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Aus: Rosa & Karl, Beilage der jW vom 10.01.2026
Friedensbewegung

Wieder Stärke zeigen

Die Friedensbewegung der 1980er Jahre war groß, breit und hartnäckig
Von Daniel Bratanovic
Demonstration gegen eine Bundeswehr-Ausstellung in Dortmund, 1975
Claus Schulte
Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit, undatierte Aufnahme
Friedensdemonstration im Hunsrück, 1986
Rechnen lernen, Herne 1981
Großdemonstration der Friedensbewegung in Hasselbach, Hunsrück, 1986

Bisweilen geben Fotografien aus der Vergangenheit der Gegenwart ein paar Handlungsempfehlungen. Wie wäre es, liebe Gegenwart, du besännest dich darauf, Krieg und dessen Vorbereitung mit einer gesellschaftlichen Macht zu geißeln, die wenigstens dafür sorgt, dass solche Scheußlichkeit nicht länger aus aller Munde als unausweichliche Naturkonstante und -notwendigkeit behauptet, verteidigt oder gar gepriesen, sondern als ein Übel benannt wird, das erkennbaren Gründen folgt und, ein gewisses Maß an Widerstand vorausgesetzt, auch verhindert werden kann?

In den 1970er und 80er Jahren waren sich sehr viele Menschen in der alten Bundesrepublik, selbstredend nicht nur dort, der Gefahren bewusst, die eine erneute Zuspitzung des Kalten Krieges mit sich brachte. Der NATO-Doppelbeschluss vom Dezember 1979 sorgte für die Aufstellung von US-Mittelstreckenraketen vom Typ »Pershing II«, die mit Atomsprengköpfen ausgestattet waren. Die Eskalation auf das Äußerste wäre der Atomkrieg gewesen. Diese existentielle Bedrohung hat vermutlich dafür gesorgt, dass damals so viele Menschen gegen die Raketenstationierung im besonderen und gegen die Kriegsgefahr im allgemeinen ihre Stimme erhoben haben.

Die Breite und Hartnäckigkeit der damaligen Friedensbewegung bezeugen diese Bilder, eine Auswahl aus dem Archiv der Arbeiterjugendbewegung. Antimilitaristischer Protest erfasste über Jahre hinweg alle Teile der alten Bundesrepublik. Unbesehen der damals doch anders gelagerten Umstände und unbesehen der vereinzelt auftretenden Irrungen und Wirrungen in den Reihen der Friedensbewegten, war die gesellschaftliche Ablehnung der Aufrüstung doch so stark, dass selbst die Staatspartei SPD nicht umhin kam, sich kritisch zu äußern. Es entstand eine Art Gegenhegemonie. Friedenspositionen waren im gesellschaftlichen Diskurs selbstverständlich, gerade keine randständige Meinung, die mal eben als »Lumpenpazifismus« abgetan werden konnte, ohne dass nicht wahrnehmbar ein Gegenstandpunkt eingenommen worden wäre. Diese Stärke, diese Gegenhegemonie sind auch heute wieder dringend erforderlich. Bilder wie diese zeigen, dass es möglich ist.

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