Aus: Ausgabe vom 15.04.2017, Seite 5 / Inland

Reichtum auf Pump

Wegen Spekulationsgewinnen steigen Geldvermögen in Deutschland auf Rekordniveau

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»Der Sparer« bleibt lieber im Verborgenen (Broker an der Frankfurter Börse, 28. Februar)

Vor allem deutsche Banker und Politiker warnen vor den niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank. »Der Sparer« werde geschröpft, wenn dann noch die Inflation steige, drohe eine große Enteignung, lautet die landläufige Meinung.

Dass dem nicht so ist, verkündete die Bundesbank am Donnerstag. Die Menschen in Deutschland besitzen so viel Geldvermögen wie nie zuvor. 2016 stieg das Vermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen an Versicherungen Ende vergangenen Jahres auf den Rekordwert von 5,59 Billionen Euro.

Das deutliche Plus von 98 Milliarden Euro beziehungsweise 1,8 Prozent erklärte die Notenbank vor allem mit gestiegenen Börsenkursen. Allein gut 53 Milliarden Euro resultierten danach aus Spekulationsgewinnen, insbesondere bei Aktien und Anteilen an Investmentfonds. »Auch im Jahresverlauf trugen die Bewertungsänderungen bei Aktien und Investmentfondsanteilen insgesamt positiv zum Anstieg des Geldvermögens bei«, erklärte die Notenbank. Dank des »robusten Arbeitsmarktes und steigender Reallöhne« hätten viele Menschen auch mehr auf die hohe Kante legen können. Unter dem Strich flossen rund 45 Milliarden Euro in Bargeld und Sichteinlagen, zu denen Girokonten und Tagesgeldkonten zählen. Es war den Angaben zufolge der zweithöchste Wert seit dem Jahr 1999. Nahezu unverändert blieben Spareinlagen, obwohl sie in der Zinsflaute kaum noch etwas abwerfen.

In Versicherungen und Pensionseinrichtungen, die ähnlich wie Bankeinlagen als risikoarm gelten, investierten die Bundesbürger im vierten Quartal knapp 20 Milliarden Euro. Der Zuwachs entsprach etwa dem Vorjahreswert. Insgesamt stecken 2,1 Billionen Euro in Versicherungen und Altersvorsorgesystemen. An den Kapitalmärkten hielten sich die Deutschen verglichen mit den Vorquartalen dagegen zurück. Unter dem Strich trennten sie sich in den letzten drei Monaten 2016 von Aktien und sonstigen Anteilsscheinen im Wert von fast einer Milliarde Euro. Das traf vor allem inländische Unternehmen. In Investmentfonds steckten die Privathaushalte hingegen gut fünf Milliarden Euro. Beliebt waren vor allem Aktienfonds und gemischte Wertpapierfonds.

Zugleich nutzten die Bundesbürger die niedrigen Zinsen, um sich günstig Kredite zu verschaffen – vor allem für den Wohnungsbau. Die gesamten Verbindlichkeiten der privaten Haushalte stiegen um 0,5 Prozent auf 1,67 Billionen Euro. Unter dem Strich erhöhte sich das Nettogeldvermögen damit um 2,3 Prozent auf 3,92 Billionen Euro. Immobilien oder Kunstwerke sind in der Statistik nicht enthalten. Auch wie das Vermögen verteilt ist, geht aus der Studie nicht hervor.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist die Inflation in Deutschland im März nur um 1,6 Prozent gestiegen, erklärte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden. Ein Minus von 0,6 Prozent zum Vormonat. Die Preissteigerung hatte im Februar noch bei 2,2 Prozent gelegen. (dpa/Reuters/jW)

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