Wanderndes Wahlplakat des Tages: Karoline Preisler
Von Nick Brauns
Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Das mögen die Delegierten der Berliner FDP gedacht haben, als sie am Sonnabend ihre Landesliste zur Wahl des Abgeordnetenhauses beschlossen. Dort ist die Partei der reichen Schnösel und Egoisten verdientermaßen seit 2021 nicht mehr vertreten. In dieser misslichen Lage braucht es eine Geheimwaffe, die die Liberalen nun in Karoline Preisler gefunden haben.
Als »Deutschlands mutigste Demonstrantin« (Bild) hat Preisler Bekanntheit erlangt, nachdem sie auf Berliner Kundgebungen gegen den Genozid in Gaza wohl behütet durch eigens für sie abgestellte Polizisten regelmäßig die um das Leben ihrer Angehörigen bangenden palästinensischen Demonstranten mit Israel-Fähnchen und Spruchtafeln wie »Rape is not resistance« verhöhnte. Eine als rassistisch empfundene Unterstellung, da niemand auf diesen Demonstrationen ernsthaft behauptet hatte, Vergewaltigung sei Widerstand. Selbst bei Vergewaltigungen sei Israel noch der »menschlichere Akteur«, setzte Preisler 2024 nach dokumentierter sexualisierter Folterung eines palästinensischen Gefangenen durch israelische Soldaten noch einen drauf. Schließlich würden derartige Taten juristisch verfolgt. Das Ermittlungsverfahren gegen die Soldaten wurde vergangene Woche wenig überraschend eingestellt.
»Die Menschen im Iran haben darum gebettelt, beschossen zu werden, um vom Mullah-Regime befreit zu werden. Und die Menschen in Israel haben den Beschuss durch Mullahs, durch Hisbollah und durch Hamas ertragen, weil sie wussten, der Iran braucht diese Befreiung, und das hat mir eine andere Bescheidenheit vorgelebt«, stammelte Preisler am 8. März in die Kamera. Nun ist die 54jährige auf Platz acht der FDP-Landesliste gewählt worden. Sicherlich als wanderndes Wahlplakat. Denn im Schilderhochhalten hat sie ja Erfahrung.
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