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Wohnen in Deutschland

Mehr Kinder ohne Zuhause

Zahl Minderjähriger ohne Wohnung hat sich verdreifacht. Politik schaut zu

Foto: Frank Molter/dpa

Unterwegs mit der S-Bahn. Ein vom Leben auf der Straße gezeichneter Mensch steigt ein: »Hallo, ich bin leider zur Zeit obdachlos und bin daher gezwungen, die Obdachlosenzeitung zu verkaufen. Ich würde mich freuen, wenn wer ein Exemplar kauft oder ein paar Cents übrig hätte.« Eine Szene, die alltäglich ist, doch was auffällt: Es sind immer häufiger Jugendliche. Die Zahl wohnungsloser Minderjähriger in Deutschland hat sich laut Bundesregierung zwischen den Jahren 2022 und 2025 fast verdreifacht. Das geht aus einer Antwort des Bundesbauministeriums auf eine Anfrage der Partei Die Linke hervor, aus der der Evangelische Pressedienst und die Rheinische Post zitierten.

Galten Ende Januar 2022 bundesweit noch rund 47.200 Menschen unter 18 Jahren als wohnungslos, sind es zum 31. Januar 2025 bereits rund 137.100. Einen neuen deutschen Höchstwert erreichte auch die Zahl der Wohnungslosen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Im Januar 2025 waren es rund 55.700. Drei Jahre zuvor waren es noch 18.800 Menschen in dieser Altersgruppe.

Drastisch gestiegen ist auch die durchschnittliche Dauer der Unterbringung wohnungsloser Menschen in den Kommunen. Im vergangenen Jahr hätten minderjährige Wohnungslose im Schnitt insgesamt 150 Wochen in Obdachlosenunterkünften ausgeharrt. 2023 waren es noch 117 Wochen. Im Vergleich zu anderen Altersgruppen waren Jugendliche laut Ministerium im Jahr 2025 statistisch am längsten in solchen Unterkünften untergebracht.

In Nordrhein-Westfalen gab es den Angaben zufolge die meisten wohnungslosen Minderjährigen. Hier waren es rund 31.700, gefolgt von Baden-Württemberg mit 29.500 und Berlin mit 15.700. Die Bundesregierung nannte die Geflüchteten aus der Ukraine sowie eine »Verbesserung der Datenmeldung durch die beteiligten Stellen« als Gründe für die höheren Zahlen.

Allerdings ist es ihre Politik, die Obdachlosigkeit verursacht. Eine Politik, in der Wohnraum zum Spekulationsobjekt geworden ist. Wo Jugendhilfe gekürzt wird und zeitgleich Hunderte Milliarden in den Krieg gesteckt werden. Und nicht zuletzt eine Politik, infolge derer Menschen durch Vollsanktionierung der Sozialhilfe die Wohnungslosigkeit droht. Solange Wohnraum eine Ware bleibt, solange bleibt Obdachlosigkeit alltäglich.

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.03.2026, Seite 5, Inland

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→Leserbriefe
  • Astrid Loehnert 15. März 2026 um 16:31 Uhr
    Dazu stellt sich mir nur eine Frage, bei einer Gesamtzahl von 137100 Kindern und Jugendlichen vor 2025: Wie viele mehr sind es nun tatsächlich im März 2026? Und warum gibt es nicht einmal dieselbe Anzahl von großzügigen Menschen, die diesen Kindern und Jugendlichen eine kostenlose Unterkunft stellen möchten? Was ist das für eine extrem erbärmliche deutsche Sozialbilanz?
    • Onlineabonnent*in Joachim S. aus Berlin 16. März 2026 um 12:14 Uhr
      Liebe Astrid, die Solidarität kann Leiden mindern, aber niemals alle Wunden schließen, die nicht menschengerechte gesellschaftliche Verhältnisse immer wieder von Neuem aufreißen. Wir müssen das Elend nicht nur wahrnehmen, um es zu bekämpfen. Wir müssen die Verhältnisse angehen, die dieses Elend produzieren. Schwärende Wunden kann man leider mit Pflästerchen nicht heilen.
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