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Aus: Ausgabe vom 04.03.2026, Seite 10 / Feuilleton
Friedensbewegung

Verständigung war sein Programm

Ein neuer Band über Hartmut Drewes und die Bremer Friedenspolitik
Von Constanze Kraft
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In der Sache unbeirrbar: Hartmut Drewes (1939–2025)

Man kann es schon einen historischen Glücksfall nennen, was sich in der Stadt Bremen tut: Ein fester Kreis gleichgesinnter Menschen tritt dort seit Jahrzehnten für Abrüstung, Völkerverständigung und Frieden ein. Es ist ein Bündnis, in dem sich Unbeirrbare in der politischen Sache einig sind und zusammenfinden, um Humanität zu befördern. Was diese Menschen in Bremen zuwege gebracht haben, nennt sich »Bremer Friedenspolitik«. Es dürfte in der Bundesrepublik wenig Vergleichbares geben.

Einer von ihnen war der Theologe Hartmut Drewes (1939–2025). Er hatte sich unter verschiedenen Einflüssen während seines Studiums politisiert: durch Besuche in Ostberlin, Aufführungen des Berliner Ensembles, durch den wiederauflebenden Antisemitismus in der BRD, durch die 68er-Bewegung. Er wurde ein Unangepasster. Als Bremer Pastor stieß er 1971 zur systemübergreifenden Christlichen Friedenskonferenz (CFK). Im Jahr 1979 war er Mitbegründer der Abrüstungsinitiative Bremer Kirchengemeinden. Er gehörte zum Bremer Friedensforum, das sich 1983 gründete und oftmals Aufrufe und Informationen auch in dieser Zeitung veröffentlicht. Er gehörte zur Lidice-Initiative der CFK und trug nachfolgend zur Gründung der Jugendbildungsstätte und des Lidice-Hauses in Bremen bei. Er war Mitglied der VVN-BdA und im Gespräch mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Besonders das Schicksal der Bremer Zwangsarbeiter, das – wie anderswo auch – jahrzehntelang nicht thematisiert worden war, lag Drewes am Herzen. Er drängte darauf, ehemalige Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion einzuladen. Zur Jüdischen Gemeinde in Bremen hielt er freundschaftlichen Kontakt, ebenso zur Kirchengemeinde in Großwulkow in Sachsen-Anhalt. Der Marxistischen Abendschule, die meistens in den Räumen der Villa Ichon in Bremen stattfindet und ein anspruchsvolles marxistisches Bildungsprogramm bietet, war er ein unaufhörlicher Impulsgeber. Drewes kritisierte das fehlende Wort der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Frieden – nicht ahnend, dass diese Kirche mittlerweile sogar einen Atomwaffeneinsatz befürwortet. In der unheilvollen Zeit der anwachsenden Russophobie und der hemmungslosen Dämonisierung Russlands rief er mit anderen 2019 den Verein Deutsch-Russische Friedenstage Bremen ins Leben, der bis heute besteht und eine zunehmende Anziehungskraft ausübt. Er gehörte zu denen, die auf dem Bremer Marktplatz riefen: »Wir sind alle Palästina.« Drewes war auch ein bedeutender Literatur- und Kunstkenner – kaum eine europäische Galerie blieb von ihm unbesucht. Mit revolutionären Künstlern fühlte er sich eng verbunden und suchte den Austausch mit ihnen. Er war ein leidenschaftlicher Fotograf und Nutzer der sozialen Medien: Zur Verbreitung der Bremer Friedenspolitik trug er so entscheidend bei.

Diese Aufzählung klingt fast unglaublich, und doch enthält sie nicht einmal die vielen freundlichen und freundschaftlichen Kontakte zu Weggefährten, Mitarbeitenden, Freunden, Kollegen, Patenkindern, die sich in Drewes’ Korrespondenz niederschlugen oder in seinen Bildersendungen. Er war ein unbestechlicher Redner auf Demonstrationen, bei Gedenkstunden, bei Mahnmalenthüllungen, in Grußworten, Vorträgen, Predigten. Niemals ließ er einen Zweifel aufkommen, was für ihn maßgeblich war: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus, keine Feindschaft zu Russland, keine Ausbeutung der einen zugunsten der anderen. Versöhnung war sein Programm, ohne dass er seine Unversöhnlichkeit mit der Kaste der Rüstungsindustriellen, der Banker und Machtpolitiker je verleugnet hätte. Als Theologe war die Friedensbotschaft der Bibel sein Ausgangspunkt, und alle, die ihn kannten, wussten, auf wessen Seite er stand: auf der Seite derer, die den kapitalistischen Machthunger zu spüren bekommen. Und alle, die ihn kannten, waren von seiner Bescheidenheit und Freundlichkeit berührt.

Mit dem Band »Friedenspolitik in Bremen« liegt nun ein opulentes Werk vor, das anhand einer Vielzahl von Fotografien (oftmals von Drewes selbst), von Begleittexten der Weggefährtinnen und Weggefährten sowie von Originaldokumenten das Engagement dieses Friedensmenschen wiedergibt. Es ist ein qualitativ hochwertiges Buch, für dessen innere Schlüssigkeit, Klarheit und Komplexität Barbara Alms außerordentlich zu danken ist, die es gemeinsam mit Gerhard Schäfer entwickelt und gestaltet hat. Es macht vor allem auch deutlich, was entstehen kann, wenn sich Menschen um des Friedens willen zusammenschließen.

Barbara Alms/Gerhard Schäfer (Hg.): Friedenspolitik in Bremen. Hartmut Drewes – Für eine Welt ­ohne Krieg und Gewalt. Donat-Verlag, ­Bremen 2026, 224 Seiten, 24,80 Euro

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