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Aus: Ausgabe vom 03.03.2026, Seite 1 / Titel
Iran-Krieg

Flächenbrand in Nahost

Iran-Krieg: Libanon auch bombardiert. Saudi-arabische Ölanlage brennt. Frankreich, Großbritannien und Deutschland für »Defensivmaßnahmen«
Von Mawuena Martens
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Teheran unter Feuer: Seit Sonnabend bringen Israel und die USA Tod und Zerstörung über Iran (2.3.2026)

Bombenhagel über Iran, brennende Häfen, Ölanlagen und Militärstützpunkte in der gesamten Golfregion sowie der Kriegseintritt der libanesischen Hisbollah: Der Nahe und Mittlere Osten steht in Flammen. An Tag drei des von den USA und Israel begonnenen Krieges gegen die Islamische Republik steht das Land unvermindert unter Beschuss. Laut iranischen Medien wurden bis Montag morgen mindestens 555 Menschen bei den Angriffen getötet. Am Sonntag abend hatte eine Rakete das Gandhi-Krankenhaus in der Hauptstadt Teheran getroffen – insgesamt meldete der Rundfunk am Montag Angriffe auf sieben medizinische Einrichtungen. Die israelische Luftwaffe startete in den Mittagsstunden einen neuen Angriff auf Ziele im Iran, unter anderem auf Sicherheitseinrichtungen »im Herzen von Teheran«, wie das Militär mitteilte. Schwere Explosionen wurden aus dem Stadtzentrum nahe dem Parlament gemeldet. Irans Sicherheitsratschef Ali Laridschani hatte zuvor jeglichen Verhandlungen mit den USA auf X eine Absage erteilt. Deren Präsident Donald Trump stürze die Region mit seinen »illusorischen Träumen« ins Chaos.

Auch auf Israel gab es am Montag eine erneute Angriffswelle. Im Visier: Tel Aviv, Haifa und Jerusalem, heißt es von seiten der iranischen Revolutionsgarden laut AFP. Sie gaben zudem an, den Amtssitz des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu und das Hauptquartier des israelischen Luftwaffenkommandanten mit Raketen attackiert zu haben. Nachdem die Hisbollah in der Nacht auf Montag ihren Kriegseintritt erklärt hatte, legte Tel Aviv Vororte von Beirut sowie weitere Orte in Schutt und Asche.

Weitere Schauplätze des Pulverfasses Nahost: Im Irak hat es am Montag morgen in der Nähe des auch von US-geführten Truppen genutzten Flughafens von Erbil laute Explosionen gegeben. Nach iranischen Schlägen gegen ausländische militärische Einrichtungen, Industrieanlagen sowie Flughäfen in Golfstaaten kündigten diese am Sonntag an, eventuell militärisch zu reagieren. Wie Middle East Eye berichtete, warnte Riad seine Nachbarn jedoch vor eskalierenden Schritten. Nachdem am Montag die Ölraffinerie des staatlichen saudiarabischen Ölkonzerns Aramco in Ras Tanura im Osten des Landes mutmaßlich von zwei iranischen Drohnen angegriffen wurde, erhöhte Saudi-Arabien zudem seine militärische Alarmbereitschaft. Den Absturz von mehreren US-Militärflugzeugen in Kuwait führte das Regionalkommando des US-Militärs derweil auf versehentlichen Beschuss zurück. Am selben Tag stieg an der US-Botschaft Rauch auf. Die Hintergründe blieben unklar.

Unterdessen warnte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, am Montag in Wien vor einem Atomunfall im Nahen Osten. Iranische Atomanlagen seien jedoch nicht getroffen worden. Teherans Vertreter bei der IAEA sagte jedoch, die Atomanlage Natans sei am Sonntag angegriffen worden.

Angesichts dieser Eskalation riefen viele Staaten weltweit zu Frieden auf. Ganz anders hingegen Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Die sogenannten E3-Staaten erklärten am Sonntag abend praktisch ihren Kriegseintritt aufseiten der Angreifer Washington und Tel Aviv. In einem gemeinsamen Statement behaupteten die drei Staats- und Regierungschefs Friedrich Merz, Keir Starmer und Emmanuel Macron, sie seien bereit, bei Bedarf »Defensivmaßnahmen« zu ergreifen. Kurz nachdem Starmer den USA angeboten hatte, britische Basen für Angriffe auf Iran zu nutzen, gab es einen Drohnenangriff auf den britischen Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern. Spanien wählte unterdessen einen anderen Weg: Es verbot den USA, seine Basen für den Krieg zu nutzen.

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