Aus: Ausgabe vom 13.01.2017, Seite 1 / Ausland

Steinmeier im Dschungelcamp

Bundesaußenminister zu Gesprächen in Kolumbien. Besuch in FARC-Lager geplant

Steinmeier_besucht_d_27141615.jpg
Nicht immer nur die Bundeswehr besuchen: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wird am Freitag in einem Camp der FARC erwartet

Der deutsche Bundesaußenminister und designierte Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier (SPD), besucht Kolumbien und will auch der Guerillaorganisation FARC seine Aufwartung machen. Wie die kolumbianische Außenministerin María Ángela Holguín am Dienstag im Radiosender RCN bestätigte, wird Steinmeier am heutigen Freitag in der Hauptstadt Bogotá zunächst mit Staatschef Juan Manuel Santos zusammentreffen, bevor er im Department Meta ein Camp besuchen wird, in dem sich Kämpfer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) auf die Abgabe der Waffen und ihre Eingliederung in das zivile Leben vorbereiten.

Entsprechend dem zwischen der Regierung und der Guerilla abgeschlossenen Friedensvertrag werden die etwa 5.800 Rebellen derzeit in 26 Zonen im ganzen Land zusammengezogen. Überwacht werden diese Lager durch die Vereinten Nationen, die dazu eine Beobachtermission entsandt haben.

Steinmeier ist nicht der einzige ausländische Gast in den Camps. Obwohl die FARC von der Europäischen Union bis vor wenigen Wochen als »terroristische Organisation« geführt wurden, will auch der französische Präsident François Hollande Ende des Monats im Department Cauca eines der Lager besuchen. Pablo Catatumbo, einer der führenden Comandantes der Guerilla, begrüßte diese Ankündigung: »Wir sind absolut zuversichtlich, dass dies ein Impuls für die Umsetzung der Vereinbarungen sein wird«, erklärte er. Es sei den FARC »eine Ehre«, den französischen Präsidenten zu empfangen. Auch Rodrigo Londoño alias Timochenko, oberster Chef der Rebellenorganisation, begrüßte über Twitter die ausländischen Visiten: »Wir danken der Regierung Frankreichs für ihre Unterstützung bei der Umsetzung der Abkommen von Havanna. Die Welt unterstützt den Frieden in Kolumbien.«

Bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz der jungen Welt am Sonnabend in Berlin wird ein kolumbianischer Vertreter über die aktuelle Situation des Friedensprozesses in dem südamerikanischen Land berichten. (dpa/ANNCOL/jW)

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Ausland
  • US-Truppen passieren polnische Grenze
  • Baskische Flüchtlingsaktivisten in Griechenland angeklagt. Madrid blockiert Aufnahme von Schutzsuchenden
    Carmela Negrete
  • Gambias Präsident Jammeh will bis Mai im Amt bleiben, doch der Druck auf sein Regime wächst
    Christian Selz, Kapstadt
  • Schmutzkampagne treibt den künftigen US-Präsidenten Trump zu neuen Ausfällen. Designierter Außenminister nimmt China und Iran ins Visier
    Knut Mellenthin
  • Ägyptischer IS-Ableger verübt Anschlagsreihe auf Halbinsel. Nachrichtenlage ist widersprüchlich
    Sofian Philip Naceur, Kairo