Zum Inhalt der Seite
Videokommentar

Frankreich: Gegen Kapitalismus und bürgerlichen Staat

Ein Videokommentar zu den Schülerprotesten in Frankreich

Von Fabian Lehr

Was als ein harmloser Schülerprotest in einem Pariser Vorort begann, ist in der vergangenen Woche zu einer der größten und lautesten Massenmobilisierungen in Frankreich seit Jahren geworden. Mit Szenen, die manchem entsetzten konservativen Kommentator schon wie eine Revolution erscheinen. Worum geht es eigentlich? Ende September traten die Lehrerinnen einer Schule im Pariser Vorort Créteil in den Streik, um gegen unzumutbare Arbeits- und Unterrichtsbedingungen zu protestieren, insbesondere gegen chronischen Personalmangel.

In Solidarität mit diesem Protest organisierten Schülerinnen der Schule eine Demonstration, die sehr schnell Nachahmer in ganz Frankreich fand. Die Schüler, die erst in verrottende, unterbesetzte Schulen geschickt werden, während für Bomben und Raketen mehr als genug Geld da ist, und die dann, als sie gegen diese Zustände protestierten, sofort mit dem Polizeiknüppel Bekanntschaft machten, erhalten gerade einen praktischen Schnellkurs über den Charakter des bürgerlichen Staates in Zeiten von Krise, autoritärem Staatsumbau und Militarisierung.

Anzeige

Es ist kein Wunder, dass viele der Protestierenden von konkreten Forderungen bezüglich des Schulsystems weitergegangen sind. Zur allgemeineren Losung gegen Kapitalismus und bürgerlichen Staat. Und dass gerade La France insoumise sich unter den Schülerinnen auf der Straße so großer Beliebtheit erfreut. Auch in Deutschland werden Merzens Großangriffe auf Sozialstaat und Arbeiterinnenrechte, Sparpolitik und Kriegsvorbereitungen zweifellos zu anfangs diffusen Protesten aller möglichen Bevölkerungsgruppen führen.

Die Frage ist, wer hier die Rolle von La France insoumise übernehmen sollte, solche Bewegungen politisch voranzutreiben. Daran, dass die Linkspartei diese Rolle erfüllen könnte und wollte, ja, dass linke Bürgermeister sich wie in Saint-Denis der Polizei in den Weg stellen, um Demonstrierende zu schützen, daran darf leider sehr gezweifelt werden.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen am 13.10.2026, Ausland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!