Aus: Ausgabe vom 10.08.2018, Seite 6 / Ausland

Steiniger Weg zum Frieden

Syrien hofft auf Ende des Krieges. Truppen auf dem Vormarsch

Von Karin Leukefeld
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Syrische Soldaten an der Grenze zu Jordanien

Nach sieben Jahren Krieg haben sich die Fronten in Syrien weiter reduziert. Im Südwesten Syriens, entlang der Grenzen zu Jordanien und zu den von Israel besetzten Golanhöhen, hat die syrische Armee mit Unterstützung ihrer Verbündeten Russland, Iran und der Hisbollah aus dem Libanon die bewaffneten Gruppen zur Aufgabe und zum Abzug gezwungen.

Möglich geworden ist die rasche militärische Veränderung im Südwesten Syriens, weil die USA den Kampfverbänden klargemacht hatten, dass diese von Washington keine Hilfe mehr erwarten könnten. Jordanien war aus wirtschaftlichen Gründen schon lange daran interessiert, dass Damaskus wieder die Kontrolle an der gemeinsamen Grenze übernimmt. Israel begrüßte die Wiederherstellung des Status quo der Vorkriegszeit auf den Golanhöhen. Verbunden damit wird die UN-Blauhelmmission (UNDOF) zurückkehren, die seit 1974 die Waffenstillstandslinie und Pufferzone zwischen Israel und Syrien kontrolliert. 2012 war dieses Gebiet zur Kampfzone geworden, bis vor wenigen Wochen wurde es von bewaffneten Gruppen kontrolliert.

Am 3. August berichteten israelische Medien, dass die Armee das Feldlazarett »Mazor Ladach« abgebaut habe. Entstanden war die israelische Militärklinik im Rahmen des Projekts »Gute Nachbarschaft« (mit syrischen Oppositionellen) auf dem besetzten Golan und in Deraa. 6.800 Kämpfer und Zivilisten aus Syrien sollen dort versorgt worden sein.

Weiterhin kommt es allerdings zu israelischen Luftangriffen auf Syrien, zuletzt in Aleppo und Hama. Zweimal wurde eine Militärforschungsanlage bei Masjaf in der Provinz Hama bombardiert. Am Montag wurde General Asis Asbar ermordet, der das syrische Raketenforschungsprogramm in Masjaf leitete. Er und sein Fahrer starben, als ihr Auto beim Starten explodierte. Der Anschlag trägt deutlich die Handschrift einer Terroroperation des israelischen Geheimdienstes Mossad. Ein »anonymer Mitarbeiter eines Geheimdienstes im Mittleren Osten« bestätigte das am Montag gegenüber der New York Times. Der israelische Geheimdienstminister Israel Katz begrüßte den Mord am Dienstag im israelischen Armeerundfunk: »Angenommen es stimmt, was man über die Aktivitäten dieses Mannes sagt, dass er in die Entwicklung von Chemiewaffen und Langstreckenraketen involviert war, die Israel treffen könnten – dann begrüße ich natürlich seinen Tod.«

In den von Russland, der Türkei und dem Iran kontrollierten Randgebieten der »Deeskalationszone Idlib« haben derweil die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen dschihadistischen Kampfgruppen und den syrischen Streitkräften zugenommen. Moskau versucht, den Konflikt mit der Türkei um die Provinz Idlib ohne weiteren Krieg zu lösen. Die mit der Türkei verbündeten Gruppen, darunter die als Ableger von Al-Qaida geltende Nusra-Front, sind jedoch bisher nicht bereit, die Kontrolle über die Region aufzugeben. Europäische Staaten haben zudem viel Geld in die Provinz investiert, wo sie »humanitäre Projekte« der »moderaten Opposition« finanzieren, unter anderem die »Weißhelme« und eine »Freie Syrische Polizei«.

Das russische »Zentrum für die Versöhnung der verfeindeten Seiten in Syrien« in Hmeimim bei Latakia unterstützt weiter Verhandlungen zwischen den verschiedenen Gruppen in Idlib. Am Dienstag teilte der leitende Generalmajor Alexej Tsygankow mit, dass »Dutzende syrischer Oppositioneller in einem unter Kontrolle von Haiat Tahrir Al-Scham und Dschabhat Tahrir Surija stehenden Randgebiet von Idlib von diesen festgenommen« worden seien. Beide Kampfverbände sind Neugründungen bzw. Ableger der Nusra-Front. Mit ihren Provokationen wollten sie offenbar den »Stabilisierungsprozess für Idlib und mögliche Friedensgespräche« unterlaufen, sagte der russische Offizier.

Viele Syrer hoffen dennoch auf ein Endes des Krieges. Allein aus dem Libanon kehrten in den letzten Wochen Tausende in ihre Heimat zurück. Die Regierung in Damaskus beschloss am Mittwoch die Gründung einer Koordinierungsstelle, die Syrern aus dem Ausland bei der Rückkehr helfen soll.

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