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12.03.2026
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Reiche werden reicher, Arme bleiben arm
Während täglich ein neuer Milliardär dazukommt, arbeitet fast jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland prekär. Das ist kein Zufall
Täglich grüßt das Murmeltier? Täglich grüßt ein neuer Milliardär! Dieses Jahr ist statistisch gesehen jeden Tag ein Milliardär dazugekommen, wie das US-Magazin Forbes am Mittwoch berichtete. Insgesamt seien es mehr als 400 neue Milliardäre im Vergleich zum Vorjahr. Die Liste der Superreichen wächst auf ein Rekordhoch von 3.428. Zusammen kommen sie auf einen Reichtum von 20,1 Billionen US-Dollar. Der reichste von allen: Elon Musk. Der Chef von Tesla und Space X konnte laut Forbes sein Vermögen im vergangenen Jahr auf rund 839 Milliarden US-Dollar verdoppeln und kratzt als erster Mensch an der Billionenmarke. Reichster Deutscher ist Dieter Schwarz mit geschätzten Reichtümern in Höhe von 58 Milliarden Euro. Der Gründer von Lidl und Kaufland kletterte auf der Forbes-Liste auf Platz 29. In Deutschland gibt es Stand 2026 rund 256 Milliardäre und Milliardärinnen. »Es gab noch nie einen besseren Zeitpunkt, um Milliardär zu sein«, so das Forbes-Magazin.
Zur gleichen Zeit arbeitet laut Statistischem Bundesamt fast jede und jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland prekär. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Partei Die Linke im Bundestag erhielten im vergangenen April 7,7 Millionen Beschäftigte – das sind 19,3 Prozent aller Erwerbstätigen – weniger als 15 Euro pro Stunde. Im vergangenen Jahr bekamen rund fünf Millionen weniger als 14 Euro, also einen Verdienst auf Mindestlohnniveau. Zehn Millionen arbeiteten für weniger als 16 Euro. Die Niedriglohnschwelle, also Löhne, die unter zwei Drittel des mittleren Verdiensts fallen, lag laut den für die Antwort herangezogenen Zahlen des Statistischen Bundesamts im vergangenen April bei 14,32 Euro. Die Hans-Böckler-Stiftung mahnt mit Verweis auf die Mindestlohnrichtlinie der EU: Der Mindestlohn dürfe nicht unter 60 Prozent des mittleren Bruttolohns fallen. Im vergangenen Jahr hätte der Mindestlohn, der aktuell bei 13,90 Euro liegt, deshalb bei 15,12 Euro liegen müssen. Der Niedriglohnsektor bleibt in Deutschland groß – mit spürbaren Folgen für Millionen von Beschäftigten.
Von niedrigen Löhnen sind vor allem Beschäftigte in Restaurants und Hotels betroffen. In der Branche arbeiteten im vergangenen Jahr 1,1 Millionen Menschen in Jobs mit einem Lohn unter 15 Euro, wie die Bundesregierung in ihrer Antwort mitteilte. Auch in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie bei Kunst, Unterhaltung und Erholung arbeiteten dem Statistischen Bundesamt zufolge überdurchschnittlich viele Beschäftigte für niedrige Löhne. Es sind vor allem Frauen, die für einen niedrigen Lohn arbeiten. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: 3,4 Millionen Männer arbeiten für weniger als 15 Euro. Bei den Frauen sind es 4,3 Millionen.
Dieser Kontrast zwischen unsagbarem Reichtum und Arbeiten für weniger als 15 Euro pro Stunde ist kein Zufall. Es sind zwei Seiten derselben Medaille: einer Wirtschaftsordnung, in der sich der von Millionen Beschäftigten geschaffene Wert in den Händen von einigen wenigen Supereichen befindet. Der enorme Reichtum vieler Milliardäre beruht zudem immer weniger auf real produzierter Wertschöpfung, sondern auf spekulativem oder »fiktivem Kapital«. Aktienbewertungen, Finanzmärkte und Erwartungen zukünftiger Profite treiben Vermögen in astronomische Höhen, die mit der realen Produktion von Gütern nur noch lose verbunden sind. Techkonzerne werden an der Börse mit Summen bewertet, die weit über ihren tatsächlichen Gewinnen liegen. Der Reichtum der Superreichen besteht daher zu großen Teilen aus Ansprüchen auf zukünftige Profite – also auf zukünftige Ausbeutung von Arbeit. In den Erkenntnissen liegt nicht viel Neues, die Kontraste bleiben alltäglich.
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