Rückkehr nach Afrin
Von Nick Brauns
Acht Jahre nach ihrer Vertreibung durch die türkische Armee und ihre dschihadistischen Söldner sind Hunderte kurdische Familien am Dienstag in den frühen Morgenstunden nach Afrin im nordwestsyrischen Regierungsbezirk Aleppo zurückgekehrt. Ihre Rückkehr fand im Rahmen eines Ende Januar geschlossenen Waffenstillstandsabkommens zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) und der Regierung in Damaskus statt, in dem das Recht syrischer Binnenvertriebener auf Heimkehr verankert ist. Der Konvoi der Rückkehrer wurde von kurdischen Kräften der Inneren Sicherheit sowie Beamten der islamistischen Übergangsregierung aus Damaskus begleitet.
Die mit über hundert Autos und Bussen am Montag in Kamischli aufgebrochenen rund 2.000 Rückkehrer wurden in Afrin von dort während der Besatzung verbliebenen Kurden begeistert mit Feuerwerk, Trommeln und Tanz empfangen. »Sie haben unser Haus verwüstet. Sie haben keinen einzigen Olivenbaum stehenlassen, sie haben sie alle entwurzelt«, zeigte sich ein Rückkehrer gegenüber dem Sender Rudâw allerdings entrüstet angesichts der Verwüstungen, die die inzwischen in die neue syrische Armee eingegliederten Söldnerhaufen hinterlassen haben.
»Die heutige Rückkehr von etwa 400 Familien nach Afrin nach Jahren wiederholter Vertreibung ist ein bewegender Moment«, erklärte die Außenbeauftragte der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien Elham Ahmad am Dienstag. »Die Verbundenheit der Menschen in Afrin mit ihrem Land blieb trotz aller Umstände bestehen. Für sie ist das Land nicht nur ein Wohnort, sondern auch Erinnerung, Leben und tiefe Wurzeln.« In den kommenden Tagen soll eine zweite Gruppe von rund 200 Familien in Dörfer um Afrin und in die Gemeide Radschu (kurdisch Reco) zurückkehren.
Im Januar 2018 war die türkische Armee nach rund zweimonatigen Kämpfen mit den kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG in die bis dahin vom Bürgerkrieg verschont gebliebene Region Afrin einmarschiert. Über 300.000 kurdische Bewohner flohen vor den zusammen mit der türkischen Armee einrückenden Söldnern aus dem Umfeld der Al-Qaida und der faschistischen »Grauen Wölfe«, die mit ihren Familien in die Häuser der Vertriebenen einzogen und damit die Demographie der Region veränderten. Die in Afrin verbliebene Zivilbevölkerung sah sich in den folgenden Jahren Entführungen, Folter, Erpressung, Mord und Plünderungen durch die Besatzer ausgesetzt.
Viele der 2018 aus Afrin geflohenen Kurden wurden mehrfach erneut vertrieben. Zuletzt im Januar 2026 nach Angriffen syrischer Regierungstruppen auf kurdische Stadtviertel von Aleppo, in denen sie Schutz gefunden hatten.
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