18.03.2010
Endlich unartig
Christopher Isherwood durchbricht die »Eisschichten puritanischer Erziehung« und flunkert sich eine Autobiographie zurecht
Von Ingo Flothen
Die zwanghafte Lüge, die Mythomanie, ist das erste Mittel des
Schriftstellers. In der Medizin gilt sie als Zeichen für
kognitive und psychoaffektive Unreife, als narzistische
Persönlichkeitsstörung; den Betroffenen fällt es
schwer, Reales von Imaginärem zu unterscheiden. Der Roman
jedoch freut sich an der Fabuliersucht seiner Meister, das
Adelsgeschlecht derer von Münchhausen hält die Hand
über ihn. Wie aber steht es um die Autobiographie? Wieviel
Lüge verträgt sie?...
Artikel-Länge: 6502 Zeichen


