Alles so schön bunt hier
Von Marc Hieronimus
Vor 60 Jahren, am 14. März 1966, erschien die Single »Eight Miles High« der US-amerikanischen Folkrockband The Byrds. Das Lied gilt als erstes weithin bekanntes Stück des Psychedelic Rock. Viele Merkmale des neuen Genres sind hier schon versammelt: Der Textbezug auf Gebrauch und Wirkung bewusstseinserweiternder Substanzen, nervöse, leicht verstörende Instrumentaleffekte und eine große musikalische Freizügigkeit und Kreativität, die schon auf den Progressive Rock der frühen 1970er Jahre verweist, mehrstimmiger Gesang, die Abkehr vom Strophe-Refrain-Schema, ein wirres Riff als Hauptthema – und schon die erste Textzeile hat mehr Akkorde als die meisten Popsongs heutiger Tage. Und doch hätte auch eine andere Single den Auftakt machen können, nämlich »Sunshine Superman« von Donovan mit der B-Seite »The Trip«. Die Aufnahmen in der Abbey Road fanden zur gleichen Zeit statt wie die von »Eight Miles High« und die von »Shape of Things« von den Yardbirds, aber vertragliche Verpflichtungen behinderten ihre sofortige Veröffentlichung. Psychedelic Rock lag also in der Luft.
Seit Anfang der 60er propagierte der US-amerikanische Psychologe und laut Richard Nixon »gefährlichste Mann Amerikas« Timothy Leary den Gebrauch der von Albert Hofmann am 19.4.1949 erstmals bewusst konsumierten Droge LSD. Seit 1985 wird dieser Tag (inoffiziell) als Bicycle Day gefeiert. Er hatte mit zwei Kollegen das einschlägige Buch »The Psychedelic Experience« veröffentlicht, dessen Passagen aus dem Tibetischen Totenbuch nur drei Wochen nach der Singleveröffentlichung von »Eight Miles High« Textgrundlage für ein noch wichtigeres Fundament der neuen Musikrichtung werden sollten, von dem noch zu reden ist. 1970 wurde Lysergsäurediethylamid (LSD) unter Nixon verboten, doch schon ab 1966 hatten sich einzelne Bundesstaaten entschieden, gegen das Zaubermittel der wachsenden Gegenkultur gesetzlich vorzugehen. Aus medizinischer Sicht ist LSD harmloser als alles, was der Dealer sonst noch vertreibt: Es gibt keine tödliche Dosis, keine körperliche Abhängigkeit oder Schädigung. Es gab Konsumenten, die darauf hängenblieben, darunter der schizophrene Sänger Roky Erickson von den 13th Floor Elevators und die genialen und darum per se latent wahnsinnsgefährdeten Sänger und Komponisten Syd Barrett (Pink Floyd) und Brian Wilson (Beach Boys).
Bereit war die Zeit auch für neues Design. Die Plakat- und Covergestaltung der psychedelischen Jahre ist eine grellbunte Variante des in Deutschland nach der Zeitschrift Jugend benannten Stils der vorletzten Jahrhundertwende, also Art Nouveau, Art déco oder Modern Stile. Blumenmuster, Arabesken, schöne Menschen, schnörkelige Schriften mit den typisch »anderen« vertikalen Binnenunterteilungen waren in den 60ern plötzlich umgewandelt wieder da. Viele Graphikdesigner haben bei ihrer Arbeit expressionistische und Jugendstilvorlagen buchstäblich abgepaust. Damals wie jetzt drückte der Stil Eigenständigkeit, den Anbruch einer neuen Zeit, Jugend und die Abgrenzung von der schnöden Rationalität des herrschenden Systems aus.
Sieht man von den üblichen Vorläufern und Vorboten und Nachzüglern und Nachwehen ab, dauerten die psychedelischen Jahre von 1966 bis 1970. Am Ende stehen Konzertereignisse wie das Altamont Speedway Free Festival mit den Stones als Hauptact, Hell’s Angels als Ordnern und dem Konzertbesucher Meredith Hunter, der wiederholt Streit suchte und letztlich von einem Ordner erstochen wurde, als er einen Revolver zog, das dritte Isle-of-Wight- und das nicht minder katastrophale Love-and-Peace-Festival auf Fehmarn mit Jimi Hendrix’ letztem und Ton Steine Scherbens erstem Auftritt. Am Ende stehen die Tode der später sogenannten 27er-Klubmitglieder Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Alan Wilson (Canned Heat) und Jim Morrison.
Vor allem diversifizierte sich ab 1970 die Musik, die von vornherein sehr vielseitig war. Viele Stücke des »Psychedelic Rock« sind gar kein Rock und nur bedingt bewusstseinserweitert. The Incredible String Band nannten ihren Stil Psychedelic Folk. Sie hatten nicht einmal Schlagzeug, dafür aber, man ahnt es, zahlreiche unverzerrte Saiteninstrumente und zum Heulen schönen mehrstimmigen Gesang. Ebenfalls kein Rock und am besten allein mit Taschentuch zu genießen ist das abwechslungsreiche erste Album von Fairport Convention mit den sechs jungen Londonern unter der Jugendstillampe. Bei den Liedern »Sun Shade«, »Decameron« und »I Don’t Know Where I Stand« sollten unbedingt auch Rotwein und der grüne Tabakersatz in Reichweite sein. Beide Bands hatten Sängerinnen und leisteten sich den Luxus, sie nur zeitweise ans Mikrophon zu lassen.
Andere Bands spielten im Gegenteil eine härtere Richtung, aus der sich dann die Rockarten Prog, Hard Rock und später Metal entwickelten sollten. Creams »Sunshine of Your Love« von der zweiten Platte (»Disraeli Gears«, 1967) wird als Brücke zum Heavy Metal bezeichnet oder als »the riff that launched a 1.000 bands«. Jack Bruce, Eric Clapton und der Psycho Ginger Baker gingen damals ohne nennenswertes Material ins Studio, und das Stück wurde als »psychedelic hogwash«, also psychedelischer Quatsch zurückgewiesen. Hätten sie andere Songs gehabt und wären von diesem weniger überzeugt gewesen, hätten sie ihn nie aufgenommen. Weniger bluesig und noch protometallischer waren die US-Rocker Iron Butterfly, besonders natürlich ihr 17minütiger Meilenstein »In-a-Gadda-Da-Vida« auf dem gleichnamigen Album.
Psychedelic Rock war also Folk, Rock, Pop, Blues und jede Menge verrücktes Zeug. Am Anfang standen insofern die Beatles, als dass George Harrison schon 1965 auf dem Haschalbum »Rubber Soul« mit indischen Instrumenten experimentierte. Für das revolutionäre »Revolver«-Album nahmen sie das eingangs erwähnte Psychedelikmonument »Tomorrow Never Knows« auf. Das Stück basiert auf nur zwei Akkorden, ist aber textlich und musikalisch ein einziger Trip mit Verzerrungen und Rückwärtseinspielungen, die die Studiotechnik zur damaligen Zeit gerade erst hergab. Auf derselben Platte finden sich Harrisons »Love You To« und die drogeninduzierten Klassiker »Rain« und »She Said She Said«. Weitere beste Psychedelik sollte folgen und der Bezeichnung »Pilzköpfe« eine neue Bedeutung verleihen: »The Inner Light«, »Within You Without You«, »It’s All Too Much« und das dunkle »Blue Jay Way« von George Harrison, vom üblichen Duo Lennon/McCartney »Strawberry Fields«, »Across the Universe«, das völlig freidrehende »I am the Walrus« und natürlich »Lucy in the Sky With Diamonds«. Die Initialen der Hauptwörter sollen einem Rolling-Stone-Interview zufolge nur zufällig an Hofmanns Wunderdroge erinnern. An anderer Stelle sagte John Lennon, er habe mehr als 1.000 Trips geschmissen, nämlich drei Jahre lang täglich einen, und der Text mit seinen Marmeladenhimmeln, Zellophanblumen und dem Kopf in den Wolken sei unmissverständlich.
Viele Bands begannen 1966, Drogenerfahrungen zu thematisieren. Die Small Faces werden in »Itchicoo Park« high, küssen den Himmel, und alles ist zu schön. Steve Winwood singt bei Traffic zu Sitarbegleitung von der Papiersonne, die Amboy Dukes entdecken das Vergnügen einer Reise zum Mittelpunkt des Verstandes, von der man vielleicht nicht zurückkehrt, in Jimi Hendrix’ Hirn ist lila Dunst und neuerdings scheinen die Dinge nicht mehr zu sein wie zuvor. Pink Floyds Anfänge sind reine Drogenmusik – und kompositorisch um Längen besser als alles nach Syd Barretts Abgang, als die Band plötzlich berühmt, aber ohne Liedermacher war.
Ein Beispiel für einen weit drastischeren musikalischen Niedergang ist Jefferson Airplane, für viele die Psychedelic-Rock-Band überhaupt. Ihre Hits »Somebody to Love« und »White Rabbit« mit der Zauberpilze verzehrenden Alice und der Wasserpfeife rauchenden Raupe sind absolute Klassiker, aber auch das apokalyptische »The House at Pooneil Corners« von ihrer Atompilzplatte »The Crown of Creation«, das im zweiten Teil in einen 7/4-Rhythmus wechselt, ist innovativ und ungemein hörenswert. Nach einigen Umgruppierungen wurde aus der Band erst Jefferson Starship, dann nur noch Starship. Unter dem Namen verbrachen sie in den Achtzigern Lieder wie »Sara«, »Nothing’s Gonna Stop us Now« und »We Built This City«. Also schnell zurück in die späten Sechziger.
Viele vormals etablierte Künstler versuchten damals ihr Glück in dem ihnen fremden Genre, darunter heute vergessene mittelgroße Stars der Fünfziger wie Johnny Rivers, der auf seiner Platte »Realization« im Jahr 1968 »Hey Joe« und »Whiter Shade of Pale« coverte. Auch der Künstler Dion, der in den Fünfzigern und frühen Sechzigern mit den Belmonts und Hits wie »The Wanderer«, »A Teenager in Love« und »I Wonder Why« einige der erfolgreichsten Lieder der Zeit geschrieben hatte, Ende der Sechziger aber quasi vergessen war, kehrte psychedelisch zurück und sang kaum verblümt über Heroin, indem er die Titelzeile »Daddy Rollin’ (In Your Arms)« zur Kenntlichkeit vernuschelte. In der Regel waren diese Versuche nicht erfolgreich. Die Jungstars der Fünfziger waren in der Hippiezeit noch keine dreißig, aber in der schnellebigen Zeit mussten sie wie Veteranen einer anderen Epoche erscheinen. So sind manche fertig eingespielte Alben nach gescheiterten Singleveröffentlichungen gar nicht erst gepresst worden oder erst Jahrzehnte später. Selten gab es wie bei Simon Dupree and The Big Sound und ihrem Single-Cover »Kites« (1967) den umgekehrten Fall, dass ein psychedelischer Testballon gut ankam und dennoch auf eine einzige Single beschränkt blieb.
Wahre Preziosen sind bei den Künstlern zu entdecken, deren anhaltender Ruhm ihre psychedelischen Experimente überdeckt hat. So ist »Their Satanic Majesties Request« von 1967 je nach Musikgeschmack das beste oder schlechteste, mit Sicherheit aber das kreativste und kommerziell enttäuschendste Album der Rolling Stones. Elvis Presley, der nach der Rock-’n’-Roll-Zeit nur noch immer schlechtere Filme drehte, nahm 1968 die Single-B-Seite »Edge of Reality« auf. Dazu gibt es auch ein herrlich buntes Video mit bezaubernden Hupfdohlen beiderlei Geschlechts. Auch sein Schmalztollenkollege Chubby Checker (»Let’s Twist Again«) ritt mit seinem Album »Chequered!« von 1971 auf der da eigentlich schon ausgelaufenen Psychedelicwelle und sang unter anderem, wie es sich anfühlt, am Sonntag nachmittag bekifft im Badezimmer zu sein (»Stoned in the Bathroom«). Auch Bluesmusiker versuchten sich in Psychedelia bzw. wurden von ihren Plattenfirmen dazu gedrängt: Muddy Waters brachte 1968 »Electric Mud« heraus, das sich recht gut verkaufte, während das im Jahr darauf erschienene »The Howlin’ Wolf«-Album von Howlin’ Wolf floppte. Er mochte es auch nicht, wie das Cover direkt mitteilt – »This is Howlin’ Wolf’s new album. He doesn’t like it. He didn’t like his electric guitar at first either.« Beide Alben zeigen deutliche Hendrix-Anklänge als eine Art Einflussrückkopplung, denn Howlin’ Wolf hatte einst den jungen Jimi Hendrix inspiriert.
Von dem, den Doors, Janis Joplin und ihrem jeweiligen Ende war schon die Rede: Welch ein verlorenes Können! Der überwiegende Teil der Musikformationen von damals hatte sich um 1966 gegründet und um 1970 ganz unspektakulär aufgelöst. Die heute noch leidlich bekannten Zombies waren schon mit dem Popsong »She’s Not There« bekanntgeworden, verkauften sich aber so schlecht, dass sie ihre letzten Aufnahmen selbst finanzierten. Als 1968 ihr wunderbares psychedelisches Album »Odessey Oracle« erschien und die Single »Time of the Season« ein Millionenseller wurde, hatten sie sich schon getrennt.
Manche Bands kennt man nur, weil die spätere Größe Sowieso mal dort gespielt hat. Zu Unrecht! Jeff Lynne vom Electric Light Orchestra hat mit Idle Race zwar noch keine Stadien gefüllt, aber das »Birthday«-Album mit einem Dutzend viel zu kurzer Ohrwürmer in einem einzigartigen Sound geschaffen, die einfach nicht mehr aus Kopf gehen. Hawkwind? Das war doch die erste Band von Lemmy Kilmister. Falsch, davor spielte er bei Sam Gopal Gitarre und sang. Gegründet wurde diese Band vom Tablaspieler dieses Namens als Sam Gopal’s Dream. Lemmy sagte später, den Großteil von »Escalator« (1968) habe er geschrieben, und zwar in einer Nacht. Bitte anhören! Als der spätere Motörhead-Gründer 1972 dann tatsächlich zu Hawkwind kam, hatten sich deren psychedelische Wurzeln längst zu Space Rock verhärtet. Desweiteren empfehlenswert, aber nicht auf den üblichen Best-of-Listen sind die Bands Art, The Nice, Gods, Andwella’s Dream, Always Amber, Second Hand, Love, Blossom Toes, Chambers Brothers, The Misunderstood, Skip Bifferty, Kaleidoscope, Country Joe and the Fish, H. P. Lovecraft und viele mehr. Manche Gruppen sind an ihrer Unbekanntheit nicht ganz unschuldig. Wer gibt schon »Pussy« ein, wenn er auf der Suche nach psychedelischer Musik ist? Und was findet er dann? Das Album heißt »Pussy Plays« (1969). Damals fingen Künstler an, ihre Band nach ihren Familiennamen zu benennen, zum Beispiel die sehr hörenswerten Bobak, Johns, Malone (Motherlight), später Crosby, Stills & Nash von den Psychedelikerbands The Byrds, The Hollies und Buffalo Springfield sowie Emerson, Lake & Palmer von den ebenfalls einschlägigen The Nice, King Crimson und The Crazy World of Arthur Brown (das ist der mit »Fire … tatataaa, I take you to burn«). Damals gab es auch schon eine Band namens Nirvana, die ist wie so viele andere in der Sendung »Beat-Club« der ARD aufgetreten, die von 1965 bis 1972 ausschließlich englischsprachige Musik ausstrahlte.
Psychedelic Rock war von Beginn an angloamerikanisch mit den zwei wichtigen Zentren London und Haight-Ashbury in San Francisco, wo unter anderem The Grateful Dead, Jefferson Airplane und Janis Joplin residierten. Im Londoner UFO Club und im Roundhouse gaben sich die Bands das Gitarrenkabel in die Hand. Es scheint, als ob sich in der konzentrierten englischen Szene wirklich jeder kannte. Lemmy Kilmister war Roadie bei Hendrix und Pink Floyd, der Manager von Sam Gopal war Robert Stigwood, der auch Cream betreute. Der frühe Psychedeliker Donovan war mit den Beatles in Indien, heiratete eine Ex von Brian Jones, spielte mit Jeff Beck und Jimmy Page. Der war damals bei den Yardbirds und als Studiomusiker schon mal bei The Who eingesprungen. Bei denen wollte er Musiker für seine New Yardbirds abwerben. Who-Schlagzeuger Keith Moon sagte, das Projekt wird abstürzen wie ein bleierner Zeppelin, was Page zum Namen Led Zeppelin inspirierte. Da raucht der Kopf. Um auf Donovan zurückzukommen: Dessen »Season of the Witch« ist kurz nach Veröffentlichung von Sam Gopal, dann von Eric Burdon kopiert worden. Anekdoten aus dessen Leben wiederum könnten allein diese Doppelseite füllen. Von den Animals wurde er um Tantiemen gebracht, zog 1966 nach Kalifornien, setzte ein Jahr später mit der Single »Monterey« dem ersten großen Gegenkulturfestival ein musikalisches Denkmal, dann war er mit der überwiegend schwarzen Band War erfolgreich, die ihn nach zwei Jahren mit vorgehaltener Waffe rauswarf. Er selbst ballerte auf einer Party in die Decke, als er seinen Kumpel Jim Morrison zu bestimmend fand. Jimi Hendrix klaute ihm die Frau, sie blieben aber gute Freunde. Eric Burdon war Teil von Hendrix’ letzter Jamsession und half, sein Zimmer aufzuräumen, als der tot und die Polizei noch nicht da war. Er fuhr mit Steve McQueen in der Wüste Motorrad. Auf einer Party erzählte er John Lennon von einem morgendlichen Sexabenteuer, in dem rohe Eier eine Rolle spielten. Der ließ sich davon zu einer Textzeile in »I am the Walrus« inspirieren. In den Siebzigern lebte der »schwärzeste aller weißen Bluessänger« in Deutschland und ging mit Udo Lindenberg auf Tournee, später wurde er ein paar Tage inhaftiert, weil er in Verdacht stand, Kontakt zur RAF zu haben. Eric Burdon hat viele Psychedelic-Rock-Stücke geschrieben und gecovert und ist mit seinen Vernetzungen, der Vietnam-Kritik und dem Erfolg auf beiden Kontinenten eine Schlüsselfigur der Musikrichtung.
Auch sprachlich war die ausschließlich angloamerikanisch. Während die für die Entwicklung der Beat-Musik nicht ganz unwesentlichen Beatles ihre Karriere bekanntlich in Hamburg begannen und 1964 zwei ihrer frühen Hits auf Deutsch einspielten, war Englisch zwei Jahre später als die Sprache der zeitgenössischen Musik etabliert. Wer hierzulande fortan auf internationalen Erfolg spekulierte, sang in diesem Idiom. Auf Nachfrage antworteten nicht wenige Sangeskünstler in den siebziger, achtziger Jahren, Deutsch eigne sich gar nicht zum Singen. Das konnte Franz Schubert natürlich noch nicht wissen. Ungemein spannende Auswirkungen hatte der Psychedelic Rock aber weit über die englischsprachigen Länder, weit auch über den Westen hinaus. In Ländern wie Iran und Türkei, die man so gar nicht mit damit verbindet, wurde das Genre in den siebziger Jahren gepflegt und weiterentwickelt – nur für den fernen Tag, an dem man sich an den britischen und US-Bands sattgehört hat.
Viele Klangeffekte wurden damals erfunden oder kamen erstmals zur Anwendung. Calebs »Baby Your Phrasing Is Bad« von 1967 läuft durch einen sogenannten Flanger. Viele legen wie die Electric Prunes (»I had too much to dream last night / Get me to the world on time«) einen unnatürlichen Hall auf Gesang und Musik.
Marc Hieronimus ist Comicfachmann, Musiker und Alltagsphilosoph. Er lebt mit dem Großteil seiner Kinder am Waldrand von Köln. Zuletzt erschien von ihm an dieser Stelle in der Ausgabe vom 16./17. März 2024 sein Essay »Der Deutsche als analer Charakter«
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