25.11.2026: Zeitenwende 1956. Eine globale Revolte als Geburtsstunde der „Neuen Linken“
Die historische und politische Bedeutung des Jahres 1956 wird noch immer allzu oft unterschätzt. „1956“ steht für eine Welt im Umbruch, für eine historische Zeitenwende. Im globalen Norden setzt sich der lange Expansionsboom des Nachkriegskapitalismus mit seinem auf Konsumismus, Sozialstaat, Rüstung und Antikommunismus setzenden Gesellschaftsmodell durch, während es im kommunistischen Ostblock zu tauen und zu gären beginnt.
Chruschtschows „Geheim“rede auf dem XX. KPdSU-Parteitag ist Anfang 1956 Befreiung und Schock zugleich, löst radikale Entstalinisierungsbewegungen und Volksaufstände in Polen und Ungarn aus, die Ende 1956 militärisch niedergeschlagen werden und in eine umfassende Restalinisierung einmünden.
Im globalen Süden entfaltet sich eine neue Welle der Entkolonialisierung, die auf soziale und nationale Emanzipation und Blockfreiheit setzt und den antirassistischen und antiimperialistischen Kampf auch in den USA und im alten Europa befeuert. Der französische Algerienkrieg und der britisch-französisch-israelische Suezkrieg verdeutlichen zur gleichen Zeit, dass die Freiheitsideologie des Westens ihre Grenzen hat, und dass die sich immer stärker in den Neokapitalismus einfügenden Sozialdemokraten bereit sind zur Mitverantwortung für solch kriegerische Auseinandersetzungen.
Und vor dem Hintergrund einer internationalen Jugendrevolte, die auf Rock 'n' Roll, Jazz-Musik und Beat-Kultur setzt, beginnt eine neue politische Generation, sich von der Sozialdemokratie und dem Kommunismus abzuwenden und erstmals explizit als „Neue Linke“ zu verstehen.
Christoph Jünke erinnert in seinem Vortrag an den globalen Charakter dieser Zeitenwende und fragt nach der anhaltenden Bedeutung der damals geführten Diskussionen auch für heutige linke Debatten.
Referent: Christoph Jünke, Historiker und Publizist, arbeitet und veröffentlicht zu Fragen der deutschen Geschichte und zur Theorie und Geschichte des internationalen Sozialismus. Er ist u.a. Autor und Herausgeber mehrerer Werke von und zu Leo Kofler, hat zuletzt die biografische Miniatur Viktor Agartz oder: Ein Leben für und wider die Wirtschaftsdemokratie herausgegeben und arbeitet zurzeit an einem Buch über „1956“.
Kosten: 2 €