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Aus: Ausgabe vom 27.07.2019, Seite 1 / Ausland
Europa und Flüchtlinge

Debatte über Seenotrettung

EU diskutiert nach Bootsunglück vor Küste Libyens mit mindestens 115 Vermissten
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Flüchtlinge im Hafen von La Valletta, Malta, am 26. Juli 2019

Das schwere Bootsunglück vor der Küste Libyens hat international Bestürzung ausgelöst und die Debatte über Rettungseinsätze im Mittelmeer befeuert. Zudem wurde am Freitag vor der Kriminalisierung der privaten Seenotretter gewarnt.

Nach dem womöglich schwersten Bootsunglück im Mittelmeer in diesem Jahr werden nach Angaben der sogenannten libyschen Küstenwache 115 Migranten vermisst. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sprechen sogar von rund 150 Vermissten. 30 Leichen seien bis Freitag früh geborgen worden, sagte ein IOM-Sprecher in Genf.

Das am Donnerstag abend bekannt gewordene Unglück habe sich fünf Kilometer von der libyschen Küste entfernt ereignet, berichtete ein UNHCR-Sprecher. Manche Migranten seien zurück an Land geschwommen. Einige Menschen seien von Fischern gerettet worden. Ärzte ohne Grenzen zufolge wurden 135 Menschen gerettet und in den Hafen der libyschen Stadt Al-Chums gebracht.

Der Vorfall sei »eine Erinnerung daran, dass es dringend vorhersehbare Regelungen« für die Verteilung von aus Seenot geretteten Menschen brauche, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel. Die Tragödie sei »eine schreckliche Erinnerung daran«, welches Risiko die Migranten auf ihrem Weg nach Europa eingingen. »Jedes verlorene Leben ist eines zu viel.«

Die EU-Staaten können sich seit langem nicht auf eine Lösung bei der Verteilung der Bootsflüchtlinge verständigen. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Italien und Malta verwehrten privaten Seenotrettern zuletzt immer wieder die Einfahrt in ihre Häfen. Die beiden Mittelmeerländer bestehen zunächst auf eine diesbezügliche Einigung der EU-Länder zur Verteilung geretteter Migranten.

Zuletzt erhöhte Italien zudem den Druck auf die privaten Seenotretter immer weiter. Am Donnerstag segnete die Abgeordnetenkammer einen Gesetzentwurf ab, der Strafen bis zu einer Million Euro vorsieht, wenn Kapitäne mit einem Schiff unerlaubt in die italienischen Territorialgewässer fahren. Der Entwurf muss noch durch den Senat. (dpa/jW)

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