Aus: Ausgabe vom 18.12.2017, Seite 2 / Ausland

Generalstreik in Israel

Ratiopharm-Mutter Teva will Tausende Stellen streichen. Histadrut ruft zu Protesten auf

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Zahlreiche Beschäftigte der Ratiopharm-Mutter Teva haben am Sonntag in Israel die Arbeit niedergelegt und damit gegen den Sparkurs des Pharmakonzerns protestiert. Am Sonntag beginnt in Israel die normale Arbeitswoche. Allein in Jerusalem blockierten Hunderte Mitarbeiter zentrale Straßen, wie die israelische Nachrichtenseite Ynet berichtete. Einige Beschäftigte hätten sich zudem in einem Gebäude des Unternehmens verschanzt. Auch in anderen Städten mit Teva-Niederlassungen wie Petach Tikwa, Aschdod, Netanjahu und Kfar Saba sei es zu Protesten gekommen. In Aschdod hätten wütende Mitarbeiter Reifen in Brand gesetzt. Israels Gewerkschaftsdachverband Histadrut hatte aus Solidarität mit den Teva-Mitarbeitern zu einem Generalstreik aufgerufen. Die Bewegung »des Protests und der Solidarität« mit den Beschäftigten solle auch die Häfen, Versicherungskonzerne, Banken und Ministerien betreffen, kündigte Histadrut an.

Am internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv begann der Streik um 8.00 Uhr (Ortszeit) und sollte vier Stunden dauern, wie es aus Flughafenkreisen hieß. Zahlreiche für diesen Zeitraum geplante Flüge wurden vorgezogen, sieben Flüge fielen aus. Am frühen Nachmittag nahm der Flughafen wieder seinen regulären Betrieb auf. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er wolle in der kommenden Woche Teva-Chef Kåre Schultz treffen. Man müsse alles unternehmen, um eine Schließung in Jerusalem zu verhindern, sagte er nach Angaben seines Büros. Außerdem sei es wichtig, dass Teva ein israelisches Unternehmen bleibe. In Deutschland ist Teva vor allem mit seiner Marke Ratiopharm bekannt und beschäftigt rund 2.900 Mitarbeiter, von denen die meisten am Standort Ulm für Ratiopharm tätig sind. Wie viele dieser Stellen vom Sparkurs betroffen sind, ist noch unklar. In Israel selbst sollen bis Ende 2019 rund 1.700 Jobs wegfallen, das wäre ein Viertel des bisherigen Personals in dem Land. Der Konzern will in den nächsten zwei Jahren weltweit 14.000 Stellen streichen, wie er am Donnerstag mitgeteilt hatte. Teva (hebräisch für: Natur) ist Weltmarktführer unter den Herstellern von Generika und Israels größtes Unternehmen. Weltweit hat die Ratiopharm-Mutter nach eigenen Angaben rund 53.000 Mitarbeiter. Damit ist jede vierte Stelle von den Kürzungen betroffen. (dpa/AFP/jW)


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