Aus: Ausgabe vom 12.10.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Gesundheit gegen Profite

Bayer-Konzern in USA vor Gericht: Herbizid Glyphosat doch nicht krebserregend?

RTX3KOCL.jpg
Nicht abwaschbar: Glyphosat wurde in vielen Lebensmitteln nachgewiesen

Der US-Prozess gegen die Bayer-Tochter Monsanto um glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel wird wohl neu aufgerollt. Richterin Suzanne Bolanos gab in San Francisco vorläufig dem Antrag von Monsanto statt, die Strafzahlungen in Höhe von 250 Millionen Dollar neu zu verhandeln. Die Parteien hätten nun bis Freitag Zeit, ihre Stellungnahmen abzugeben. Bayer begrüßte die Entscheidung. Damit würde, falls vom Gericht bestätigt, der Strafschadenersatz aufgehoben, erklärte der Konzern am Donnerstag. »Bayer ist weiterhin davon überzeugt, dass das Urteil und die Schadenersatzforderungen im Widerspruch zu den im Prozess vorgelegten Beweisen stehen.« Die Hoffnung auf ein milderes Urteil gab der Bayer-Aktie kräftig Auftrieb. Zeitweise war sie mit einem Plus von fünf Prozent einzige Gewinnerin im Dax. »Es schaut nun so aus, als ob die ursprüngliche Strafe erheblich reduziert wird, wenn sie nicht ganz auf Null gestrichen wird«, sagte Markus Mayer von der Baader Helvea Bank. Das Pendel könne nun zugunsten des Konzerns umschwingen, der nach früheren Angaben in den USA mit 8.700 Klagen wegen Glyphosat konfrontiert ist.

Bayer hatte Monsanto für rund 63 Milliarden Dollar übernommen. Das von dem US-Agrarchemiekonzern entwickelte Glyphosat zählt zu den am meisten eingesetzten Unkrautvernichtungsmitteln in der Landwirtschaft. Der Prozess in Kalifornien war der erste in den USA, der sich mit der Frage befasste, ob das Mittel Krebs verursachen kann. Das Verfahren war wegen der schweren Erkrankung des Klägers vorgezogen worden. Der ehemals als Platzwart an einer kalifornischen Schule tätige Dewayne Johnson hatte bis zu 30mal im Jahr Glyphosat eingesetzt und Monsanto vorgeworfen, durch das Mittel an Lymphdrüsenkrebs erkrankt zu sein. Ein kalifornisches Geschworenengericht hatte den Chemiekonzern im August zu Strafzahlungen und Entschädigungen von 289 Millionen Dollar verurteilt. Das Unternehmen habe es versäumt, Johnson und andere Verbraucher vor den Krebsrisiken seiner Unkrautvernichter zu warnen, entschied das Gericht damals. Monsanto hatte Berufung gegen das Urteil angekündigt.

Bayer bestreitet, dass Glyphosat Krebs verursacht. Das Urteil der Jury stehe im Widerspruch zu über 40 Jahren praktischer Erfahrung und umfangreichen wissenschaftlichen Daten und Analysen, erklärte der Konzern. Es habe zudem eingehende Überprüfungen durch die Regulierungsbehörden in den USA und der EU gegeben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die Chemikalie allerdings 2015 als »wahrscheinlich krebserregend für den Menschen« eingestuft. Nach Einschätzung des Leverkusener Konzerns steht dies aber im Widerspruch zu den Bewertungen von vielen anderen Behörden rund um den Globus. Zuletzt hatte eine weitere Studie die Debatte um das Pestizid neu angefacht. Nach einer Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität Texas in Austin macht das Pflanzengift Honigbienen anfälliger für Infektionen. Glyphosat könne deshalb die Gesundheit der Bienen beeinträchtigen. (Reuters/jW)


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Kapital & Arbeit