahre lang geschafft, unabhängig von Banken, Konzernen, Kirchen, Parteien und anderen Institutionen zu bleiben. Und diese Konstruktion ist einer der Gründe, warum es für die Redaktion auch unter herrschenden kapitalistischen Verhältnissen möglich ist, jeden Tag kritischen Journalismus zu betreiben. Das heißt übrigens nichts anderes, als dass wir nicht nur unsere Wunder selbst machen: Auch unsere Fehler werden uns von keinem Partei- oder Konzernvorstand in die Tasten diktiert – die machen wir ebenfalls selber. Weshalb wir bis heute auf kritische Leserinnen und Leser angewiesen sind, die unsere journalistische Arbeit als Vorschläge verstehen und nicht als Lehrsätze.

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