22.08.2015
Judo im Kalten Krieg
Egon Bahr, Chefarchitekt der »Annäherung«, ist tot. Mit der Arbeiterbewegung verband ihn nichts, und doch stand er für eine Generation der Sozialdemokratie
Von Georg Fülberth
Egon Bahr, geboren 1922, gestorben in der Nacht zum Donnerstag, war Soldat, wurde 1944 als Fahnenjunker aus der Armee entfernt und als Rüstungsarbeiter in die Produktion versetzt: wegen »Einschleichens in die Wehrmacht«. Er hatte seine jüdische Großmutter verschwiegen. Später sagte er, er habe Schwein gehabt.
Ab 1945 war er Journalist, von 1950 bis 1960 als Chefkommentator des RIAS: ein Propagandist des Westens im Kalten Krieg. 1956 trat er in die SPD ein. Mit der t...
Artikel-Länge: 5795 Zeichen


