»Tomahawks« gegen Schulkinder
Von Luca von Ludwig
Washington ist für das Massaker an der Grundschule im iranischen Minab verantwortlich. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommen die internen Untersuchungen des Pentagons, über die die New York Times (NYT) unter Berufung auf Insiderquellen am Mittwoch (Ortszeit) berichtete. Demnach sollen veraltete Zieldaten zu dem bereits am ersten Kriegstag erfolgten Bombenangriff auf das Schulgebäude, bei dem etwa 170 Tote zu beklagen waren, geführt haben.
Zwar laufen die Ermittlungen noch, jedoch konnte die US-amerikanische Urheberschaft des Angriffes schon zuvor als nahezu sicher gelten. Mehrere Medien hatten das beim Angriff verwendete Geschoss als Lenkrakete vom Typ »Tomahawk« identifiziert. Daraufhin meinte US-Präsident Donald Trump, eine »Tomahawk« sei eine »sehr generische« Waffe, die auch an andere Länder verkauft würde. Tatsächlich verfügen neben den USA nur Australien, Großbritannien, die Niederlande und Japan über das System.
Der Angriff auf die Schule hatte nach Darstellung der NYT eigentlich einer nahegelegenen Basis der iranischen Revolutionsgarden gegolten. Nach den zur Zielbestimmung verwendeten Daten gehöre die Schule zum Gelände des Stützpunktes, obwohl das Gebäude bereits zwischen 2013 und 2016 vom Militärgelände baulich klar abgetrennt worden sei. Demnach würde sich das US-Militär bei seinen sogenannten Präzisionsschlägen auf bis zu zehn Jahre alte Informationen stützen. Die diversen Ebenen der Zielverifizierung hätten, so die NYT, aufgrund der »hektischen« Situation zu Kriegsbeginn versagt.
Fraglich nur, wie hektisch es bei der Zielfindung schon am ersten Kriegstag zugegangen sein kann. Zudem erklärt dies nicht das doppelte Bombardement des Geländes, von dem Hilfskräfte gegenüber Middle East Eye berichteten. Demnach schlug eine zweite Rakete ein, nachdem die Überlebenden des ersten Schlags sich zum Schutz in eine Gebetshalle begeben hatten. Ob der zeitliche Abstand für eine Einstufung als »Double Tap«-Angriff gegeben ist, bleibt unbekannt.
Weniger die Sorge um Sentimentalitäten wie getötete Kinder als vielmehr die unklaren Kriegsziele und was diese die Nation kosten dürfen, treiben derweil die US-Innenpolitik um. »Würde der Präsident tun, was die Verfassung verlangt, und den Kongress um die Autorisierung des Krieges ersuchen, würde er sie nicht bekommen«, meinte zum Beispiel der demokratische Senator Chris Murphy nach einem nicht öffentlichen Briefing mit der Regierung am Dienstag. Die Pläne seien »inkohärent und unvollständig«.
»Wir scheinen auf dem Weg zu sein, amerikanische Bodentruppen in den Iran zu senden«, echauffierte sich Richard Blumenthal, ebenfalls Senator der Demokraten. »Es scheint gar kein Endziel zu geben.« Ein möglicher Einsatz »on the ground« stößt auch unter einigen Republikanern auf Ablehnung. Nachdem der Hardliner Lindsey Graham gesagt hatte, er müsse seine Wähler bitten, »ihre Söhne und Töchter in den Mittleren Osten zu schicken«, meinte seine Parteikollegin Anna Paulina Luna, er solle sich doch zunächst selbst freiwillig melden.
Vor allem zu schaffen machen den Abgeordneten im Vorfeld der Midterm-Wahlen Ende des Jahres die steigenden Spritpreise. »Ich glaube, wir werden eine desaströse Wahl sehen«, so der Republikaner Rand Paul gegenüber Fox. Die Senkung der Verbraucherpreise war ein zentrales Wahlversprechen Trumps gewesen. Stand Mittwoch war Benzin binnen elf Tagen um 20 Prozent teurer geworden. »Über alles andere kann man lügen und es als Fake News abstempeln. Aber es steht ein großes Schild an jeder Straßenecke, auf dem geschrieben steht, wie schlecht die Dinge stehen«, fasst der republikanische Strategieberater Jacob Perry das Dilemma gegenüber Reuters zusammen.
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