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25.11.1997
- → Ausland
jW-Büro in Diyarbakir
Reaktion auf Unterdrückung türkischer Oppositionszeitungen
Diyarbakir wird die heimliche Hauptstadt Kurdistans genannt. Die Redaktion der Oppositionszeitung Emek erlebt dort zur Zeit eine Welle von Übergriffen. Angefangen hat es damit, daß die Belieferung von Kiosken in Diyarbakir verhindert wurde. Am 18. und 25. September überfielen bewaffnete Personen die örtlichen Redaktionsräume. 20 Tage lang wurde die Belieferung der Zeitungsverkäufer behindert. Schließlich wurde der Vertriebsbeauftragte in Diyarbakir, Fahrettin Gardas, am Flughafen verschleppt und mit dem Tode bedroht. Am selben Tag wurde die Redaktion zweimal überfallen, der Korrespondent Özgür Cebe zusammengeschlagen. Er wurde damit bedroht, getötet zu werden, falls in der Zeitung nochmals ein Bericht über Diyarbakir veröffentlicht werden sollte.
Mitarbeitende von Tageszeitung junge Welt und Verlag 8. Mai haben sofort gegen die Übergriffe protestiert. Wir haben zusätzlich beschlossen, für vier Wochen in Diyarbakir symbolisch ein jW-Büro einzurichten: Drei Mitarbeiter der jungen Welt werden nacheinander dort sein und in den Redaktionsräumen von Emek für die junge Welt berichten und mit den Kolleginnen und Kollegen von Emek über weitere Maßnahmen der Unterstützung sprechen.
Diyarbakir, das klingt so verdammt weit weg. Ist es aber nicht: Wer von Berlin aus beispielsweise nach Südbaden fliegen will, bezahlt für den Flug deutlich mehr, der Zeitaufwand ist kaum geringer. Verbunden sind wir mit unseren Kollegen in Diyarbakir online über das Internet. Bezahlt wird die Aktion übrigens von unserem Venceremos- Spendenkonto, also von unseren Leserinnen und Lesern. Den ersten Bericht aus Diyarbakir können Sie heute auf der Seite 9 lesen.
Unter anderem mit türkischen Freundinnen und Freunden laden wir zusammen mit anderen Organisationen am Samstag, dem 6. Dezember, zu einer Veranstaltung zum »Europäischen Jahr gegen Rassismus« ein: »1997 - ein Jahr des staatlich verordneten Rassismus« lautet der Titel eines Podiumsgesprächs, an dem für die junge Welt Rüdiger Göbel teilnehmen wird. Im anschließenden Kulturprogramm spielen Gruppen aus Brasilien, Deutschland, Mexiko, Afrika und der Türkei.
Die MitarbeiterInnen von junge Welt und Verlag 8. Mai
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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