27.11.2026: Konferenz: Sex zwischen Befreiung und Verwertung
"Aus diesem [Geschlechts-]Verhältnis kann man die ganze Bildungsstufe des Menschen beurteilen. […] In ihm zeigt sich also, in[wie]weit das natürliche Verhalten des Menschen menschlich oder […] inwieweit seine menschliche Natur ihm zur Natur geworden ist.“
Marx: Ökonomisch-philosophische Manuskripte
Berlin gilt als ein Zentrum der sexpositiven Szene. Mit ihren ehemals zahlreichen freien und radikalen Räumen spielt die Stadt eine zentrale Rolle als Schauplatz von Emanzipation im Spannungsfeld von Hedonismus und politischer Arbeit. Queere und sexuell permissive Räume gehören seit Langem zur subkulturellen DNA Berlins.
Bereits in der Zwischenkriegszeit hatten sich Magnus Hirschfeld und das von ihm gegründete Institut für Sexualwissenschaft für eine Sexualforschung eingesetzt, die wissenschaftliche, politische und aktivistische Anliegen miteinander verband – insbesondere im Kampf für die gesellschaftliche Anerkennung queerer Menschen. In der Nachwendezeit verbanden sich queere und alternative Formen des Begehrens auf prägende Weise mit dem Hedonismus der Ravekultur. Orte wie das Berghain und das KitKat wurden zu prominenten Schauplätzen dieser Verbindung.
Doch die kulturellen Errungenschaften und die erreichten Grade sexueller Emanzipation bergen Ambivalenzen. Kann noch von Befreiung gesprochen werden, wenn kommerzialisierter Hedonismus zum Mainstream wird? Wird das Experimentieren mit freieren Formen der Sexualität, sobald es das Nischendasein verlässt, selbst zu einem ökonomischen Faktor? Eine Kritische Theorie sexueller Emanzipation muss darauf insistieren, dass Emanzipation sich gegen die Warenform richten kann, anstatt durch diese selbst überformt zu werden. Zugleich darf dieses emanzipatorische Potenzial nicht vorschnell vorausgesetzt werden, sondern muss selbst zum Gegenstand der Kritik werden - denn auch aus Kinks lässt sich Kapital schlagen!
Programm
Tag 1: 27.11
10:00 - 11:30: Tobias Wieland: Konsensualität zwischen Autonomie und Anerkennung. Verortungen im Feld
11:45 - 13:15: Florenz Gilly: Wer oder was und wie kritisch war „kritische Sexualwissenschaft“?
Mittagspause: 13:15 bis 14:30
14:30 - 16:00: Larissa Wallner: Yearning for shared Reality. Beauvoir’s account of Sade as exemplary human. (Der Vortrag ist auf Englisch)
16:15 - 17:45: Marcus Döller: Transgression und Reproduktion – Sex als inneres Außen der Ökonomie
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Tag 2: 28.11
10:00 - 11:30: Anna-Myrte Palatini: “Betrug am Glück? - Wertkritische Überlegungen zur “sexuellen Revolution”
11:45 - 13:15
D.E.H. Jacobs: Hegel und Sexarbeit.
Mittagspause: 13:15 bis 14:30
14:30 - 16:00: Joris Kern: Konsens: Befreiung oder Enge? Vom regelbasierten Konsensverständnis hin zu Konsens als lustbetonte Kultur.
Am 2. Tag kommt voraussichtlich noch ein weiterer Vortrag dazu!
Die Konferenz geht über 2 Tage, eine Teilnahme ist auch für einen einzelnen Tag möglich (bitte bei der Anmeldung angeben). Im TN-Beitrag von pro Tag 10.- sind ein Mittagessen, Kaffee und H2O enthalten.
Unten im PDF sind bereits Abstracts zu einigen der Vorträge zu finden.
Kosten: 10.- Euro pro Tag
Anmeldung erforderlich