Zum Stand der Dinge
Von Bernhard Krebs
Mit einigen großen Überraschungen ist am Mittwoch abend (Ortszeit) in San Juan (Puerto Rico) sowie Houston und Miami die Gruppenphase der sechsten Austragung des World Baseball Classic (WBC), der Weltmeisterschaft der Nationalmannschaften, zu Ende gegangen. Besonders bitter endete sie für Team Kuba, das nach einer 7:2-Niederlage gegen Kanada zum ersten Mal nicht die K.-o.-Runde erreichte. Gestaltete sich die Partie für den Vizeweltmeister von 2006 zunächst ausgeglichen, geriet Team Kuba im sechsten Inning bei einem knappen 2:1-Rückstand völlig aus dem Tritt und produzierte in der Defensive Fehler um Fehler. Second Baseman Yiddi Cappe ließ einen leichten Ball fallen und Catcher Andrys Perez erwischte einen rabenschwarzen Tag und ließ mehrere wilde, aber blockbare Bälle passieren, die Kanada zur zwischenzeitigen 5:1-Führung nutzte. Schwacher Trost für Kuba: Mit dem dritten Platz in Gruppe A hat sich die Karibikinsel bereits für den kommenden WBC in drei Jahren qualifiziert.
Kanada rückte mit dem Sieg über Kuba hingegen erstmals in die WBC-K.-o.-Runde vor und trifft am Freitag abend (Ortszeit) in Houston auf Team USA, das in Gruppe B nur haarscharf einer Blamage entging. Nach standesgemäßen Siegen gegen Brasilien (15:5), Großbritannien (9:1) und einem hart umkämpften 5:3 gegen Mexiko geriet das Starensemble ausgerechnet gegen Italien unter die Räder. Nach einem zwischenzeitlichen Rückstand von 8:0 arbeitete sich Team USA unter anderem mit zwei Homeruns von Outfielder Pete Crow-Armstrong zurück in die Partie. Mit Kapitän und Power-Hitter Aaron Judge am Schlagmal und einem Runner auf Base hatten die USA im neunten Inning dann noch die Chance zum Ausgleich. Doch Judge fand im Closing Pitcher der Italiener, Greg Weissert, seinen Meister, der per Strikeout den Deckel auf die Partie machte und den Azzurri den größten Sieg ihrer Baseballgeschichte bescherte.
Nach dieser Niederlage lag es nicht mehr in der Hand der USA, ob sie in die K.-o.-Runde vorrücken würden, doch ein hoher 9:1-Sieg der Azzurri über Mexiko am Mittwoch hievte Team USA noch als Gruppenzweiten ins Viertelfinale. Dort trifft Italien am Sonnabend in Houston auf die Auswahl aus Puerto Rico, die hinter Kanada Zweite in Gruppe A wurde. Nach klaren Siegen gegen Kolumbien (5:0) und Kuba (4:1) lieferte sich Puerto Rico gegen Panama einen regelrechten Thriller, der erst mit einem Walk-off-Homerun von Darell Hernaiz im zehnten Inning mit 3:2 gewonnen werden konnte. Mit dem Ersten der Gruppe A, Kanada, fanden die Puerto-Ricaner dann aber ihren Meister und verloren denkbar knapp mit 3:2.
Im ersten Viertelfinale am Freitag abend in Miami werden Südkorea und die Dominikanische Republik (DR) aufeinandertreffen, wobei die Dominikaner in Gruppe D die wohl souveränste Leistung der gesamten Vorrunde ablieferten. Nacheinander fertigten sie Nicaragua (12:3), die Niederlande (12:1) und Israel (10:1) ab. Gegen ein mit Stars gespicktes Team aus Venezuela behielt die DR in einer rasanten Partie mit 7:5 knapp Oberwasser und sicherte sich Platz eins. Südkorea setzte sich hingegen in Gruppe C nur mathematisch nach einem Tiebreak gegen die gleichplazierten Teams aus Australien und Taiwan durch. Es ist das erste Mal seit 2009, dass Südkorea in die Finalrunde vorrückt. Das Viertelfinale am Freitag zwischen Südkorea und der DR ist das erste Aufeinandertreffen dieser beiden völlig baseballverrückten Länder. Der Ausgang dürfte trotz leichter Vorteile für die DR völlig offen sein.
Klar und dennoch knapp setzte sich Titelverteidiger Japan um die Superstars Shohei Ohtani und Yoshinubo Yamamoto in Gruppe C durch. Nach einem deutlichen 13:0 gegen Taiwan, lieferten sich die Japaner beim 8:6 gegen Südkorea eine enge Partie, ehe Australien knapp mit 4:3 geschlagen werden konnte. Und auch das 9:0 gegen die Tschechische Republik täuscht in seiner Deutlichkeit: Die Amateurtruppe um Starting Pitcher Ondřej Satoria, der in seinem normalen Leben Elektriker ist und beim WBC vor drei Jahren mit einem Strikeout gegen Ohtani die Baseballwelt im Sturm erobert hatte, ließ in 4 2/3 Innings mit sechs Hits und drei Strikeouts nichts Zählbares für die Japaner zu. Bis ins neunte Inning konnte Team Tschechien ein sensationelles 0:0 halten, ehe Japan mit einer Barrage von Hits doch noch den deutlichen 9:0-Endstand herstellte. Gegner Japans am Sonnabend in Miami ist Venezuela, das die Niederlande 6:2, Israel 11:3 und Nicaragua 4:0 schlagen konnte und nach einer 7:5 Niederlage gegen die DR Zweiter in Gruppe D wurde.
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