Rekordrallye von Rheinmetall
Von Oliver Rast
So langsam gehen die Superlative aus: in der Berichterstattung über den Kriegsproduzenten Rheinmetall. Die Düsseldorfer Waffenschmiede präsentierte am Mittwoch ihre Jahreszahlen – und bilanziert für 2025 abermals Rekorde. Demnach ist der Konzernumsatz gestiegen, deutlich um 29 Prozent auf knapp 9,4 Milliarden Euro im Vergleich zu 7,7 Milliarden Euro im Jahr davor. Und auch das operative Ergebnis kletterte 2025 um 33 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Aber: Das Ergebnis nach Steuern, der Gewinn also, lag mit 0,8 Milliarden Euro nur drei Prozent über dem Vorjahreswert.
Von dem Wermutstropfen abgesehen: Die Auftragsbücher bei Rheinmetall sind prall gefüllt. Der sogenannte Backlog lag 2025 mit 63,8 Milliarden Euro auf neuem Höchstniveau, eine Steigerung um 36 Prozent im Vorjahresvergleich (46,9 Milliarden Euro).
Armin Papperger frohlockt: »Wir haben operativ ein neues Rekordergebnis erzielt und werden die Profitabilität des Konzerns weiter steigern«, wird der Rheinmetall-Boss am Mittwoch in einer Mitteilung zitiert. Bei neuen Großprojekten der Streitkräfte sei der Konzern aussichtsreich positioniert. Der Kurs der Geschäftspolitik ist klar: Die Automotive-Sparte wird abgestoßen. Der Verkauf des schwächelnden Autozulieferzweigs könnte sich aber verzögern, berichtete Reuters gleichentags. Eine Abwicklung im zweiten oder im dritten Quartal 2026 sei denkbar, soll Papperger bei der Bilanzvorstellung gesagt haben.
Der Fokus liegt auf dem Kriegsbusiness. Durch Akquisitionen und strategische Partnerschaften habe Rheinmetall gleichzeitig die »Transformation zum domänenübergreifenden Technologiehaus im Defence-Bereich« vollzogen. Papperger: »Wir sehen, dass sich die Entwicklung bereits heute auszahlt.«
Rheinmetall hatte Anfang März die Übernahme des Marineunternehmens NVL finalisiert, zu dem auch die Hamburger Werft Blohm und Voss gehört. Verkäufer war die Bremer Werftengruppe Lürssen. In Hamburg will Rheinmetall die Massenfertigung von Drohnenbooten starten – im Dreischichtbetrieb. Damit nicht genug: Rheinmetall will der Thyssen-Krupp-Rüstungstochter TKMS in den Verhandlungen um eine Übernahme der Werft German Naval Yards Kiel (GNYK) offenbar Konkurrenz machen, berichtete Reuters am Mittwoch. »GNYK könnte ein Thema für uns sein«, so Papperger auf Anfrage. TKMS hatte dem kleineren Konkurrenten GNYK jüngst ein unverbindliches Übernahmeangebot gemacht.
Hinzu kommt, dass Rheinmetall mit Beginn des Jahres den Umbau seiner Konzernstruktur abgeschlossen hat. Neben Vehicle Systems und Weapon and Ammunition wurden die neuen Segmente Air Defence, Digital Systems und Naval Systems etabliert, hieß es aus der PR-Abteilung.
Der Konzern stärkt damit seine Rolle als zentraler europäischer Akteur der globalen Aufrüstung. Und der US-amerikanische und israelische Angriffskrieg gegen den Iran bedeutet für Rheinmetall einen »Extraschub«, teilte dpa am Mittwoch mit. Demnach würden Flugabwehrgeschütze stark nachgefragt. Papperger: »Die Telefone standen übers Wochenende nicht still, man will unsere Systeme.« Kurz: Unter dem Vorwand eines »gestiegenen Bedarfs der Streitkräfte« produziert Rheinmetall immer mehr Kriegsmaterial – von Schiffen und Militärfahrzeugen bis hin zu immer präziserer Munition. Gleichzeitig drängt das Unternehmen in sogenannte Zukunftsfelder wie die Satellitentechnik vor.
Davon profitieren auch die Anteilseigner. Die Aktionäre sollen für 2025 eine kräftig erhöhte Dividende von 11,50 Euro (8,10 Euro) je Anteilsschein erhalten. Eine Neuigkeit, die auf der virtuell stattfindenden ordentlichen Hauptversammlung am heutigen Donnerstag verkündet werden wird. Auch sonst: Die Aussichten sind bombastisch. Rheinmetall prognostiziert ein anhaltendes Umsatz- und Ergebniswachstum. Im laufenden Geschäftsjahr 2026 soll der Konzernumsatz um 40 bis 45 Prozent auf 14 bis 14,5 Milliarden Euro in die Höhe schnellen, die operative Ergebnismarge soll bei rund 19 Prozent liegen.
Okay, es sind nur Prognosen. Aber steigende Militärbudgets bedeuten weitere Rekordaufträge. Oder: Krise und Krieg bleiben hochprofitabel.
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