Aus: Ausgabe vom 18.08.2018, Seite 6 / Ausland

Kaiser von Kreta

Das deutsche Staatsunternehmen Fraport hat sich Griechenlands Flughäfen unter den Nagel gerissen. Jetzt wird »modernisiert«

Von Hansgeorg Hermann, Vamos (Kreta)
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Seit 2015 in der Hand von Fraport: Flughafen der griechischen Hafenstadt Thessaloniki

Für 1,2 Milliarden Euro hat der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport vor zwei Jahren 14 griechische Flughäfen übernommen. Seither wird »modernisiert«, »überholt« und gebaut, um aus den »Schrott-Airports«, wie Die Welt 2016 in einem Artikel spottete, Geldfabriken zu machen. Fraport, zur Hälfte im Besitz des Landes Hessen und damit ein deutscher Staatsbetrieb, setzt in Griechenland auf einen erfahrenen Chefantreiber, den in Österreich geborenen Alexander Zinell. Er darf, wie er jüngst in der lokalen Fraport-Hauspostille Grec14n mitteilte, rund 415 Millionen Euro ausgeben, um vor allem die großen Stationen Thessaloniki, Rhodos und Chania auf Kreta mit einem jährlichen Passagieraufkommen von fast 15 Millionen Passagieren aufzumöbeln.

Der Mann, der sich in dem 170 Seiten starken Heftchen im Reader’s Digest-Format unter der Rubrik »CEO’s note« (Chief Executive Officer) vorstellt, ist ein 51 Jahre junger Typ, der auf dem beigestellten Farbfoto thront, als sei er der Kaiser von Kreta. Griechische Lohnempfänger und Gewerkschafter erinnert er an die Besatzung durch die Wehrmacht 1941. Soldaten braucht die Wirtschaftsmacht Deutschland nicht mehr, um in Griechenland »aufzuräumen«, wie es die Springer-Presse gerne hätte. Es war in den vergangenen acht Jahren vor allem die Berliner Regierung, die – als Handlanger des Finanzkapitals – auf dem Verkauf griechischen Staatseigentums bestand. Und es waren die Deutschen, die sich dann auf dem Schlachthof der Privatisierung die besten Filetstücke sicherten.

Zinell, der sein Handwerk in den USA gelernt hat, sieht das freilich anders. In seinem Magazin erklärt er die laufende Saison 2018 zu einem »konstruktiven Jahr«, als hänge das Wohlergehen des griechischen Tourismus und der Wirtschaft insgesamt davon ab, ob es in den Flughafentoiletten genügend Klopapier gibt und die sogenannten Duty-Free-Läden das neueste Pariser Parfüm vorhalten. Die Wahrheit ist eine andere: Den Protagonisten des Massentourismus, zu nennen wäre vor allem der deutsche Gigant TUI, waren die Flughäfen rund um die Ägäis schon immer zu klein. TUI braucht nicht nur Platz für seine eigenen Flieger, das Unternehmen baut auch auf die Landeerlaubnis für die Aasgeier des Flugverkehrs – Unternehmen wie Ryanair, Easyjet oder Transavia –, die aus ganz Europa die Billigkunden in den sonnigen Süden schaufeln.

Fraport unterstützt damit auch den Lohnverfall auf dem Arbeitsmarkt. In den Hotels und in den Tavernen auf Kreta und den Kykladen servieren die jungen Kellner den gegrillten Oktopus samt Ouzo für drei Euro die Stunde. Der Massentourismus funktioniert nur, wenn die heimischen Arbeitskräfte nach Belieben ausgebeutet werden können. Damit sich die Leute aus den unteren Gehaltszonen der deutschen, französischen und englischen Industrie in Griechenland an den Tisch setzen können, müssen Gesellschaften wie Easyjet die Flugpreise kleinhalten und so viele Menschen wie möglich transportieren – die Masse macht’s.

Fraport wird daher in den kommenden Jahren »brandneue Terminals« in Thessaloniki, Korfu, Kefalonia, Kos und Lesbos bauen, wie Zinell im Grec14n verkündet. Der Flughafen in Chania ist bereits doppelt so groß wie noch vor drei Jahren. An den Stränden und in den Geschäften herrscht Gedränge, das Geschäft brummt. Zinell sieht’s gerne: »Unsere Terminalflächen werden um rund 50 Prozent erweitert, auf insgesamt rund 300.000 Quadratmeter.« Dort können die von der Sonne rotgebrannten Touristen am Ende ihres kurzen Jahresurlaubs noch einmal kräftig Geld lassen. In den »Shoppingzonen« gibt es alles, was das Herz angeblich begehrt: Alkohol, Zigaretten, T-Shirts mit aufgedruckten Sinnsprüchen und echt griechische Halstücher für die kalten Arbeitstage im Norden.

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