Aus: Ausgabe vom 15.06.2017, Seite 15 / Medien

Medienkrieg gegen Kuba

Solidaritätskonferenz prangert in Bilbo Zeitung El País als Lügenmedium an

Von Volker Hermsdorf
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Dreitägiger Streik 2012 gegen Jobabbau: Auch die Beschäftigten haben einiges an El Pais zu kritisieren:

Die spanische Tageszeitung El País galt nach dem Ende der Franco-Diktatur als linksliberales Hausblatt vieler fortschrittlicher Intellektueller. Doch am vergangenen Wochenende wurde die noch immer auflagenstärkste Publikation des Landes für ihre Berichterstattung über Kuba mit einer Pinocchio-Nase ausgezeichnet. Auf einer Kuba-Solidaritätskonferenz im baskischen Bilbo (Bilbao) verliehen 66 nationale Organisationen und zahlreiche internationale Gäste El País einen Preis: Sie sei diejenige Publikation in Spanien, der »das größte Verdienst in der Kunst der Verleumdung, Manipulation, Fälschung und Tatsachenverdrehung bei Informationen und Nachrichten über Kuba« zukomme.

Das Blatt steht damit am Ende einer bemerkenswerten Entwicklung. Im Gegensatz zur postfranquistischen Tageszeitung ABC und der ebenfalls rechtsstehenden El Mundo hatte El País fast drei Jahrzehnte lang auch fortschrittlichen Positionen eine Stimme gegeben. Heute ist sie das antikommunistische Flaggschiff der »PRISA-Gruppe«, des weltweit führenden Konzerns für spanischsprachige Medien. »Seit Ende der 1990er Jahre ist die Zeitung immer weiter nach rechts gerückt. Mittlerweile ist ihre Linie nicht nur in bezug auf Kuba, sondern auch in anderen internationalen Fragen identisch mit den Positionen der USA und der NATO«, erklärt José Manzaneda, Koordinator des alternativen Medienportals Cubainformación. Die Politikwissenschaftlerin Ángeles Diez von der Universität Complutense Madrid bezeichnete die »Kreuzzüge bürgerlicher Medien« gegen Kuba, Venezuela und andere Länder als »Teil des sich verschärfenden Krieges zwischen dem Kapital und den Völkern«. Sie plädierte für den Aufbau eines Netzwerkes, um gezielten Desinformationen von Regierungen, Geheimdiensten und Medienkonzernen entgegenwirken zu können. Mariela Castro, Abgeordnete der kubanischen Nationalversammlung, unterstützte den Vorschlag und rief zur Schaffung einer »breiten antiimperialistischen Front zur Abwehr der medialen Angriffe auf Kuba und andere Länder, die sich der neoliberalen Offensive widersetzen« auf. Wie die ebenfalls in Bilbo anwesende Tochter Che Guevaras, Aleida Guevara March, die über den Kampf ihres Vaters gegen die Verleumdung der kubanischen Revolution berichtete, appellierte Castro an die Einheit der Linken und der Solidaritätsbewegung in Europa. »Uns verbinden gemeinsame Vorstellungen, Projekte und Herausforderungen«, sagte die Politikerin. Angesichts der machtvollen Kampagnen großer internationaler Medienunternehmen, die diese Ziele zu diskreditieren versuchten, sei die Verteidigung zivilisatorischer Werte nur durch Bündelung und Vereinigung aller Kräfte möglich. Manzaneda konkretisierte: »Der Medienkrieg ist unerbittlich, deshalb müssen wir unsere Aufklärung und Kommunikation verdoppeln und verdreifachen.«

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