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Aus: Ausgabe vom 22.07.2019, Seite 5 / Inland
Falsche Anreize

»Schluss mit der Spaltung«

Studentenvertreter der Universität Köln freuen sich, nicht mehr »exzellent« zu sein
Von Ralf Wurzbacher
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Nicht mehr »exzellent«? AStA sieht Herabstufung der Uni Köln eher als frohe Kunde

Des einen Leid, des anderen Freud. »Wir sind niedergeschmettert«, bekannte am Freitag abend der Sprecher der Universität Köln, Patrick Honecker. Kurz davor hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) im nahen Bonn die Sieger im Rahmen der sogenannten Exzellenzstrategie verkündet (jW berichtete). Die Domstadt war nicht unter den Geehrten, womit sie nicht länger Hort einer »Eliteuni« ist. Mit dem Label hatte man sich seit 2012 geschmückt, verbunden mit reichlich Renommee und vielen Extramillionen. Ab sofort ist wieder mehr Bescheidenheit gefragt. »Es macht uns ein Stück weit unsichtbarer«, unkte Honecker.

Für den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) ist das eine frohe Kunde. Man sei erleichtert, dass die Kölner Uni »aus diesem unwürdigen Spiel nach vermeintlichen Fördergeldern ausgeschieden ist«, erklärte der Vorsitzende Jonas Günther in einer Medienmitteilung. Tatsächlich mussten Lernende und Lehrende die Spitzenstellung der Hochschule in der Forschung teuer bezahlen: Nur um den Zuschlag zu erhalten, wurden Personalausgaben gekürzt, Kapazitäten umgeschichtet und vor allem Abstriche bei der Lehre gemacht. Und auch in den Folgejahren banden die mit den staatlichen Zuschüssen gepäppelten Bereiche innerhalb der Universität (»Exzellenzcluster«) Mittel und Energien, die an anderer Stelle fehlen.

Der AStA beklagt etwa einen Mangel an wissenschaftlichen Mitarbeitern mit langfristigen Verträgen sowie an »Räumen mit einer angemessenen Einrichtung«, denn »Digitalisierung ohne WLAN und Steckdosen und mit kaputtem Beamer kann nicht klappen«. Allerdings würden die nötigen Maßnahmen durch aktuelle »Sparmaßnahmen und die politisch befristetete Mittelvergabe« durchkreuzt. Deshalb müssten die »nun freiwerdenden Personalkapazitäten in die Lehre fließen, anstatt weiter unzählige Förderanträge zu schreiben«, forderte Günther. Das erscheint ziemlich blauäugig: Mit dem Ende der Förderung verschwinden die damit geschaffenen Forschungsabteilungen und -projekte ja nicht von der Bildfläche. Vielmehr muss das Aufgebaute auf eigene Rechnung weiterbetrieben und nach Möglichkeit ausgebaut werden, auch um wieder neue Drittmittel einzuwerben – alles auf Kosten des allgemeinen Unibetriebs.

Mehr noch als intern treibt die »Exzellenzstrategie« die Spaltung unter den Unis voran. Die Entscheidung markiere »einen weiteren Schritt zur Zweiteilung der deutschen Hochschullandschaft«, monierte am Freitag die hochschulpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, Nicole Gohlke. Mit jeder neuen Runde verbesserten sich die Chancen der Gewinner aus der vorigen Runde, während der Rest das Nachsehen habe. Damit werde die einstige große Stärke des deutschen Hochschulwesens, die hohe Qualität in der Breite, immer stärker ausgehöhlt.

Tatsächlich finden sich in der Liste der elf erfolgreichen Standorte gleich neun, die bereits vor sieben Jahren triumphiert hatten, allen voran die Abonnementsieger RWTH Aachen sowie die TU und die LMU München. Neu dabei sind die Unis aus Hamburg und Bonn sowie das Karlsruher Institut of Technology (KIT), das indes schon einmal in der ersten Auflage, damals noch als Universität Karlsruhe, zu den Gewinnern gehörte. Die Unis Bremen und Köln büßten ihre Meriten ein. Die zehn Ausgezeichneten und der Berliner Verbund aus HU, TU und FU werden bis 2026 mit jährlich insgesamt 148 Millionen Euro extra bezuschusst. Alles in allem stellen Bund und Länder jährlich rund 533 Millionen Euro zur Verfügung, wovon 385 Millionen Euro bereits seit Januar an »Exzellenzcluster«, projektbezogene Forschungsfelder an Universitäten, gehen.

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