Aus: Ausgabe vom 01.09.2018, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage

Auf der Spur der Befreier

Wer heute Chemnitz sagt, darf von Umbenennungen und Denkmalsturm nicht schweigen

Von Arnold Schölzel
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Denkmal der Sowjetarmee in Sofia, Bulgarien. Enthüllt 1954 zum zehnten Jahrestag der Befreiung Bulgariens. Bildhauer: Iwan Funeff (1900–1983)

Seit 1947 gibt es im thüringischen Rudolstadt den »Platz der Opfer des Faschismus« und darauf ein Mahnmal. Auf Seite 5 (links unten) ist ein Relief abgebildet, das dazugehört. Wer im Internet nach dessen Geschichte forscht, erfährt dies: Der Platz steht unter Denkmalsschutz, und Vertreter der Stadt, der VVN oder der Partei Die Linke legen dort an Gedenktagen Blumen nieder. Wer das Denkmal gestaltete, lässt sich nicht herausfinden.

Suchergebnisse gibt es aus der Zeit nach 1990, z. B. eine Seite aus dem Buch von Stefan Aust und Dirk Laabs »Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU«. Dort zitieren die Autoren aus einem Brief, den Uwe Mundlos geschrieben hat. Nach seinen Worten trafen sich am 1. September 1995, am Antikriegstag, Jugendliche, »um in Rudolstadt und Saalfeld irgendwelche Spinner, die dort der ›Opfer des Faschismus‹ gedenken wollten, zu stören«. Leider seien sie zu spät gekommen. »Also mussten sie sich damit begnügen, den ›Gedenkstein‹ mit Eiern zu bewerfen und die Kränze zu zertreten sowie Wurfzettel zu hinterlassen, auf denen Verbesserungsvorschläge wie Umbenennung des ›Platzes der Opfer des Faschismus‹ in ›Rudolf-Heß-Gedenkplatz‹ standen.«

Die Google-Eingabe »Rudolstadt Platz der Opfer des Faschismus Mahnmal« führt noch vor diesem Eintrag zu einem Spiegel-Artikel vom 4. Januar 1999, Titel: »Ostalgie. Das Blech von Rudolstadt«. Darin berichtet Autor Bruno Schrep von einem »Kampf Ost gegen Ost« um Straßennamen und Denkmäler in der Kleinstadt. Mitglieder im »Bund der stalinistisch Verfolgten« forderten die Beseitigung des Denkmals: »Die drei Reliefs aus Beton und Metall, die Pieck, Grotewohl und die Befreiung eines KZ-Häftlings durch die Russen zeigen, erinnern sie an ihre schlimmste Zeit.« Schrep befragte den damaligen Bürgermeister von Rudolstadt, der immerhin 18 Straßenumbenennungen aus dem Jahr 1991 vorweisen kann. Der Spiegel-Mann schreibt: »In der historischen Altstadt blieb vom Sozialismus keine Spur. Clara Zetkin verlor ihre Straße, Karl Marx seinen Platz, die Komsomolzen der untergegangenen Sowjetunion ihre Allee.« Für eine symbolische Straßenumbenennung sei nun Vera Lengsfeld, damals für die CDU im Bundestag, aus Berlin angereist.

Wer heute Chemnitz sagt, darf von solchen Auseinandersetzungen nicht schweigen – in Rudolstadt und anderswo. So kommen z. B. aus der Regierung Lettlands immer wieder Vorschläge, das hier abgebildete Befreiungsdenkmal in Riga abzureißen. Wer die NATO im Land hat, bekommt die Entsorger von Antifaschismus und den NSU an den Hals.

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    Mahnmal für die Kinder, die Kriegsopfer wurden, in Lidice, Tschechische Republik. Bronzeskulptur von Marie Uchytilova (1924–1989). Vollendet im Jahr 2000
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    Denkmal für die Kämpfer des Kurtatinski-Tals im Großen Vaterländischen Krieg bei Werchnij Fiagdon in der Republik Nordossetien, Russische Föderation. Enthüllt am 9. Mai 1971. Bildhauer: Daurbek ­Zorajew (1933–2007)
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    Denkmal »Gebrochene Flügel« im Gedenkpark Schumarice bei Kragujevac in Serbien zur Erinnerung an 300 Gymnasiasten, 18 Lehrer und viele Kinder unter zwölf Jahren, die an dieser Stelle von der Wehrmacht am 21. Oktober 1941 erschossen wurden. Errichtet 1963. Bildhauer Miodrag Zivkovic (geb. 1928)
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    Den Befreiern Rigas. Enthüllt 1985 als »Denkmal für die Soldaten der Sowjetarmee – den Befreiern Sowjet­lettlands und Rigas von den deutsch-faschistischen Eindringlingen«. Entwurf: Alexander Romanowitsch ­Bugajew (1937–2009)
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    »Steinerne Blume« in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Jasenovac in Kroatien. Enthüllt 1966. Architekt: Bogdan Bogdanovic (1922–2010)
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    Mahnmal auf dem Platz der Opfer des Faschismus in Rudolstadt, Thüringen. Eingeweiht 1947
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    Bubanj-Gedenkpark in Nis, Serbien: »Drei Fäuste«. Die deutschen Besatzer erschossen hier bis zu 12.000 Menschen aus Nis und anderen Teilen Jugoslawiens. Eröffnet 1963. Bildhauer Ivan Sabolic (1921–1986)

Am Dienstag, dem 11. September, wird um 19 Uhr in der jW-Ladengalerie die Fotoausstellung »Antifaschistische Denkmale in Osteuropa« eröffnet. Es sprechen Michael Mäde (Leiter der Ladengalerie) und Arnold Schölzel (jW-Chefredaktion)

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