29.09.2018
Großvaters letzte Nacht
Von Annette Riemer
Vier Tage nach seinem Tod rief mich mein Großvater an. Es war kurz vor elf Uhr abends, ich war allein mit der zweiten oder dritten Flasche Radeberger und dachte gerade darüber nach, warum mich Nadeschda verlassen hatte. Es war nicht etwa so, dass ich es ihr übelnahm, dass sie ihre Sachen gepackt und zu ihrer Mutter gezogen war, ganz im Gegenteil: In all den Jahren war die Verzweiflung, sie gehen zu sehen, immer mehr dem Mitleid gewichen, das ich für sie empfand, wen...
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