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Linke Publizistik

Otto Köhler gestorben

Foto: Christian-Ditsch.de
Otto Köhler (1935–2026)

Otto Köhler ist tot. Wie junge Welt am Mittwoch aus der Familie erfuhr, ist der Journalist und Publizist in der Nacht auf den 11. März nach langer, schwerer Krankheit verstorben.

Köhler wurde 1935 geboren und studierte in Würzburg und Berlin. Dort im SDS aktiv, stieß er später als Medienkolumnist zum Spiegel. Nachdem er sich mit Herausgeber Rudolf Augstein überworfen hatte, über den er später eine kritische Biographie schrieb, arbeitete Köhler als Redakteur für das Satiremagazin Pardon sowie für die linke Zeitschrift Konkret, wo er die berühmte Kolumne »Der/die hässliche Deutsche« verfasste. Als inoffizieller Chronist der Bundesrepublik machte er sich vor allem als Autor von Büchern und Texten einen Namen, die die personelle Kontinuität des Faschismus in der Bundesrepublik beleuchteten. Darüber hinaus beschäftigte sich Köhler intensiv mit den Folgen der Annexion der DDR und dem im Zeichen der sogenannten Auslandseinsätze anhebenden neuen deutschen Großmachtstreben. Seine Standpunkte vertrat er als langjähriges aktives Mitglied auch offensiv im Deutschen PEN-Klub. Köhler war Mitherausgeber der Zeitschrift Ossietzky und erhielt 2007 für sein publizistisches Werk den Kurt-Tucholsky-Preis zuerkannt. Er war mit der Schriftstellerin und Publizistin Monika Köhler verheiratet und lebte in Hamburg.

In der jungen Welt, der er seit den 1990er Jahren als Autor verbunden war, betätigte sich Köhler sowohl als Kommentator als auch als Autor zahlreicher Themaseiten. Im Zentrum seines Interesses stand zuletzt vor allem der Wiederaufbau des Hohenzollernschlosses an der Stelle des Palasts der Republik als Ausdruck deutscher Normalisierung. Als Streiter gegen den nicht erst seit dem Ukraine-Krieg virulenten deutschen Militarismus war Köhler eine die junge Welt prägende Stimme. (jW)

Ein Nachruf folgt

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Erschienen in der Ausgabe vom 12.03.2026, Seite 10, Feuilleton

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