Gegründet 1947 Sa. / So., 20. / 21. April 2019, Nr. 93
Die junge Welt wird von 2181 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 25.03.2019, Seite 5 / Inland
Krebsrisiko

Bayer-Chef verteidigt Kauf von Monsanto

Aktionäre befürchten Wertverlust angesichts von Schadensersatzklagen nach Glyphosaturteil
Bayer_Jahreszahlen_60469568.jpg
Sieht eine profitable Zukunft voraus: Werner Baumann, Vorstand der Bayer AG, auf der Bilanzpressekonferenz am 27.2.2019 in Leverkusen

Bayer-Chef Werner Baumann verteidigt den milliardenschweren Kauf des US-Saatgutkonzerns Monsanto nach einer weiteren gerichtlichen Niederlage gegen wachsende Kritik. »Der Monsanto-Kauf war und ist eine gute Idee«, sagte der Chef des Agrarchemie- und Pharmaunternehmens der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).

Erst in der abgelaufenen Woche hatte ein Rückschlag in einem wegweisenden Prozess, in dem es um angebliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup geht, den Druck auf den Manager erhöht. Eine Jury in San Francisco befand, dass das Produkt ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung des 70-jährigen Klägers Edwin Hardeman gewesen sei. Der Prozess geht nun mit derselben Jury in eine zweite Phase, in der die Haftungsfragen geklärt werden sollen. Dabei geht es auch darum, ob Monsanto über Risiken hinwegtäuschte und wie hoch der mögliche Schadenersatz ausfallen könnte.

Die Zweifel an dem größten Auslandszukauf eines deutschen Unternehmens wuchsen dadurch weiter. Anleger fürchten Milliardenrisiken durch mögliche Schadenersatz- und Vergleichszahlungen. Der Aktienkurs von Bayer ging wieder auf Talfahrt: Minus 12,5 Prozent schlugen in der vergangenen Woche zu Buche. Damit wurden weitere Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet. Gut 140 Euro war der Höchstkurs im Jahr 2015, seither geht es bergab – zuletzt auf etwa 60 Euro. Vor dem ­Millionenurteil einer Geschworenenjury im ersten großen ­Glyphosatprozess im vergangenen August waren es noch mehr als 90 Euro gewesen.

Infolge des Urteils wurde die Klagewelle in den USA noch verstärkt. Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11.200 Klägern zugestellt. Bayer beruft sich auf zahlreiche Studien und weist die Vorwürfe eines Krebsrisikos durch Monsantos Unkrautvernichter zurück.

Die Abschläge an der Börse infolge der Gerichtsschlappen hält Baumann für stark übertrieben: »Wenn es darum geht, Unsicherheiten zu bewerten, neigt die Börse zu Übertreibungen.« Die gute Verfassung des Unternehmens, die hervorragenden Wachstumsperspektiven, die Ertragskraft – all das sehe er »nur sehr unvollständig im derzeitigen Börsenwert gespiegelt«, sagte der Bayer-Chef. Den Ärger der Aktionäre verstehe er aber. Auf der Hauptversammlung Ende April wird sich der Manager voraussichtlich der Kritik der Anleger stellen müssen. Christian Strenger, Gründungsmitglied der »Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex«, bezeichnete den Monsanto-Kauf jüngst in einem dem Managermagazin vorliegenden Brief als »den größten und schnellsten Wertvernichter der Dax-Geschichte«. Strenger fordert darin, Baumann und seinen Vorstandskollegen die Entlastung zu verweigern. Gedanken an einen Rücktritt weist Baumann jedoch von sich: »Der Vorstand hat die volle Rückendeckung des Aufsichtsrats.« (dpa/jW)

Ähnliche:

  • Konzernkritiker protestieren seit langem gegen Einsatz von Glyph...
    21.03.2019

    Klatsche für Bayer

    US-Gericht sieht Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebserkrankung. Dem Konzern droht mit seiner Neuerwerbung Monsanto ein Fiasko
  • Wollte mit neuem Geschäftsmodell Kasse machen und geriet in Schi...
    14.03.2019

    Spielzeuge der Reichen

    Vorabdruck. Der Finanzsektor ist ein Nachzügler der Globalisierung. Dessen profitabelste Bereiche sollen die Vermögenden noch vermögender machen
  • Nicht abwaschbar: Glyphosat wurde in vielen Lebensmitteln nachge...
    12.10.2018

    Gesundheit gegen Profite

    Bayer-Konzern in USA vor Gericht: Herbizid Glyphosat doch nicht krebserregend?

Regio:

Mehr aus: Inland