Arundhati Roy: Ich schäme mich dafür, wie feige und rückgratlos unsere Regierung ist
Bei einer Präsentation ihres Buches »Mother Mary Comes To Me« am 9. März in Dehli äußerte sich die indische Schriftstellerin Arundhati Roy auch zur Haltung ihres Landes gegenüber dem US-israelischen Krieg gegen Iran:
Ich muss etwas sagen, weil ich die Tochter meiner Mutter bin und weil ich mich aufraffen und das hier aussprechen muss. Es ist ein kleines Statement zu dem Krieg, der die Welt zu verschlingen droht. Ich weiß, wir sind heute hier, um über »Mother Mary Comes To Me« zu sprechen. Aber wie könnten wir den Tag beenden, ohne über diese wunderschönen Städte – Teheran, Isfahan und Beirut – zu sprechen, die in Flammen stehen? Ganz im Sinne der Offenheit und Unverblümtheit meiner Mutter Maria möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um etwas über den unprovozierten und illegalen Angriff der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran zu sagen. Es ist natürlich eine Fortsetzung des US-israelischen Völkermords im Gazastreifen. Es sind dieselben alten Völkermörder, die nach demselben alten Schema vorgehen. Sie ermorden Frauen und Kinder. Sie bombardieren Krankenhäuser. Sie bombardieren ganze Städte. Und dann spielen sie das Opfer.
Aber Iran ist nicht Gaza. Das Schlachtfeld dieses neuen Krieges könnte sich auf die ganze Welt ausdehnen. (…) Es wird noch andere Gelegenheiten geben, dies ausführlich zu besprechen, daher möchte ich hier nur sagen, dass ich uneingeschränkt an der Seite des Iran stehe. Alle Regime, die eines Wandels bedürfen, einschließlich der USA, Israels und unseres eigenen, müssen vom Volk gestürzt werden, nicht von einer aufgeblähten, lügenden, betrügerischen, gierigen, ressourcenraubenden, bombenwerfenden imperialen Macht und ihren Verbündeten, die versuchen, die ganze Welt zur Unterwerfung zu zwingen.
Der Iran stellt sich ihnen entgegen, während Indien sich duckt. Ich schäme mich für die Feigheit und Rückgratlosigkeit unserer Regierung. Vor langer Zeit waren wir ein armes Land mit sehr armen Menschen. Aber wir hatten Stolz. Wir hatten Würde. Heute sind wir ein reiches Land mit sehr armen, arbeitslosen Menschen, die mit Hass, Gift und Lügen statt mit echter Nahrung ernährt werden. Wir haben unseren Stolz verloren. Wir haben unsere Würde verloren. Wir haben unseren Mut verloren. (…)
Was sind wir für Menschen, deren gewählte Regierung nicht aufstehen und die USA verurteilen kann, wenn sie Staatsoberhäupter anderer Länder entführt und ermordet? Würden wir das auch für uns gutheißen? Was bedeutet es, dass unser Premierminister nur wenige Tage vor dem Angriff auf Iran nach Israel reiste und Benjamin Netanjahu umarmte? Was bedeutet es, dass unsere Regierung nur wenige Tage vor der Erklärung von Trumps Zöllen durch den Obersten Gerichtshof der USA ein unterwürfiges Handelsabkommen mit den USA unterzeichnete, das unsere Landwirte und unsere Textilindustrie buchstäblich im Stich lässt? (…)
Täglich verhöhnen und demütigen uns US-Politiker, darunter Donald Trump, öffentlich. Und unser Premierminister lacht sein berüchtigtes, hohles Lachen. Und umarmt weiter. (…) Manche von Ihnen werden sich erinnern, wie wir früher über diesen blumigen, übertriebenen chinesischen kommunistischen Begriff »Kettenhund des Imperialismus« gescherzt haben. Aber im Moment würde ich sagen, er beschreibt uns ziemlich gut. (…)
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
Vahid Salemi/AP/dpa13.03.2026Werden Sie in den Krieg der USA und Israels eintreten?
Royal Thai Navy via AP12.03.2026Handelsroute dichtgemacht
REUTERS/Abdullah Rashid09.03.2026Schauplatz Irak