Zum Inhalt der Seite

Dokumentiert: Resolution gegen Schikanen und Repression im Einzelhandel

Unsichere Arbeitsverhältnisse, Niedriglöhne und miese Arbeitsbedingungen sind kein Zufall: Im in Berlin-Brandenburg immer noch aktuellen Tarifkonflikt im Einzelhandel streikten in der Kaiser's-Filiale Hauptstr./Berlin-Hohenschönhausen anfangs acht Kolleginnen. Nach einschüchternden Einzelgesprächen der Distriktmanagerinnen war es nur noch eine: Emmely. Emmely wurde daraufhin fristlos gekündigt: Unter dem Vorwand des Verdachts, Pfandbons im Gesamtwert von 1,30 Euro falsch abgerechnet zu haben. Emmely hatte bis dahin 31 Jahre noch immer im ersten Arbeitsverhältnis gearbeitet. Die vorgebliche Schädigung des Vertrauens des Arbeitgebers in Emmely wegen des Verlusts von 1,30 Euro soll schwerer wiegen als das Recht dieser Frau auf eine eigene Existenzgrundlage. Kaiser's muß diesen Vorwurf gar nicht beweisen, ein »dringender« Verdacht reicht aus: Sogenannte Verdachtskündigung.

Emmely ist kein Einzelfall: Regelmäßig schikanieren Arbeitgeber im Einzelhandel KollegInnen, die sich nicht alles gefallen lassen oder für bessere Bezahlung kämpfen. Regelmäßig versuchen Arbeitgeber, KollegInnen, die sich nicht alles gefallen lassen, aus dem Betrieb zu drängen. Regelmäßig verhindern oder behindern Arbeitgeber die Gründung oder Arbeit von Betriebsräten. (...)

– Wir sind solidarisch mit Emmely und unterstützen sie in ihrer Kündigungsschutzklage.

– Wir fordern Kaiser's auf, Emmely sofort wieder einzustellen.


– Wir erwarten von unseren Gewerkschaften, daß sie gerade widerständige KollegInnen wie Emmely unterstützen: Nicht nur durch Rechtsschutz, sondern auch durch öffentliche Auftritte und Stellungnahmen und die aktive Organisierung von Solidarität.



Unterzeichner u.a.: Ortsgruppe der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der S-Bahn Berlin; Enrico Forchheim, Betriebsrat, S-Bahn Berlin; Klaus Specht, Betriebsratsvorsitzender ThyssenKrupp Presta SteerTec GmbH, Düsseldorf; Nicolaus Roth, Betriebsrat Bayer Leverkusen; Georg Fleischer, IG Metall Köln; Ingrid Behr, IG Metall Köln; Stefan Giboni, IG Metall Köln; Peter Grünther, Köln; Georg Wolter, IG Metall Köln; Prof. Dr. Frieder Otto Wolf (FU Berlin, ehemal. Mitglied des Europaparlaments); Prof. Dr. Gisela Notz, Berlin; Prof. Dr. Thomas Sablowski (Uni Marburg/Wien, Redaktion Prokla); Prof. Dr. Ulrich Brand (Uni Wien); Prof. Dr. Birgit Sauer (Uni Wien); Prof. Dr. Herbert Schui (MdB, Fraktion Die Linke); Ulla Jelpke (MdB, Fraktion Die Linke); Inge Höger (MdB, Fraktion Die Linke); Sevim Dagdelen (MdB, Fraktion Die Linke); Kornelia Möller, (MdB, Fraktion Die Linke); Jan Korte (MdB, Fraktion Die Linke); Günter Wallraff, Journalist und Publizist, Köln




junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 19.08.2008, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!