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03.06.2026
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Gedenkbriefmarke für Fluchthelfer Vochoč
Der tschechoslowakische Diplomat stellte zwischen 1938 und 1941 rund 2.000 Verfolgten Pässe aus
Im Alter von 90 Jahren war der in Vergessenheit geratene Vladimír Vochoč am 4. Januar 1985 unbeachtet in seinem Geburtsort Třebechovice pod Orebem in Ostböhmen gestorben. Weil er tausenden Menschen die Flucht vor den deutschen Faschisten ermöglicht hatte, wird der tschechoslowakische Diplomat nun mit einer Gedenkbriefmarke im Wert von 40 Kronen (rund 1,65 Euro) geehrt. Nach offiziellen Angaben wurden 200.000 Stück hergestellt, die ab dem 17. Juni erhältlich sein sollen.
Im Jahr 1940 hatte es den seit 1919 im tschechoslowakischen Außenministerium arbeitenden Vochoč nach Frankreich verschlagen. Dort war Štefan Osuský seit 1921 als Botschafter stationiert. Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in der Tschechoslowakei im März 1939 weigerte sich Osuský, die tschechoslowakische Botschaft in Frankreich zu schließen und begann, den Widerstand gegen die Faschisten zu organisieren.
Vochoč war im Februar 1940 vorübergehend nach Paris versetzt worden. Infolge der französischen Niederlage gegen die deutschen Invasionstruppen kehrte er im Juni desselben Jahres nach Marseille zurück und führte dort das einzige tschechoslowakische Konsulat im unbesetzten Teil Frankreichs inoffiziell weiter. Obwohl er weder Diplomatenstatus noch Immunität besaß, stellte er tschechoslowakische Pässe für Juden und bedrohte Ausländer aus.
Überliefert ist, dass Vochoč in einem Tresor eine begrenzte Anzahl von regulären leeren Pässen sowie mehrere hundert »rosa Pässe« gefunden hatte, die nur eine begrenzte Gültigkeit besaßen. Durch ein weiteres Dokument verlängerte er deren Gültigkeit. Er gab diese Reisepapiere nicht nur an ehemalige tschechoslowakische Staatsbürger aus. Als ihm die Originale ausgingen, wurden in einer lokalen Druckerei Kopien nachgedruckt, heißt es in einem Text der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem über Vochoč.
Dessen Aktivitäten standen in Verbindung mit einer Rettungsaktion des 1967 gestorbenen US-Journalisten Varian Fry. Beide Männer sollen eine Vereinbarung getroffen haben: Während Vochoč jeder von Fry vorgeschlagenen Person einen Pass ausstellte, finanzierte der Amerikaner den Druck der falschen Dokumente. Unter den Geretteten waren viele prominente Intellektuelle und Künstler wie Franz Werfel, Alma Mahler, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Leonhard Frank, Walter Mehring und andere. Vochoč initiierte auch Hilfsmaßnahmen für demobilisierte tschechoslowakische Soldaten, die in Frankreich gestrandet waren. Es wird angenommen, dass auf diese Weise 2.000 bis 2.500 Menschen gerettet wurden.
Mitte März 1941 wurde Vochoč auf Druck der deutschen Besatzer von der französischen Polizei festgenommen, in der Kleinstadt Lubersac im Département Corrèze interniert und später freigelassen. Anfang Juli desselben Jahres gelang ihm die Flucht über Lissabon nach London, wo er im Außenministerium der tschechoslowakischen Exilregierung arbeitete. Nach der Rückkehr in seine Heimat ließ die neue Regierung ihn vom Geheimdienst STB überwachen. Vermutlich, weil er in Marseille Kontakt zu Interbrigadisten hatte, die als westliche Agenten betrachtet wurden. Vielleicht auch wegen der Kooperation mit Fry.
Vochoč war im Dezember 1948 wegen eines angeblichen Versuchs, die Grenze illegal zu überqueren, verhaftet worden. Im April 1949 wurde er freigesprochen. 1954 wurde er schließlich wegen Hochverrat zu 13 Jahren Haft und der Einziehung seines Vermögens verurteilt. Erst nach sechs Jahren und knapp neun Monaten Haft kam er 1960 im Rahmen einer Amnestie frei. 1964 hob der Oberste Gerichtshof das Urteil auf. 2016 hatte die israelische Gedenkstätte Yad Vashem den Tschechoslowaken mit dem Titel »Gerechter unter den Völkern« ausgezeichnet. In Marseille erinnert seit 2024 eine Stele an Vladimír Vochoč.
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