Gegründet 1947 Montag, 16. März 2026, Nr. 63
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Aus: Ausgabe vom 16.03.2026, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Der Verständliche

Zu jW vom 10.3.: »Der Streitbare«

Klaus Müllers Beiträge waren stets eine riesige Hilfe fürs Nachdenken. Was ihn besonders auszeichnete: Er schrieb so, dass man ihn verstehen konnte, auch wenn man ein Spezialgebiet nicht so gut beherrschte wie er. Ich bin traurig, dass er gegangen ist.

Joachim Seider, Berlin

Zum Begriff

Zu jW vom 6.3.: »Kongo: 200 Tote bei Einsturz von Coltanmine«

Coltan ist ein begehrtes Erz, wichtiges Mineral für elektrotechnische Geräte. Unter welchen unmenschlichen Bedingungen das Mineral u. a. im Kongo abgebaut wird, oft von Kinderhänden gefördert wird, das wollen wohl die wenigsten genau wissen. Nicht anders ist es mit den Kakaobohnen oder den Freiheitsfrüchten Bananen u. v. m. Den Einsturz einer Coltanmine mit Hunderten Opfern nehmen die meisten teilnahmsloser zur Kenntnis als vielleicht die Schwankungen ihrer Coltanaktien an der Börse.

Als die Meldung über den Einsturz der Coltanmine im Kongo zu lesen war, kam mir unweigerlich in Erinnerung, welche Hoffnungen wir als Jugendliche mit der sozialistischen Entwicklung der Republik Kongo unter ihrem Präsidenten Patrice Lumumba hatten, wie uns dieser Kämpfer für die Befreiung seines Volkes aus belgischer Kolonialherrschaft beeindruckte. Unfassbar schien uns aus wohlbehüteter Sicht in der DDR, auf welche grausame Weise Lumumba ermordet wurde. Vor Auge und Ohr hatten wir in diesen Jahren, als sich viele afrikanische Völker ihrer Kolonialherrscher entledigten und ihre Unabhängigkeit erkämpften, eine Dokumentation im DDR-Fernsehen von Walter Heynowski und Gerhard Scheumann, die »Kongo-Müller« vor die Kamera bekamen, und seine Mordorgien im Kongo filmisch festhielten und kommentierten. Es sind Bilder, die bis heute unauslöschbar sind. Hat dieser Mörder in der damaligen Bundesrepublik ebenso empörte Emotionen erweckt? Haben Medien der damaligen BRD ihrer Bevölkerung unter ähnlicher Beachtung wie in der DDR diese Grausamkeiten an Hörer und Zuschauer gebracht? Warum bewegt mich die Frage?

Ich war mit Familie in einer erzgebirgischen Gaststätte zum Abendessen, dabei waren auch ganz junge Menschen, die plötzlich empört auf die Getränkekarte zeigten. Ein Mixgetränk mit der Bezeichnung »Lumumba« hat sie zu Recht aufgebracht. Sehr vielen Jugendlichen wird nicht einmal der Name noch etwas sagen. Politische Korrektheit ist wichtig und richtig. Bisher nicht zu erfahren war, wie über die korrekten politischen Begriffe und Worte ihre historische Einordnung, Entstehung, Inhalte wie ihre Zusammenhänge zum Jetzt und Heute dieser Völker im Bewusstsein ist und Denkweisen wie Haltungen hervorbringt. Es sind noch viele Worte, die wir lesen und hören, vielleicht auch gedankenlos aussprechen, weil sie ihre historische Zeit hatten, langlebig sind, nicht immer in rassistischem Verständnis verwandt werden. Darauf kommt es sicher an. Nicht das gedankenlos geplapperte Wort macht es. Wie es gemeint ist, welcher Geist, welche Haltung und Einstellung bis zum Tun und Handeln, danach ist mein Gegenüber zu beurteilen, und es hilft, sich vielleicht mal zum Begriff zu unterhalten.

Roland Winkler, Aue

»Blutspur«

Zu jW vom 9.3.: »Unser Krieg«

»Dem Frieden der Welt zu dienen«, heißt es in der Präambel unseres Grundgesetzes. Dem werden unsere Regierenden bislang kaum gerecht. Kanzler Merz geht beim Angriff der USA und Israels auf den Iran von anfänglicher Unterstützung allmählich auf Distanz. Das reicht natürlich nicht, wenn man bedenkt, dass Trump das iranische Volk nicht befreien, sondern zu Vasallen Israels und der USA machen will. Trump will als Kriegsheld in die Geschichte eingehen. Israel träumt von einem Großisrael und verleibt sich palästinensische Gebiete und jene des Libanon ein. Als nächstes, so erklärt es der selbstgewählte Präsident des Friedensrates Trump, ist Kuba an der Reihe. Sein Größenwahn ist unersättlich. Dem muss im Interesse der Menschheit Einhalt geboten werden. Die Blutspur der USA ist jetzt schon viel zu groß. Das zeigen z. B. Libyen mit 110.000, Syrien mit 600.000, Afghanistan mit einer Million, Irak mit anderthalb Millionen, Nordkorea mit drei Millionen und Vietnam mit vier Millionen Toten.

Wilfried Schubert, Güstrow

Geschäft mit der Rüstung

Zu jW vom 7./8.3.: »Russlands Kriegskapitalismus«

»In sowjetischen Zeiten« wurde »der Rüstungssektor«, also die Produktion von Waffen, Munition und anderem Verteidigungsbedarf, nicht »planwirtschaftlich gesteuert«, sondern war Staatseigentum. Daraus resultierte die Planwirtschaft. Es gab keinen einzigen Betrieb, in dem private Eigentümer oder Aktionäre Profit daraus schlagen konnten, dass in ihren Produktionsanlagen Mittel zur Tötung oder Verletzung von Menschen hergestellt wurden. Der Gedanke, dass dergleichen heute bei Rheinmetall und Co. normal ist, ist bei der Mehrheit der Bundesbürger verpönt. Aber so ist eben Kapitalismus. Hinzu kommt, dass bei den Bestellungen in großem Umfang Korruption im Spiel ist. Auch das gehört dazu. Das betrifft auch das kapitalistische Russland. Neu ist, dass bis hin zur Ebene der Vizeminister und Gebietsgouverneure nun Verhaftungen, Gerichtsverfahren und Vermögenseinziehungen erfolgen, beginnend etwa mit der Einsetzung von Beloussow als Verteidigungsminister. Das Gejammere von privaten Unternehmen ist deshalb nicht ganz ernst zu nehmen. Für Kostendeckung wird der Staat schon sorgen.

Volker Wirth, Berlin

Unter welchen unmenschlichen Bedingungen Coltan im Kongo abgebaut wird, oft von Kinderhänden gefördert wird, das wollen wohl die wenigsten wissen. Den Einsturz einer Mine nehmen die meisten teilnahmsloser zur Kenntnis als vielleicht die Schwankungen ihrer Coltanaktien an der Börse.

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