Kurzer Prozess
Von Oliver Rast
Locker, beinahe lässig. Im Sauseschritt nimmt er den Tritt am Ringrand, beugt sich vor, lässt den Oberkörper zwei-, dreimal hin- und herschwingen und schlüpft dann mit Elan durch die Seile in den Hochring. Ein perfekter Auftritt im güldenen Mantel mit langen weißen Fransen – vom jüngsten deutschen Boxprofi Arminius Rolle. Am Samstag abend bei der »Universum Boxing Night #17« im boxstalleigenen Gym in Hamburg.
Das 15jährige Ausnahmetalent aus Berlin hatte im »Generationsduell« den 31 Jahre älteren Routinier Marcel Kemnitz vor den Fäusten. Ein ungleicher Kampf, angesetzt auf acht Runden. Rolle übernimmt von Beginn an die Initiative, dominiert mit dem linken Jab, zieht die rechte Schlaghand ein-, zweimal hinterher. Ein erstes Ausrufezeichen. Kemnitz bleibt passiv, verschanzt sich hinter seiner Doppeldeckung. Das sieht auch Vater, Trainer und Manager Robert Rolle in der Ringecke. »Er ist offen, komm’, Führhand, Aufwärtshaken«, ruft er seinem Spross zu. Der pariert, schickt den indisponiert wirkenden Kontrahenten auf die Bretter. Mühsam rappelt er sich auf. Der Gymnasiast setzt sofort nach, eine satte Schlagsalve, Kemnitz fällt abermals, der Ringrichter zählt ihn an, bricht den Fight ab. Technischer Knockout für Rolle in Runde eins. Und damit vierter Sieg im vierten Fight, dreimal durch K. o. Eine stolze, makellose Bilanz für den Teenie.
Das findet auch Marlon Esteban. »Arminius’ Kampfstil ist kein Zufallsprodukt«, sagte der Universum-Matchmaker am Sonntag zu jW. Er agiere strukturiert, bleibe unter Druck taktisch klar und zeige bereits die selten früh entwickelte Fähigkeit, Kämpfe zu lesen. Wie resümiert der junge Rolle seinen Erfolg? Locker, lässig: »Schade, ich hätte mir gewünscht, mein Gegner hätte mehr geschlagen und mehr eingesteckt«, so das »German Wunderkind« gegenüber jW.
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