Aus: Ausgabe vom 13.09.2018, Seite 16 / Sport

Viel Werbung

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Bundestrainer Hagen Stamm flüstert den deutschen Wasserballern was vom Beckenrand zu

Hagen Stamm reckte am Beckenrand die Faust und stimmte mit einem Urschrei in den Jubel seiner Spieler ein. »Mr. Wasserball«, wie der Bundestrainer auch genannt wird, hat in vier Jahrzehnten als Spieler und Coach viel erlebt – aber Siege gegen die Wasserballweltmacht Ungarn sind auch für Stamm höchst ungewöhnlich und deshalb um so schöner.

»Ich weiß gar nicht, ob wir in diesem Jahrtausend überhaupt schon gegen Ungarn gewonnen haben«, sagte der Bundestrainer am Dienstag abend nach dem 12:10 zum Auftakt des Heimweltcups in Berlin gegen den Vizeweltmeister. Die Statistik des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) konnte helfen: Vor acht Jahren hatte man zuletzt Ungarn geschlagen, in 160 Länderspielen gegeneinander verließ die DSV-Auswahl erst zum 25. Mal als Sieger das Becken.

Die Mission »WM-Ticket« startete also mit einem fast schon sensationellen Coup. Für Stamm, der als Aktiver die besten Zeiten des Wasserballs in der BRD maßgeblich mitgeprägt hatte, war der Sieg mehr als ein Glückstreffer. Auch wenn die Ungarn mit der Mannschaftsaufstellung experimentiert hatten. »Meine Jungs haben überdimensional stark gespielt«, schwärmte der Olympiadritte von 1984: »Sie haben eine wahnsinnig tolle Moral bewiesen, deswegen sind wir auch zu Recht der Sieger.«

Auch von einem Drei-Tore-Rückstand im dritten Viertel ließ sich die Mannschaft nicht entmutigen. Nicht nur Stamm fand, dass dieses Spiel mehr Zuschauer verdient gehabt hätte. Die Misserfolge der vergangenen Jahre, in denen zweimal die Olympischen Spiele und zwei Weltmeisterschaften verpasst wurden, haben die Randsportart allerdings noch mehr ins Abseits befördert.

»Aber mit dem Spiel gegen Ungarn haben wir viel Werbung gemacht«, meinte Stamm. Und nicht nur das. Durch den Auftakterfolg ist der Gruppensieg und damit ein vermutlich leichterer Gegner in der Finalrunde möglich. Das ist wichtig, da der Weltcup für das deutsche Team die letzte Chance auf eine WM-Teilnahme ist. Hier werden vier Tickets für die Weltmeisterschaft 2019 in Südkorea vergeben.

Stamm, der schon von 2000 bis 2012 die deutsche Nationalmannschaft betreute, ist mittlerweile wieder Cheftrainer ohne Vollzeitvertrag. Der Bereich Wasserball im DSV steht durch die Misserfolge kaum noch Geld zur Verfügung. Auch deshalb wäre eine WM-Teilnahme 2019 so wichtig. (sid/jW)


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