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Aus: Ausgabe vom 08.11.2019, Seite 16 / Sport
Leichtathletik

»Ist das euer Ernst?«

Der Aufschrei ist groß: Die Diamond League soll von 32 auf 24 Disziplinen reduziert werden. Es geht um die Verwertbarkeit
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»Ein Desaster für den Sport«: 200-Meter-Rennen wie hier mit Dafne Schippers (2. v. l.) wird es bei der Diamond League bald nicht mehr geben

Köln. Der Aufschrei in der Leichtathletikszene ist groß nach der angekündigten Kürzung des Programms der Diamond League (DL) von 32 auf nur noch 24 Disziplinen. »Das vernichtet die Karrieren der Sportler, die auf diese Wettbewerbe spezialisiert sind«, schimpfte Weltmeisterin Beatrice Chepkoech aus Kenia, die 2018 beim DL-Meeting in Monaco den Weltrekord über 3.000 Meter Hindernis auf 8:44,32 Minuten verbessert hatte. Gar zur Revolution rief der frühere US-Star Carl Lewis auf. »Ich habe schon 1997 gesagt, dass die Golden/Diamond League ein Desaster für den Sport ist. Die einzige Hoffnung für alle Athleten ist, das Verbandssystem zu verlassen und mit dem IOC zu verhandeln«, twitterte der vierfache Olympiasieger von Los Angeles 1984.

Der Weltverband IAAF hatte die Entscheidung der Generalversammlung der Diamond League und der Meeting-Direktoren am Mittwoch verkündet. »Unser Ziel ist eine schnellere, spannendere globale Liga, die das Schaufenster unserer Sportart ist«, sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe, »eine Liga, die die TV-Sender übertragen und die Fans sehen wollen«. Neben Hindernis und Diskus zählen auch die 200 Meter und der Dreisprung nicht mehr zu den Disziplinen, in denen DL-Gesamtsieger gekürt werden. Die IAAF teilte dazu mit, dass Hindernis, Diskus und der Dreisprung als unbeliebteste Disziplinen ausgemacht wurden. Die 200 Meter wurden aufgrund der hohen Belastung für Sprinter im Olympiajahr gestrichen. Das stößt auf Unverständnis, ist doch dieser Wettbewerb durch die Präsenz von Noah Lyles ein Publikumsmagnet. Der 22jährige US-Star gilt als möglicher Nachfolger von Jamaikas zurückgetretenem Superstar Usain Bolt. Exweltmeisterin Dafne Schippers schrieb auf Twitter, sie sei »verwirrt«. Die 200 Meter seien eine der beliebtesten Disziplinen und nun nicht mehr im Programm, »ist das euer Ernst?«, fragte die Niederländerin.

Die Nutzungsanalysen werfen durchaus Fragen auf. So wurden online repräsentative Umfragen in China, Frankreich, Südafrika und den USA durchgeführt, nach den Meetings 2019 in Belgien, Großbritannien und der Schweiz Zuschauer befragt und die Klickzahlen der Social-Media-Videos auf der Diamond-League-Seite herangezogen. Athleten selbst wurden aber offenbar nicht mit einbezogen.

Bei zehn der 15 Diamond-League-Meetings 2020 werden nun zwar noch Rennen über 3.000 Meter Hindernis und 200 Meter stattfinden, je fünf bei den Männern und Frauen. Diese werden jedoch nicht mehr in den 90minütigen Livesendungen gezeigt. Für Diskus und Dreisprung gibt es sogar jeweils nur noch eine Startgelegenheit. Keine der vier Disziplinen ist Teil des Diamond-League-Finals in Zürich am 11. September. Die aussortierten Wettbewerbe werden nunmehr im Rahmen der Meetings der globalen Continental Tour ausgetragen. Die Gesamtsieger dieser acht Disziplinen werden wie auch die der Diamond League eine Wildcard für die kommende WM 2021 in Eugene/Oregon erhalten. (sid/jW)

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